Die Einkommensschere wächst: Die Renten werden um 15’000 Franken gekürzt

Heutige Rentner erhalten deutlich niedrigere Renten als noch vor 20 Jahren. Damals konnte ein 55-Jähriger bei einem Jahreslohn von 120 000 Franken noch mit einer Altersrente von 74 920 Franken rechnen. Heute jedoch ist die zu erwartende Rente bei gleichem Lohn auf 59’280 Franken gesunken.

Das entspricht einem prognostizierten Rentenverlust von 20,9 Prozent, wie das VZ Vermögenszentrum in seinem neuen Rentenbarometer errechnet. Für die Betroffenen bedeutet das im vorigen Rechenbeispiel: 15’640 Franken weniger pro Jahr.

In Wirklichkeit werden die künftigen Renten noch niedriger ausfallen. Da fast keine Pensionskasse die Inflation kompensiert, wird die ausbezahlte Rente in zehn Jahren laut VZ Vermögenszentrum rund 8 Prozent weniger wert sein als heute.

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Höhere Einnahmen bei höheren Verlusten

Die AHV-Rente ist in den letzten 20 Jahren gestiegen. Dies kann jedoch in den meisten Fällen den Rückgang der Pensionskassenrenten nicht kompensieren. Dadurch wird die Einkommensschere immer größer.

Rentner bekommen im Verhältnis zu ihrem bisherigen Lohn immer weniger Geld. Beispielsweise beträgt die Rente eines Mannes mit einem Bruttolohn von 100’000 Franken heute nur noch 54 Prozent seines letzten Lohns. Vor 20 Jahren waren es 62 Prozent.

Höherverdiener sind vom Rückgang besonders stark betroffen. Für sie stellt die Pensionskasse einen größeren Teil ihrer Rente dar. Die Pensionskassen haben ihre Leistungen aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung gekürzt und den Umwandlungssatz von 7,2 auf 6,8 Prozent gesenkt.

Auch Gutverdiener zahlen oft in den überobligatorischen Bereich ein, und hier kalkulieren viele Pensionskassen tendenziell mit einem noch tieferen Umwandlungssatz.

Die Schweiz unterschätzt Rentenverluste

Doch trotz deutlich gesunkener Renten machen sich die Schweizer nur mäßige Sorgen um ihre Finanz- und Vorsorgesituation. In einer VZ-Umfrage unter 700 Personen gaben 90 % an, ihre Altersvorsorge problemlos finanzieren zu können.

Dieser Wert sorgt beim VZ Vermögenszentrum für Verwunderung: Viele Menschen dürften «die Lage unterschätzen», so die Analyse. Einerseits, weil die Schweizer Politik bei der Reform der beruflichen Vorsorge feststeckt. Andererseits ist auch zukünftig mit einem Rückgang der Conversion Rate zu rechnen.

Aus gesellschaftlicher Sicht ist es sinnvoll, dass der Rückgang der Renten in der 2. Säule vor allem Gutverdiener trifft: Diese Bevölkerungsgruppe kann ihrem Berufsleben mehr Geld widmen und ist daher auch mit tieferen Renten wirtschaftlich gut aufgestellt.

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Goldrente, aber nicht jedermanns Sache

Dies deckt sich mit einer kürzlich von Swiss Life veröffentlichten Umfrage unter Rentnern. In dieser Umfrage gaben 80 Prozent der Rentner an, finanziell über die Runden zu kommen. Viele von ihnen besitzen große Vermögen und Immobilien, was ihr Alter angenehm macht. Die Autoren der Studie sprechen in diesem Zusammenhang von einer „goldenen Rentnergeneration“.

Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass bereits jeder fünfte Rentner finanzielle Probleme hat. Relativ gesehen sind sie vom Rückgang der Renten der 2. Säule weniger betroffen. Absolut gesehen schmerzt sie dagegen der Rückgang der Renten besonders. Wenn das Geld schon knapp ist, wiegt jeder fehlende Franken schwer.

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