Marktbericht
Stand: 25.08.2022 13:26
Der DAX hat seine Erholung abgebrochen. Marktbeobachter kritisieren, dass die jüngsten Kursgewinne wohl etwas übertrieben waren. Denn die Rede von Fed-Chef Powell könnte für weitere Turbulenzen sorgen.
Die Anleger wurden heute vor dem mit Spannung erwarteten Treffen der Zentralbanker in Jackson Hole zunächst beflügelt. Der DAX stieg in den ersten Operationen auf 13.365 Punkte; in der Spitze entsprach dies einem Plus von 1,1 Prozent. Doch im Laufe des Vormittags brachen die Kursgewinne ein: Bis zum Mittag lag der deutsche Leitindex wieder bei rund 13.240 Punkten und damit nahe am Vortagesniveau.
Dow-Futures sinken Gewinne
Der DAX bildet US-Futures ab, die ebenfalls einen Großteil ihrer frühen Gewinne offenbart haben. Die Futures für Amerikas führenden Dow Jones Industrial Average sind derzeit nur um 0,3 Prozent gestiegen, was einen vorsichtigen Start an der Wall Street um 15:30 Uhr signalisiert.
„Daredevil“-Rallye im DAX?
Die jüngsten Anstiege der US-Renditen warnen die Anleger zur Vorsicht. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte auf der September-Sitzung der US-Notenbank zuletzt weiter gestiegen. Laut dem Fed Watch Tool der CME Group erwarten mittlerweile 54,5 Prozent der Marktteilnehmer eine so große Zinserhöhung.
„Unter diesen Umständen sieht die gestrige Rallye der Aktien und die heutige Rallye der Futures mutig aus“, sagte Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest heute Morgen. “Händler erwarten eine Rede von Powell in Jackson Hole, die die Spitzen etwas dämpfen wird. Angesichts der Daten und einer Erholung der Ölpreise halten wir diese Erwartung für unrealistisch.”
Ifo: Besser als erwartet, aber mit Rezessionstendenzen
Während das überraschend schwache Wachstum der deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal positiv überraschte, löste die Veröffentlichung des ifo Geschäftsklimaindex gemischte Reaktionen an den Märkten aus. Der Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturindikators fiel geringer aus als befürchtet.
Das ändere aber nichts daran, dass sich das ifo „auf Niveaus befinde, auf denen es in der Vergangenheit eine Rezession gegeben habe“, betont der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Kramer. “Für die zweite Jahreshälfte und das erste Quartal des nächsten Jahres rechnen wir mehr denn je mit einer Rezession.”
Der Gaspreis in Europa übersteigt 300 Euro
Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW, stimmt zu, dass die leichte Stimmungseintrübung angesichts sehr düsterer Erwartungen nur ein kleiner Trost ist. “Energiepreisbedingt steigende Inflation drückt auf die Kaufkraft und die Unwägbarkeiten bei der winterlichen Gasversorgung machen Unternehmen und Haushalten Sorgen.”
Der Preis für europäisches Gas hat heute 300 Euro pro Megawattstunde überschritten. Lediglich in der Zeit unmittelbar nach Kriegsausbruch in der Ukraine stieg der in Europa gehandelte Erdgaspreis kurzzeitig auf maximal 345 Euro.
Hart erkämpfte Euro/Dollar-Parität
Der Euro erholt sich und notiert heute zeitweise wieder über dem Dollar. Die Gemeinschaftswährung stieg auf ihrem Höhepunkt um 0,7 Prozent auf 1,0033 $. Bis zur Mittagszeit war der Euro jedoch wieder unter die Dollar-Marke gefallen. Anfang der Woche fiel der Euro auf ein 20-Jahres-Tief von 0,9899 $.
Die Ölpreise steigen weiter
Der Ölpreis ist den dritten Tag in Folge gestiegen. Nachdem die Kurse in den letzten beiden Handelstagen deutlich gestiegen sind, sind sie heute nur noch relativ leicht gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) Brent aus der Nordsee kostete zuletzt 101,55 US-Dollar. Das waren 0,6 Prozent mehr als am Vortag.
Der Markt beruft sich weiterhin auf die Äußerungen des Energieministers von Saudi-Arabien, der kürzlich auf eine mögliche Förderdrosselung der Ölallianz OPEC+ hingewiesen hatte, und lässt daher seit einigen Tagen den Ölpreis steigen.
Die Münchener Rück ist ein DAX-Favorit
Laut einer positiven Analystenstudie sticht die Münchener-Rück-Aktie als größter Gewinner im DAX positiv hervor. Analyst Darius Satkauskas vom Analysehaus Keefe, Bruyette & Woods revidierte sein zuvor pessimistisches Votum für den Rückversicherer auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 265 Euro, das immer noch rund elf Prozent Potenzial verspricht.
Uniper nach dem Drop schwächer
Anleger folgen einer Verkaufsempfehlung der Citigroup und trennen sich von Aktien des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper. Analysten der Citigroup stellen fest, dass der Anteil der Aktionäre durch das Rettungspaket der Regierung stark verwässert wird. Sie stuften die Aktien von „Kaufen“ auf „Verkaufen“ herab. Die Uniper-Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren.
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