Dornach SO: Brand an Silvester: Wer hat das Goetheanum angezündet?

Veröffentlicht am 31. Dezember 2022, 06:32

Dornach SO: Brand an Silvester: Wer hat das Goetheanum angezündet?

Der Brand am ersten Goetheanum in Dornach ist bis heute ein kalter Fall. Ein Hauptverdächtiger war schnell gefunden, aber es war der falsche. Kriminalität beschäftigt bis heute nicht nur Anthroposophen.

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Am Neujahrsmorgen war vom Kuppelbau in Dornach nicht mehr viel übrig. Das Feuer dauerte die ganze Nacht und Hunderte von Feuerwehrleuten kämpften vergeblich dagegen an.

Max Benzinger

Vom Zentrum der anthroposophischen Bewegung blieb nur das konkrete Fundament. Die Ursache war schnell klar: das Feuer. Ein Hinweis darauf soll ein zerbrochener Spiegel gewesen sein, der in der Nähe des Brandherdes gefunden wurde.

Daniel Hindes: Rudolf-Steiner-Web

Der Grundstein des Goetheanum wurde zehn Jahre zuvor gelegt. Es wurde zum Zentrum der anthroposophischen Lehre Rudolf Steiners. Auch in den Tagen nach dem Brand hatte er bereits Rechercheansätze parat.

Wikimedia Commons

In der Silvesternacht 1923 brannte das Goetheanaum bis auf die Betonfundamente nieder. Zehn Jahre lang thronte der eigenwillige Holzkuppelbau auf dem Hügel über Dornach und bildete das Zentrum der anthroposophischen Bewegung Rudolf Steiners. Misstrauen, Misstrauen, sogar Feindseligkeit: Die Anthroposophen hatten nicht viele Freunde in ihrer neuen Heimat. Untersuchungen ergaben, dass das Feuer als Brand zwischen den Wänden begann und sich lange Zeit unbemerkt ausbreiten konnte.

“Der Himmel begann sich plötzlich rot zu färben”, schrieb die Basler “National-Zeitung” im Berchtoldstag über den Silvesterbrand. Es war ein Spektakel. Als die Kirchen das alte Jahr einläuteten, schlugen Flammen aus den Kuppeln des Goetheanum in den Himmel. Die Feuerwehr Dornach war um 23.15 Uhr im Einsatz, alle umliegenden Feuerwehren wurden nach Basel gerufen. Gleichzeitig kamen immer mehr Zuschauer. Ein ganzer Wagen ging auf den Dornacherberg.

Tausende Schaulustige versammelten sich

Die Birseckbahn musste am nächsten Tag Tausende Katastrophentouristen transportieren. Zahlreiche zusätzliche Straßenbahnen fuhren am frühen Morgen. Schon an Silvester deutete alles auf einen Brand hin. Als Beweismittel wurde ein zerbrochener Spiegel angeführt. Dieses wurde am Abend vermutlich vom Brandstifter dem Erdboden gleichgemacht, und zwar genau in dem Gebäudeteil, in dem die Brandortung aus technischen Gründen schwieriger war. Auch Ölrückstände sollen gefunden worden sein. Doch wer hat den Brand in dem Gebäude gelegt, das fast sieben Millionen Franken gekostet hat?

Bereits am 4. Januar berichteten die Basler Nachrichten über eine vermisste Person. Der junge Uhrmacher Jakob Ott. Der damals 28-Jährige wurde in der Brandnacht gegen 23.30 Uhr von einem Feuerwehrmann gesehen. Ott selbst war Anthroposoph, war aber wegen finanzieller Probleme bei ihnen geblieben und soll entsprechend gedroht haben. Schnell wurde vermutet, dass Ott, dessen Aufenthaltsort nach der Brandnacht unbekannt war, ins Ausland geflüchtet war. Popularisiert wurde dieser „Forschungsansatz“ auch von keinem Geringeren als Rudolf Steiner selbst.

Aber Ott war nicht weggelaufen. Er starb in den Flammen. Er meldete sich freiwillig, um zu versuchen, das Feuer zu löschen. Zu diesem Ergebnis kamen Recherchen im Jahr 2007. Die Autorin Michelle Steinbeck hat den Jahrhundertbrand in dem Hörbuch und Theaterstück „Chroniken von Dornach – Der zerbrochene Spiegel“ bearbeitet, das erstmals zu Weihnachten auf Radio X ausgestrahlt wurde. Die Untersuchung des Falls überzeugte sie, dass Ott unschuldig war. So sehr, dass er sogar den Wikipedia-Eintrag für das Goetheanum redigierte, wie er dem “bz Basel” sagte.

Stoff für ein Theaterstück

Aber wer war er dann? Ein privilegierter Mensch. Das vermutet Peter Selg, Co-Leiter der Allgemeinen Anthroposophischen Sektion am Goetheanum. Das Feuer wurde strategisch gelegt. Dies sei nur mit Kenntnis der Baupläne möglich, wie er gegenüber Telebasel erklärte. Wer dieser Insider war, wird wahrscheinlich für immer ein Rätsel bleiben.

Steinbeck füllt diesen Raum mit einigen ebenso plausiblen wie unbewiesenen Szenarien. Demnach war der arme Uhrmacher Ott nur ein Sündenbock, der für den Brand verantwortlich gemacht werden sollte. Um vom eigentlichen Verbrechen abzulenken, einem Versicherungsbetrug. Aber das ist natürlich nur Spekulation.

Michelle Steinbecks Hörbuch „Chroniken von Dornach – Der zerbrochene Spiegel“ wird am 15. Januar im Neuen Theater in Dornach aufgeführt.

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