„Die Geduld geht zu Ende“: Söder will Lkw-Kürzungen in Bayern

Vorgabe der Bundesregierung: Fahrverbote

Der bayerische Ministerpräsident forderte von der Bundesregierung „Ausfahrtsverbote für den überregionalen Verkehr auf der A8 und A93“. Im BR-Interview betonte Söder, dass der Bund für die Bundesstraße zuständig sei. Er will gemeinsam mit der Bundesregierung nach Lösungen suchen. Dann kann die bayerische Polizei die Ausgänge diesbezüglich kontrollieren.

Der CSU-Politiker bemängelte, dass in Berlin und Brüssel bisher zu wenig Bewegung sei: „Auch unser Vorschlag einer Maut vom Süden Münchens nach Verona auf der Brennerstrecke wurde bisher nur zögerlich verfolgt, obwohl Bayern, Tirol und Südtirol sind dafür.” Jetzt muss der Freistaat seine Bürger schützen.

Aiwanger: Um den Güterverkehr auf der Schiene zu subventionieren

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) forderte die Bundesregierung auf, den Güterverkehr auf der Schiene zu subventionieren. „Solange der Schienengüterverkehr viel teurer und weniger zuverlässig ist als der Straßengüterverkehr, wird sich wenig ändern“, argumentierte Aiwanger.

Daher sollte der Bund den Güterverkehr auf der Schiene auch auf kurzen Strecken aus Süddeutschland finanziell unterstützen. “Aktuell subventionieren wir mit dem 9-Euro-Ticket auch den ÖPNV für den Personenverkehr. Warum also nicht etwas Ähnliches im Güterverkehr umsetzen?”, sagte der Freie-Wähler-Politiker.

Das Landratsamt sucht nach einer rechtssicheren Lösung

Nach Angaben des Landratsamtes Rosenheim wurden bereits Gespräche mit den Verkehrs- und Innenministern sowie mit der Polizei und der Bundesautobahn GmbH geführt. Die bevorzugte Idee ist, Autobahnausfahrten für den Lkw-Verkehr zu sperren. Überlegungen, dass Bezirksamtsblöcke straßenübergreifend für den Straßenverkehr genutzt werden, sind schwieriger umzusetzen. Ob es dafür eine rechtssichere Lösung gibt, werde noch geprüft, so das Landratsamt.

Der Bürgermeister der Marktgemeinde Neubeuern, Christoph Schneider, lobte Söders Forderung: „Es geht endlich voran.“ Brannenburger Bürgermeister Matthias Jokisch sagte dem BR: „Es muss schnell etwas passieren, denn die Belastung ist einfach nicht mehr zu tragen.“

Tirol will „Notmaßnahmen“ aufrechterhalten

Tirols Landeshauptmann Günther Platter hat die Führung des Blocks durch den Vormarsch der Bayern bestätigt. Söders Anruf erinnere ihn an den Tiroler Kampf gegen den Stau, sagte Platter zu Innsbruck. „Der Verkehr auf dem Brennerkorridor hat seinen Ursprung nicht in Tirol oder Bayern. Vielmehr sind wir Opfer einer verfehlten europäischen Verkehrspolitik, die den Straßenverkehr stark begünstigt und in den letzten Jahren eine Verkehrslawine ausgelöst hat.“

Tirol spürt die Auswirkungen seit vielen Jahren. „Deshalb wehren wir uns mit Notfallmaßnahmen wie Blockmanagement“, betonte der Gouverneur. Auch die Bevölkerung entlang der bayerischen Autobahnstrecken ist von der Verkehrsbelastung betroffen. Am Ende braucht es eine globale Lösung auf europäischer Ebene. „Solange diese nicht bestehen und die Belastung in dieser Größenordnung liegt, wird Tirol an Notfallmaßnahmen festhalten und auf keinen Fall Abfertigungen blockieren oder Fahrverbote lockern.“

Bundesverkehrsministerium: Gespräche mit Österreich

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums betonte, Minister Volker Wissing (FDP) führe Gespräche mit Österreich über die Bewirtschaftung von Blöcken und suche eine einvernehmliche Lösung. „Das Bundesministerium für Verkehr und Digitalisierung setzt sich seit langem für die Abschaffung einseitiger Verkehrsbeschränkungsmaßnahmen in der Brennerregion ein.“ Neben dem Umgang mit LKW-Blockaden gibt es auch Fahrverbote zu bestimmten Zeiten und Fahrzeugen sowie Transportverbote für bestimmte Güter. „Das behindert den freien Warenverkehr erheblich und verursacht Staus.“

SPD: Söder will ablenken

Der Vorsitzende der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, Florian von Brunn, zeigte sich überrascht, „dass die CSU keinen Einfluss auf ihre konservative Schwesterpartei ÖVP in Österreich hat“. Er warf dem Ministerpräsidenten vor, davon ablenken zu wollen, “dass die CSU-Verkehrsminister von Ramsauer über Dobrindt bis Scheuer es versäumt haben, die Ware auf die Schiene zu bringen”. Die Opfer sind jetzt die Nachbarn der Nachbarschaft. Von Brunn fügte hinzu: „Ich hoffe, der Wissinger Bundesverkehrsminister nimmt die Sache selbst in die Hand, denn so kann es nicht weitergehen!“

FDP: “Kita-Niveau”

Der Präsident des FDP-Bezirks Bad Tölz-Wolfratshausen, Simon Roloff, nannte Söders Äußerungen einen „Quark“. „Die Blockverwaltung in Tirol ist da, weil wir beim Brennerausbau (der uns auch massiv entlasten würde) seit Jahren nicht vorangekommen sind und Sie kein Interesse an einem konstruktiven Austausch mit unseren Nachbarn haben“, twitterte Roloff. “Das ist Kindergartenniveau.”

Unterdessen begrüßte die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig die Initiative des Ministerpräsidenten. „Das ist eine gute Nachricht für unsere Region! Gut, dass Markus Söder das Thema zur Chefsache gemacht hat!“

Regelmäßige Staus

Hintergrund ist der seit Jahren verrauchte heftige Streit zwischen Bayern und Tirol um die Abwicklung des Verkehrs. Um die zum Brenner führende Intalautobahn zu entlasten, hat das österreichische Bundesland in diesem Jahr die Einfahrt für Lkw für insgesamt 38 Tage eingeschränkt. Am Grenzübergang Kufstein / Kiefersfelden können stündlich maximal etwa 300 Lkw aus Deutschland über die A12 einreisen. Schwerverkehr stoppt bei Bedarf komplett. Dadurch kommt es im Münchner Raum regelmäßig zu Staus.

(Mit dpa-Material)

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