DAX reduziert Kurs weniger Die entscheidende Gasfrage für den DAX

Marktbericht

Stand: 11.07.2022 12:45 Uhr

Wie lange fließt kein Gas mehr durch North Stream 1? Die Antwort auf diese Frage wird darüber entscheiden, wie weit der DAX gehen kann. Der DAX dürfte seine frühen Verluste zunächst teilweise wettmachen.

Anfang der Woche begannen deutsche Aktienmarktinvestoren mit der Arbeit. Der DAX brach um 1,9 Prozent auf 12.774 Punkte ein. Die Angst vor einem Totalausfall der Gasversorgung in Russland hat der jüngsten Erholungsbewegung des ersten deutschen Index ein jähes Ende gesetzt.

Neue Kronenängste in China und die ständige Angst vor dem raschen Anstieg der US-Zinsen runden die Sorgen der Anleger ab. „Die Risikobereitschaft der Anleger lässt aufgrund vieler negativer Faktoren weiter nach, kurze Aufwärtsbewegungen werden zum Abbau von Positionen genutzt“, sagt Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei RoboMarkets.

Wirtschaftsupdate vom 11.07.2022

Klaus-Rainer Jackisch, Personal, 11. Juli 2022 11:03 Uhr

Der Abwärtstrend des DAX ist weiterhin intakt

Der DAX dürfte im Laufe des Vormittags zunächst einen Teil seiner frühen Verluste wettmachen. Das vorläufige Tagesmaximum liegt bei 12.935 Punkten. Allerdings würde bereits ein Anstieg über den Abwärtstrend von 13.200 Punkten den minimalen Touchdown vom Jahrestief des DAX bei 12.391 Punkten vollenden und den deutschen Leitindex wieder in ruhigeres Fahrwasser führen.

Große Unsicherheit über die Versorgung mit russischem Gas

Seit heute Morgen ist kein Gas mehr durch die Gaspipeline Nord Stream 1 nach Europa geflossen. Grund sind geplante Wartungsarbeiten, die etwa zehn Tage dauern. Aber die Unsicherheiten über die Zukunft der Gasversorgung aus Russland sind groß. Auch die Bundesnetzagentur will keine Prognose wagen: „Niemand kann im Moment sagen, was am Ende der Wartungsarbeiten passieren wird“, sagte der Bonner Behördenpräsident Klaus Müller heute gegenüber Reuters TV.

Ökonomen erwarten einen mittelfristigen Konjunktureinbruch, wenn die Pipeline Nord Stream 1 am 21. Juli nicht wieder in Betrieb geht. „Die deutsche und europäische Wirtschaft würden in eine tiefe Rezession geraten“, warnte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank.

Energieexpertin Gabriele Widmann, DekaBank, über Engpässe bei russischem Gas und die Folgen

11.07.2022 11:50 Uhr

Neue Sorgen über China tauchen auf

Aber die Angst vor einer Gaskrise in Europa ist nicht der einzige negative Faktor für die Märkte. Sorgen bereitet den Anlegern auch die steigende Zahl von Coronavirus-Fällen in China. Dem Bericht zufolge erreichte die Zahl der Neuinfektionen dort den höchsten Stand seit Ende Mai.

„Es sieht so aus, als würde China seinen Krieg gegen Corona mit dem Aufkommen leichter übertragbarer Varianten verlieren“, sagte Attila Widnell, CEO des Datenanbieters Navigate Commodities. Die Volksrepublik ergreift harte Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus, die die Weltwirtschaft enorm belasten.

Spekulationen über einen starken Anstieg der US-Zinsen

Zuletzt hatten starke US-Arbeitsmarktdaten Spekulationen über weitere kräftige Anstiege der US-Zinsen angeheizt. Laut dem Fed Watch Tool der CME Group erwarten 93 Prozent der Marktteilnehmer nun eine Zinserhöhung um 75 Basispunkte bei der nächsten Sitzung der US-Notenbank im Juli. Sieben Prozent setzten sogar auf einen vollen Prozentpunkt Zinserhöhung.

Auch der Blick auf den Kalender sorgt für zusätzliche Verunsicherung bei Anlegern: Mitte der Woche werden neue Daten zur US-Inflation präsentiert. Zuletzt hatten sich Hoffnungen auf eine baldige Trendwende bei den Verbraucherpreisen als verfrüht erwiesen.

Futures auf den Dow und Nasdaq 100 niedriger

Darüber hinaus dürfte die Marktstimmung im Laufe der Woche ab Beginn der US-Nachrichtensaison auf die Probe gestellt werden: JPMorgan und Morgan Stanley werden am Donnerstag beginnen, gefolgt von Citigroup und Wells Fargo l am nächsten Tag.

Zu Beginn einer voraussichtlich ereignisreichen Woche tendieren Futures-Amerikaner ins Minus. Der Future des wichtigsten US-Index, der Dow Jones Industrial Average, verliert derzeit 0,5 Prozent. Die Futures des hochtechnologischen Nasdaq 100 verloren 0,8 Prozent.

Der Euro ist auf dem Weg zum Dollar

Unterdessen üben Ängste vor einer Gaskrise in Europa noch mehr Druck auf den Euro aus. Die gemeinsame europäische Währung fällt im Devisenhandel am Mittag auf 1,0100 Dollar und nähert sich damit der Parität zum Dollar. Ängste vor einer durch eine Gaskrise ausgelösten Rezession in Europa und die Aussicht auf einen raschen Anstieg der US-Zinsen belasten seit Wochen den Euro-Dollar-Kurs.

Antje Praefcke, Commerzbank, über negative Faktoren im Euroraum

11.07.2022 12:10 Uhr

Die Ölpreise sind leicht gesunken

Die Ölpreise starteten mit einem Abschlag in die neue Woche. Zur Mittagszeit kostet ein Barrel (159 Liter) Nordseesorte Brent 105,24 Dollar. Das sind 1,4 Prozent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel US West Texas Intermediate …

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