Aus . – 29.10.2022 07:00 (29.10.2022 07:00)
Wenn Frauen auf dem Arbeitsmarkt gleichgestellt wären, gäbe es ein milliardenschweres BIP-Wachstum. ©APA/AFP/DAMIEN MEYER (Symbolbild)
Am kommenden Sonntag ist Equal Pay Day. Eine grafische Analyse des Momentum Institute verdeutlicht, wie stark das BIP wachsen würde, wenn Frauen gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten.
Der 30. Oktober ist Equal Pay, der Tag, an dem Männer in Österreich in einem ganzen Jahr bereits so viel verdient haben wie eine Frau. In Österreich verdienen Frauen 17 % weniger als Männer. Darunter leiden nicht nur alle Frauen, sondern auch die österreichische Wirtschaft. Hätten Frauen Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt, würde Österreichs Bruttoinlandsprodukt laut einer grafischen Analyse des Momentum Institute um fast ein Drittel oder rund 123 Milliarden Euro wachsen.
Equal Pay Day am kommenden Sonntag
Hauptgrund für das große Einkommensgefälle bleibt die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit. In Österreich nehmen Frauen deutlich häufiger unbezahlte Tätigkeiten wie Kinderbetreuung, Krankenpflege oder Hausarbeit auf. Dies zwingt viele zur Teilzeitarbeit, was zu Einkommens- und Renteneinbußen führt. Von den rund 430.000 Menschen in Österreich, die aufgrund von Betreuungspflichten in Teilzeit arbeiten, sind 95 % Frauen. Rechnet man die Teilzeitbeschäftigten mit ein, beträgt die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen 36 Prozent. Der Equal Pay Day würde dann auf den 22. August fallen.
Laut dem Momentum Institute gingen einer Frau in den Pandemiejahren 2020 und 2021 durch Kurzarbeit und unbezahlte Beschäftigung durchschnittlich rund 38.000 Euro Einkommen verloren. Wären Frauen in Österreich für diese unbezahlten Arbeitsstunden bezahlt worden, hätten sie damit insgesamt rund 112 Milliarden Euro verdient.
SPÖ will Lohngesetz mit Strafen für Unterbezahlung
Gewerkschafter und Opposition sind sich einig, dass politischer Handlungsbedarf besteht, um die jährliche Bruttolohnlücke von 9.430 Euro zu verringern. Zentrale Forderungen der SPÖ sind ein Lohngesetz mit Unterbezahlungsstrafe, ein gesetzlicher Anspruch auf kostenlose Rund-um-die-Uhr-Betreuung ab einem Alter, ein fester Elternzeitanteil und eine Reduzierung der Arbeitszeit. „Die Krise hat die Lage verschärft. Wir müssen alles tun, um einen Rückschlag zu vermeiden“, sagte SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner.
In die gleiche Kerbe schlägt NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter: „Generell ist die Kinderbetreuung der Schlüssel zur finanziellen Selbstbestimmung von Frauen.
Damit Frauen frei entscheiden können, ob sie Vollzeit oder Teilzeit arbeiten wollen, müssen sie auch wissen, welche Auswirkungen längere Teilzeitjobs auf ihre Rente haben. Laut Karin Zeisel, Frauenvorsitzende der Gewerkschaft GPA, ist die Forderung nach einer obligatorischen Wirtschafts- und Finanzbildung im Schulbereich noch nicht umgesetzt.
Der Gender Pay Gap ist überproportional hoch
Allerdings ist der Gender Pay Gap nicht in allen Bundesländern gleich. Frauen in Vorarlberg erhalten 24,7 % weniger Jahreseinkommen als Männer, während der Unterschied zwischen Frauen in Wien „nur“ 12 % beträgt. Für Arbeiterkammerpräsidentin Renate Anderl lautet das Ergebnis des frauenpolitischen Erfolgs: „In Wien schafft die Politik die Rahmenbedingungen: Es gibt ganztägig genügend Bildungseinrichtungen für Kinder, sowie genügend professionelle Betreuungsangebote. Fehlt diese, sind dies die beiden Haupthindernisse für eine voll gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Arbeitsleben und damit für ein faires und gleiches Einkommen bis hin zur Rente.“