Stand: 16.07.2022 15:05
Die Entscheidung wurde einstimmig und einvernehmlich getroffen: Der Vertrag von Sabine Schormann, Geschäftsführerin der Documenta five, wird vorzeitig beendet. Damit zogen sie und der Aufsichtsrat die Konsequenzen aus dem Antisemitismus-Skandal.
Nach dem Antisemitismus-Vorfall im Dokument trat die Generaldirektorin der Ausstellung, Sabine Schormann, zurück. Aufsichtsrat und Gesellschafter haben sich mit ihr auf eine kurzfristige Auflösung des Dienstvertrags geeinigt, wie der Kasseler Kontrollausschuss mitteilte. Zunächst wird ein interimistischer Nachfolger gesucht.
Das Gremium um den Präsidenten, den Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), und seine Stellvertreterin, die hessische Kunstministerin Angela Dorn (Grüne), hat auf der diesjährigen Messe ein Fazit aus dem Antisemitismus-Skandal gezogen. Ein Werk mit antisemitischen Bildern wurde wenige Tage nach Beginn der Weltkunstausstellung nach einer Welle der Empörung demontiert. Monate zuvor hatte es Antisemitismus-Vorwürfe gegen das Kuratorenkollektiv Ruangrupa in Indonesien gegeben.
Der Aufsichtsrat distanzierte sich klar von dem Werk. “Die Präsentation des Banners ‘Volksjustiz’ durch das Künstlerkollektiv Taring Padi mit seiner antisemitischen Bildsprache bedeutete eine klare Grenzüberschreitung und das Dokument hatte erheblichen Schaden.” Der Vorfall muss schnell aufgeklärt werden.
Seit Wochen Rücktrittsforderungen
In den vergangenen Wochen wurde der Rücktritt des 60-Jährigen immer wieder gefordert. Ihm wurde unter anderem Untätigkeit bei der Aufarbeitung des Skandals vorgeworfen. Zuletzt ist die Leiterin der Bildungseinrichtung Anne Frank, Meron Mendel, als Dokumentenreferentin in den Ruhestand getreten. Eigentlich sollte er Teil eines Expertengremiums sein, das die verbleibenden Arbeiten an dem Dokument auf weitere antisemitische Inhalte überprüfen sollte. Schormann ließ seinen Anzeigen jedoch keine Taten folgen, kritisierte er. Hito Steyerl, einer der bedeutendsten internationalen Künstler, erklärte daraufhin, seine Arbeiten aus der Dokumentation zurückzuziehen.
Schormann wechselte im Herbst 2018 als Geschäftsführer nach Kassel. Im Vorjahr machte die gemeinnützige Documenta GmbH wegen eines Millionendefizits auf der Documenta 14 2017 Schlagzeilen. Die damalige Geschäftsführerin, Kunsthistorikerin Annette Kulenkampf, resigniert. In einer Übergangszeit führte zunächst Musikdirektor Wolfgang Orthmayr die Geschäfte.
Roth bezeichnet die Entscheidung als „richtig und notwendig“
Kulturstaatsministerin Claudia Roth hat die Trennung von Schormann gefeiert. „Es ist richtig und notwendig, dass wir jetzt daran arbeiten, wie die Ausstellung antisemitischer Bilder stattfinden könnte, und die notwendigen Konsequenzen für die Kunstausstellung ziehen“, sagte der Grünen-Politiker der Frankfurter Rundschau.
Roth zeigte sich zudem erfreut darüber, dass die beiden Gesellschafter – die Stadt Kassel und das Land Hessen – auch die Strukturen und Zuständigkeiten des Dokuments überprüfen wollen. „Dies sind die ersten wichtigen Schritte zu einer notwendigen Neuausrichtung dieses wichtigen Fixpunktes für die zeitgenössische Kunst weltweit. Als Vorsitzender des Vorstandes der Kulturstiftung des Bundes und als Staatsministerin für Kultur bin ich bereit, diesen Prozess zu unterstützen, “, sagte Roth.
Der Leiter der Documenta Schormann tritt zurück
Sandra Winzer, ARD Kassel, 16.7.2022 14:42 Uhr