Daumen hoch dank künstlichem Minigelenk

Daumengelenksverschleiß: Bergmannsheil bietet Betroffenen innovativen Gelenkersatz

Berufsgenossenschaft Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH am 28.10.2022

Auf den Daumen kann man kaum verzichten: Die Abnutzung der Daumengelenke ist mittlerweile eine Volkskrankheit im Alter. Die sogenannte Rhizarthrose kann erhebliche Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Funktionsverluste verursachen. In der Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinik Bergmannsheil werden Patienten mit einem innovativen Gelenkersatzverfahren behandelt. Die Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie verwendet für die Betroffenen ein künstliches Gelenk, die sogenannte Daumenendoprothese. Der Vorteil gegenüber anderen Behandlungsmethoden: Patienten erlangen ihre Kraft und Beweglichkeit oft sehr schnell und effektiv zurück. Dies verkürzt häufig die Rehabilitationszeit und ermöglicht eine schnellere Rückkehr an den Arbeitsplatz. Aktuell wurden bereits 25 Patienten mit dem neuen Verfahren behandelt, zwei Patienten an beiden Händen, mit sehr guten Ergebnissen.

Rizarthrose: Ältere Menschen sind besonders betroffen

Arthrose im Daumen: Die Handchirurgie-Experten von Bergmannsheil empfehlen bei dieser Diagnose die Daumenendoprothetik. Bild: Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil

Sie sind im Dauereinsatz und eines der mechanisch komplexesten Systeme unseres Bewegungsapparates: die Hände. Schon kleine Handverletzungen bedeuten oft erhebliche Einschränkungen. In den meisten Fällen ist der Daumen betroffen, genauer: das Gelenk des Daumensattels. Nicht selten werden bei schmerzhaften Symptomen und Instabilität Gelenkverschleiß oder Arthrose diagnostiziert. Die Arthrose des Daumenballengelenks (Rhizarthrose) ist weit verbreitet: Etwa 25 Prozent aller Menschen über 55 Jahre sind davon betroffen. „Bei dieser Erkrankung nutzt sich der Gelenkknorpel ab und die Gelenkflächen reiben schmerzhaft“, erklärt Dr. Patrick Harenberg, Oberarzt der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie Bergmannsheil.

Das innovative Verfahren erzielt oft bessere Heilungserfolge

Wenn konservative Methoden nicht anschlagen, entfernen Handchirurgen in der Regel ohne weitere Maßnahmen den sogenannten großen polygonalen Knochen, also einen Handwurzelknochen. In dieser Lücke entsteht im Laufe der Genesung Narbengewebe, das dann die Funktion eines künstlichen Gelenks übernehmen kann; bestenfalls führt dies zu einer deutlichen oder vollständigen Schmerzlinderung beim Bewegen des betroffenen Daumens. Problematisch bei dieser Therapie ist jedoch die lange Ruhigstellung und oft lange Rehabilitation mit meist dauerhaftem Kraftverlust. „Deshalb werden im französischsprachigen Raum seit einigen Jahren erfolgreich künstliche Gelenke implantiert“, sagt Harenberg. Dieses Verfahren ist nicht neu: Es wird bereits seit 1973 angewendet. „Aber die alten Prothesen hatten eine hohe Komplikationsrate“, sagt der Experte.

Selten in Deutschland

Die aktuelle Prothesengeneration ist seit 2012 auf dem Markt, kommt aber nur in sehr wenigen Rhizarthrose-Praxen zum Einsatz. Generell ist das Verfahren in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Die bisherigen Ergebnisse seien hervorragend, sagt Klinikdirektor Prof. Marcus Lehnhardt: „Die bisherigen Eingriffe haben gezeigt, dass die Betroffenen deutlich schneller wieder zu Kräften und Beweglichkeit zurückgekehrt sind. Aufgrund der deutlich schnelleren Rehabilitation wird dieses innovative Verfahren nun standardmäßig im Bergmannsheil angeboten. Bis Ende des Jahres werden wir 30 Daumenprothesen eingesetzt haben.“ Und noch ein Vorteil dürfte wichtig sein: Die Kosten der Operation werden von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen sowie der gesetzlichen Unfallversicherung übernommen.

Die volle Beweglichkeit war nach sechs Wochen wiederhergestellt

Nach einem Arbeitsunfall im März dieses Jahres stand auch Ralf Winkler vor der Diagnose Rhizarthrose. Der 56-jährige Maler hielt ein Gemälde in der Hand, als er eine Treppe hinunterstürzte. Der Griff des Eimers drückte so stark auf seinen Daumen, dass er das Gelenk des Daumensattels ausrenkte. Das Ergebnis war eine Restinstabilität und ein Verschleiß der Gelenke. Bergmannsheils Experten rieten ihm zu einer Daumenprothese. „Es war auf jeden Fall eine gute Entscheidung“, sagt Ralf Winkler. „Mit Prothesen komme ich im Alltag sehr gut zurecht. Man merkt kaum einen Unterschied zu vorher.“ Patrick Harenberg, der Ralf Winkler operierte, ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Die Patientin konnte bereits am zweiten Tag nach der Operation mit dem Sport beginnen. Sechs Wochen nach der Operation war er schmerzfrei und seine Kraft und Beweglichkeit hatte sich vollständig erholt.“ Damit endete die Arbeitsunfähigkeit von Ralf Winkler sehr bald.

Knochen und Gelenke

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