Dies markiert einen dramatischen Wendepunkt im Streit um die rund 44 Milliarden Dollar teure Übernahme. Allerdings herrscht eine gewisse Unsicherheit: Musk teilte der SEC mit, dass sein Angebot an Finanzierungszusagen geknüpft sei.
Teslas Chef bestätigte am Dienstag die Profitabilität in einer Einreichung bei der US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission. In einem Brief schlug Musk vor, den Deal zum ursprünglich vereinbarten Kaufpreis von 54,20 US-Dollar pro Aktie abzuschließen, sagten seine Anwälte.
Nach seinem Wechsel schrieb Musk, dass der Kauf von Twitter seinen Weg zu „X, der App für alles“ beschleunigen würde. Und drei bis fünf Jahre, fügte er in einem Tweet hinzu. Was genau hinter seiner Vision einer universellen App steckt, war nicht klar.
In einem kurzen Statement bestätigte Twitter, dass es das Schreiben mit Musks erneutem Angebot erhalten habe. Das Unternehmen beabsichtigt, die Transaktion wie geplant abzuschließen. Die Twitter-Aktie stieg am Dienstag um gut 22 Prozent auf 52 Dollar.
Musk hatte den Kaufvertrag vom April im Juli widerrufen, weil Twitter angeblich die Zahl der gefälschten Konten auf seiner Plattform falsch dargestellt hatte. Das Unternehmen bestand jedoch auf der Einhaltung des Kaufvertrags und zog vor Gericht. In den letzten Tagen wurden einige peinliche Chat-Gespräche mit potenziellen Investoren und anderen im Rahmen von Musks Prozessunterlagen öffentlich gemacht.
Musks Anwaltsteam habe den Eindruck, dass sich der Fall gegen ihn aufbaue und sich der Richter bereits nach den ersten Anhörungen zur Prozessvorbereitung auf die Seite von Twitter gestellt habe, berichtete der Finanzdienst Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf einen Insider. Um aus dem milliardenschweren Deal herauszukommen, hätte Musk dem Unternehmen einen schweren Vertragsbruch nachweisen müssen.
Im Moment waren die Gründe für Musks Umdenken unklar. Viele Experten schätzten seine Chancen im Gerichtsverfahren von Anfang an als ungünstig ein. Musk versuchte monatelang, angeblich falsche Angaben von Twitter über die Zahl der Spam- und Fake-Accounts als Verstoß gegen die Übernahmeverträge darzustellen. Ob das vor Gericht ausreicht, ist aber fraglich.
Im August präsentierte Musk neue Argumente, um zu versuchen, die milliardenschwere Übernahme von Twitter zu kippen. Teslas Chef präsentierte die Vorwürfe eines Whistleblowers, der Twitter unter anderem vorwarf, Nutzerdaten nicht zu schützen und andere Sicherheitslücken zu schließen. Wegen dieser “ungeheuerlichen” Mängel sei Musks Übernahmeangebot für Twitter als ungültig einzustufen, schrieben seine Anwälte damals an das Unternehmen.
Whistleblower ist Peiter Zatko, der ehemalige Sicherheitschef von Twitter. Er wurde im Januar entlassen und reichte später eine Beschwerde bei der US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission ein. Der IT-Experte, der auch unter seinem aus früheren Hacker-Tagen stammenden Spitznamen „Mudge“ bekannt ist, erhob schwere Vorwürfe gegen das Twitter-Management und bezeichnete die Online-Plattform in einer Senatsanhörung als „Sicherheitslückenbombe“.
Denn sollte Musk Twitter kaufen, wäre das betroffene Unternehmen im Besitz des Mannes, der dessen Führung in den vergangenen Monaten fast ununterbrochen öffentlich kritisiert und den Wert des Unternehmens in Frage gestellt hat. Musks Plan ist es jedoch, Twitter von der Liste zu nehmen und trotzdem eine neue Verwaltung zu installieren. Würde der reichste Mensch der Welt die Fäden der Online-Plattform ziehen, wäre das auch politisch brisant. Spannend ist zum Beispiel, ob Twitter dann den ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, zurücknimmt.
Musk betonte von Anfang an, dass es ihm nicht darum gehe, Twitter für Geld zu übernehmen, sondern die Meinungsfreiheit auf der Plattform zu stärken. Trumps Twitter-Verbot nach seinen Sympathiebekundungen für Unterstützer, die am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington stürmten, bezeichnete Musk in einem Interview im Mai als „moralisch falsch und einfach nur dumm“. Ein Comeback könnte für Trump gerade rechtzeitig kommen, da er eine mögliche Präsidentschaftskandidatur für 2024 ins Auge fasst.