5. November 2022, 00:05 Uhr
Seit dem Aufkommen des Bebop in den 1940er Jahren ziehen es Jazzpianisten vor, ihre linke Hand sparsam einzusetzen, insbesondere beim Spielen von Bass und Schlagzeug. Bud Powell, einer der Väter des modernen Jazzklaviers, benutzte gerne nur zwei Finger seiner linken Hand, sowohl solo als auch für die Begleitung, um Bass und Schlagzeug mehr Raum zu geben.
Dies steht im Gegensatz zu Stride Piano, einem Soloklavierstil, der sich in den frühen Tagen des Jazz in den Vereinigten Staaten entwickelt hat. Die linke Hand übernimmt die Funktion des Basses und markiert die Harmonien, was aufgrund der teilweise zu bewältigenden großen Sprünge eine große technische Herausforderung darstellt. Dies erfordert manchmal große Hände, da Akkorde in Oktaven, Zehnteln und manchmal sogar Dutzenden gespielt werden müssen. Die ersten Protagonisten dieses auf den Ragtime zurückgehenden Stils waren die afroamerikanischen Pianisten James P. Johnson und Willie „The Lion“ Smith, als absoluter Meister gilt Art Tatum. In der Swing-Ära spielten auch Profis wie Teddy Wilson Stride Piano im Bandkontext. Besonders bei solistischen Auftritten wenden junge Pianisten diese Technik heute gerne an.
Die Abendausgabe von Spielräume begibt sich auf eine musikalische Zeitreise und folgt den Spuren des Piano Stride von seinen Anfängen bis in die Gegenwart.
Gestaltung: Klaus Wienerother