Das Innenministerium will die Einbürgerung erleichtern und die Wahlpflicht aufheben

Rechnung von Deutschland

Das Innenministerium will die Einbürgerung erleichtern und die Wahlpflicht aufheben

Stand: 09:49 | Lesezeit: 3 Minuten

Wer seit fünf Jahren in Deutschland lebt, kann bald einen deutschen Pass beantragen; bisher war dies erst nach acht Jahren möglich.

Quelle: dpa/Rolf Vennenbernd

Das Innenministerium hat einen ersten Gesetzentwurf für das neue Staatsbürgerschaftsgesetz vorgelegt. Der Entwurf folgt den Ampelplänen, um den Zugang zum Pass deutlich zu erleichtern. Auch die „Wahlpflicht“ für in Deutschland geborene Kinder von Ausländern muss aufgegeben werden.

Wer sich in Deutschland einbürgern möchte, muss künftig nicht mehr auf die Staatsangehörigkeit des Herkunftslandes seiner Familie verzichten. Das geht aus einem Entwurf des Bundesinnenministeriums für ein neues Staatsangehörigkeitsgesetz hervor, der am Freitag den anderen Ressorts der Bundesregierung zur Zustimmung übermittelt wurde.

Auch das im Koalitionsvertrag vereinbarte Projekt für ein “modernes Staatsangehörigkeitsrecht” flexibilisiert die Voraussetzungen zum Erwerb der deutschen Sprache für bestimmte Gruppen. Dies ist in der Regel Voraussetzung für die Einbürgerung. Zudem wird die Mindestaufenthaltsdauer bis zur Antragstellung verkürzt.

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Der Entwurf, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sieht vor, dass für alle Ausländer, die das 67 Damit soll die Lebensleistung der sogenannten Gastarbeitergeneration gewürdigt werden, die in den ersten Jahren ihres Aufenthalts in Deutschland keinen Zugang zu Sprachkursen oder anderen Integrationsangeboten hatte. Von den Erleichterungen sollen aber nicht nur Senioren profitieren, die über einen Arbeitsvertrag nach Deutschland gekommen sind, sondern alle Angehörigen dieser Altersgruppe.

Darüber hinaus sollte es im Hinblick auf den Sprachnachweis auch eine Erschwernisregelung für jüngere Einbürgerungswillige geben. In begründeten Ausnahmefällen, etwa weil ein Angehöriger pflegebedürftig ist, soll es ausreichen, dass sich der Betroffene im Alltag ohne größere Probleme mündlich auf Deutsch verständigen kann.

Das Projekt ist Teil einer von SPD, Grünen und FDP angekündigten umfassenden Reform der Migrations- und Integrationspolitik. Ihr liegt das Verständnis zugrunde, dass die Verleihung der Staatsbürgerschaft den Weg für eine volle Partizipation und Partizipation ebnet, von der sowohl die Eingebürgerten als auch die Gesellschaft profitieren müssen.

Fünf Jahre statt acht Jahre Aufenthalt

Generell sieht der Entwurf die Möglichkeit der Einbürgerung nach fünf Jahren rechtmäßigen gewöhnlichen Aufenthalts in Deutschland vor, bisher waren es acht Jahre. Bei besonderen Integrationsleistungen – etwa herausragenden Leistungen in Schule und Beruf, ehrenamtlichem Engagement oder besonders guten Sprachkenntnissen – soll ein dreijähriger Aufenthalt ausreichen.

Die bereits durch bisherige Reformen eingeschränkte sogenannte Optionspflicht für in Deutschland geborene Kinder von Ausländern muss vollständig abgeschafft werden. Damit müssen sie sich als junge Erwachsene nicht mehr zwischen der deutschen Staatsbürgerschaft und der ihrer Eltern entscheiden.

Zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts

Staatsbürgerschaftsrecht Neues Einwanderungsgesetz

Außerdem wird die Dauer des rechtmäßigen gewöhnlichen Aufenthalts der Eltern für ein Kind ausländischer Eltern zum Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit durch Geburt in Deutschland von acht auf fünf Jahre verkürzt. „Durch die deutliche Verkürzung der Aufenthaltsdauer eines Elternteils wird die Zahl der Kinder ausländischer Eltern, die durch die Geburt in Deutschland die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben, zunehmen“, heißt es in dem Entwurf.

Das 2019 eingeführte Einbürgerungserfordernis der „Anpassung an deutsche Lebensverhältnisse“ wird aus dem Staatsangehörigkeitsgesetz gestrichen. Eine Einbürgerung kommt laut Entwurf jedoch nicht in Betracht, wenn „der Ausländer gleichzeitig mit mehreren Ehegatten verheiratet ist oder durch sein Verhalten zeigt, dass er die im Grundgesetz vorgesehene Gleichstellung von Mann und Frau nicht akzeptiert“. .

Union gegen Reformpläne

Gegen diese Pläne wehrte sich die Union bereits, als erste Ampel-Ideen der Regierung zur geplanten Reform des Staatsangehörigkeitsrechts bekannt wurden. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte: „Die Aushandlung der deutschen Staatsbürgerschaft fördert nicht die Integration, sie dient genau dem gegenteiligen Zweck und wird zusätzliche Sogwirkungen auf die illegale Migration haben.“

Der Fraktionsvorsitzende der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), räumte ein, Deutschland sei ein Einwanderungsland und für den Arbeitsmarkt auf Zuwanderung angewiesen. Gleichzeitig betonte er: „Das heißt aber nicht, dass man den deutschen Pass überall hinwirft.“

“Update unser Einwanderungsland”

Im Bundestag hat die Ampelkoalition ihre Pläne zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts gegen Kritik aus der Opposition verteidigt. „Wir holen unser Einwanderungsland ein“, sagte Integrationsbeauftragte Reem Alabali-Radovan in einer Stunde zu der Angelegenheit.

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