Die Gaskrise hält Investoren in Atem

Marktbericht

Stand: 05.07.2022 12:52 Uhr

Angesichts der europäischen Gaskrise hat der Euro seinen tiefsten Stand seit 2003 erreicht. Das drückt auch den DAX. Der deutsche Leitindex markiert ein neues Dreimonatstief.

Starke Turbulenzen an den Devisenmärkten und negative US-Futures haben am deutschen Aktienmarkt für eine Trendwende gesorgt. Nach anfänglichen Kursgewinnen drehte der DAX ins Minus und markierte ein neues Dreimonatstief. Das vorläufige Tagestief liegt bei 12.603 Punkten, das sind weniger als 1,3 Prozent des Vortagesschlusskurses.

Wirtschaftsupdate vom 05.07.2022

Stefan Wolff, Personal, 5. Juli 2022 10:30 Uhr

Der Euro im Alter von 19 wegen der Gaskrise

Der Euro fiel um ganze 1,4 Prozent auf 1,0282 Dollar, den niedrigsten Stand seit 2003. Händler weisen auf wachsende Unsicherheiten bei der Gasversorgung hin. Der Streik der norwegischen Öl- und Gasarbeiter kommt zur Unzeit und verschärft die ohnehin angespannte Lage.

Der norwegische Energiekonzern Equinor gab heute Morgen bekannt, dass er die Öl- und Gasförderung infolge der Werksschließung um 89.000 Barrel Öläquivalent pro Tag reduzieren werde, davon 27.500 für die Gasförderung. Nach einer Reuters-Schätzung könnte eine für Samstag geplante neue Eskalation fast ein Viertel der norwegischen Gasförderung und etwa 15 Prozent der Ölförderung lahmlegen.

Anleger verkaufen die erwarteten Gewinne des DAX

Kursverwerfungen am Devisenmarkt sorgen für neue Unsicherheiten, auch bei Börseninvestoren. „Sell the Rally“ bleibt die Devise am deutschen Aktienmarkt. Die ersten Gewinne sind also schnell ausverkauft – dies ist der zweite Tag in Folge, an dem sich dieses Muster bewahrheitet. Mit dem Unterschreiten des Vorwochentiefs von 12.619 Punkten ist nun das Jahrestief von 12.439 Punkten das nächste Ziel für den deutschen Leitindex.

Angesichts der Gaskrise in Europa und der Angst vor einer Rezession trauen sich Investoren derzeit nicht an die Börse. „Geld- und geopolitisch bleiben die Börsenampeln auf Rot und aus technischer Sicht ist der Abwärtstrend des DAX intakt“, erklärt Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets.

Wall Street vor negativem Start

Auch von den US-Börsen kommen negative Vorgaben für den DAX-Handel. Nach dem gestrigen Feiertag gibt es heute bei der Eröffnung der Wall Street Anzeichen von Kursrückgängen. Der Future des in den USA führenden Dow Jones Industrial Average wird derzeit um 0,3 Prozent im Minus gehandelt. Der hochtechnologische Future Nasdaq 100 verlor 0,5 Prozent. Marktbeobachter verweisen auf den steigenden Dollarkurs.

Der starke Dollar schwächt die Nachfrage nach Gold

Die Stärke des Dollars belastet den Goldpreis, verteuert das gelbe Edelmetall im Nicht-Dollar-Bereich und schwächt damit die Nachfrage. Eine Unze Gold kostet zur Mittagszeit 1803 Dollar.

Die Ölpreise steigen

Der Ölpreis wurde nach dem Anstieg der Anfangspreise negativ. Mittags kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 112,22 Dollar. Das sind 1,2 Prozent weniger als am Vortag.

Die Regierung will einen „Schutzschirm“ für Uniper & Co schaffen

Bei den Einzelwerten am deutschen Aktienmarkt steht einmal mehr die Uniper-Aktie im Fokus. In der Gaskrise will die Bundesregierung einen „Schutzschirm“ für angeschlagene Energiekonzerne schaffen. Die gesetzlichen Änderungen sollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Bund in Unternehmen wie Uniper investiert. Nach zunächst guten Kursgewinnen war die Aktie von Uniper am Mittag im Minus.

ProSiebenSat.1 übernimmt die rote LED-Taschenlampe

Mit Kursverlusten von mehr als acht Prozent ist die ProSiebenSat.1-Aktie zur Mittagszeit der größte Verlierer im MDAX. Erstmals seit April 2020 werden die Papiere zu Preisen unter acht Euro gelistet. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Aktie von „Neutral“ auf „Ausverkauf“ herabgestuft und das Kursziel von 12,50 auf 9 Euro gesenkt. Experten sehen immense Ertragsrisiken für ProSiebenSat.1.

Metro verkauft Immobiliensilber

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