Stand: 09.09.2022 14:13
Aufgrund der hohen Energiepreise braucht auch der ostdeutsche Gasimporteur VNG Unterstützung. Das Unternehmen hat heute beim Bundeswirtschaftsministerium einen Antrag auf staatliche Beihilfen gestellt.
Nach Uniper braucht nun auch der ostdeutsche Gashändler VNG wegen rasant steigender Energiepreise staatliche Hilfen. „Um weiteren Schaden von VNG abzuwenden und die Handlungsfähigkeit der VNG-Gruppe als Ganzes zu gewährleisten“, sah sich das Unternehmen veranlasst, den entsprechenden Antrag zu stellen, teilte das Unternehmen heute mit. Die Tochter des Energiekonzerns EnBW ist einer der größten Importeure von deutschem Gas.
Das Wirtschaftsministerium bestätigt die Anfrage
Das angeschlagene Unternehmen hat beim Bundeswirtschaftsministerium sogenannte Stabilisierungsmaßnahmen beantragt. „Die Maßnahmen zielen darauf ab, die derzeit anfallenden erheblichen Verluste aus dem Ersatzbezug von Erdgas aufzufangen und die Fortführung der Geschäftstätigkeit zu ermöglichen“, sagt die mehrheitlich beteiligte Karlsruher Muttergesellschaft EnBW.
Das Wirtschaftsministerium bestätigte gegenüber der ARD-Hauptstadtstudie, dass der Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen des Energiesicherungsgesetzes am Vormittag eingegangen sei. Der Antrag werde nun gründlich geprüft, sagte er. Viele Fragen waren zunächst unklar, etwa um welche Summen es geht und ob der Bund eventuell eine Beteiligung erwägt. Es gebe mehrere Möglichkeiten, sagte ein Ministeriumssprecher. Welches Instrument gewählt wird, ist offen.
VNG deckt ein Fünftel des Gasbedarfs
Die Leipziger Verbundnetzgas AG (VNG) ist Deutschlands drittgrößter Gasimporteur nach Uniper und der ehemaligen Gazprom-Tochter Gazprom Germania, die nun unter Aufsicht der Bundesnetzagentur steht und in SEFE umbenannt wurde. 2021 deckte der Konzern rund ein Fünftel des deutschen Gasbedarfs. Rund 1.500 Mitarbeiter beschäftigt das Leipziger Unternehmen nach eigenen Angaben. Im Geschäftsjahr 2021 erzielte VNG einen fakturierten Umsatz von rund 18,5 Milliarden Euro.
Mutterkonzern EnBW bezeichnet das Unternehmen als systemrelevant für die Versorgungssicherheit in Deutschland, es spiele eine wichtige Rolle in Sachsen und Ostdeutschland. Damit beliefert die VNG-Gruppe rund 400 kommunale und industrielle Unternehmen mit Gas. Zum Vergleich: Der angeschlagene Uniper-Konzern, für den die Bundesregierung im Juli ein milliardenschweres Rettungspaket geschnürt hat, wird auf etwa 1000 Kunden geschätzt.
Zwei Verträge werden nicht mehr erfüllt
Gasimporteure müssen Erdgas zu exorbitanten Preisen vom Markt kaufen, um ihren Verpflichtungen gegenüber Kunden nachzukommen, da die russischen Lieferungen eingestellt wurden. Nach Angaben des Unternehmens hat sich die Situation seit August erheblich verschlechtert. Russland hat die Gaslieferungen durch die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 1 komplett eingestellt.
Laut VNG sind zwei Verträge von Lieferausfällen in Russland betroffen. Mit Gazprom Export bestehe ein Direktvertrag über etwa 35 Terawattstunden (ThW) Gasbezug pro Jahr, der derzeit nicht mehr erbracht werde, hieß es in der Mitteilung. Auch der größte Vertrag „mit einem inländischen Vorlieferanten“, der eine Gasbeschaffung von rund 65 TWh pro Jahr umfasst, wurde seit Mitte Mai nicht mehr konsequent erfüllt.
Entgegen früherer Erwartungen musste VNG im August bei historisch hohen Gaspreisen einen erheblichen Teil der Kosten für die Ersatzbeschaffung tragen. Den diesjährigen Verlust beziffert das Unternehmen mit rund einer Milliarde Euro. Dem steht auch die ab Oktober geltende Gasumlage nicht entgegen.
VNG will Staatshilfe beantragen
Michael Herr, SWR, 09.09.2022 10:48 Uhr