Inhalt
Jahrzehntelang kaum genutzt, muss Schloss Brestenberg am Hallwilersee eine neue Zukunft bekommen, aber welche?
Es ist wirklich keine gewöhnliche Umfrage, an der sich die Bevölkerung von Seengen im Aargau und darüber hinaus in den letzten Monaten beteiligen konnte. Menschen aus der Umgebung von Schloss Brestenberg am Hallwilersee hatten die seltene Gelegenheit, ihre Ideen für die Zukunft des wunderschönen Schlosses mit Seefront und grossen unterirdischen Räumen vorzustellen.
Die Vorschläge wurden bereits der Öffentlichkeit vorgestellt. Es wurde deutlich, dass der angestrebte wirtschaftliche Betrieb des Schlosses zwar erwünscht, aber kaum realisierbar ist.
Bildunterschrift: Bettina Stefanini, Tochter des Immobilienkönigs Bruno Stefanini und Präsidentin der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, informiert die Seengener Bevölkerung über die Pläne für die Zukunft von Schloss Brestenberg. SRF/Stefan Ulrich
Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) forderte ein Gutachten zur zukünftigen Nutzung des Schlosses. Dieses gehört einem Teil des Nachlasses des Winterthurer Immobilienunternehmers Bruno Stefanini, der das Schloss in den 1980er Jahren kaufte.
Sie suchen nach mutigen und innovativen Plänen für das Schloss, sagte Stiftungspräsidentin Bettina Stefanini bei einer Nachrichtenveranstaltung am Mittwochabend. „Als Stiftung haben wir die Möglichkeit, Dinge zu tun, die andere nicht können“, betonte Stefanini in seiner Ansprache an die Bevölkerung.
Brestenberg: Vom Mahnmal des Scheiterns zum großen Erfolg
Box öffnen Box schließen
Die Geschichte der Schlossanlage ist lang und komplex. Nach Angaben der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte stammt das zentrale Hauptgebäude aus dem Jahr 1625, was noch im Gebäude zu sehen ist. Über 100 Jahre diente die Schlossanlage als international renommiertes Kurbad und später als Schlosshotel. In den 1980er Jahren wurde der Betrieb eingestellt, schon damals befand sich das Schloss in einem desolaten Zustand, der bis heute weitgehend erhalten geblieben ist. Es wird erst seit rund 40 Jahren genutzt, viele Teile des Gebäudes sind in einem schlechten Zustand, so schlecht, dass die aktuelle Informationsveranstaltung in Zelten vor dem Schloss stattfinden musste.
Riesige unterirdische Räume
Als der Winterthurer Immobilienkönig Bruno Stefanini Schloss Brestenberg kaufte, hatte er grosse Pläne damit. Er wollte hier ein großes unterirdisches Museum und Lager für seine verschiedenen Kulturgüter schaffen. Aufgrund des Bauvorhabens kam es zu mehreren Konflikten mit Denkmal- und Naturschutzverbänden und es konnte kein Pächter für den Gastronomie- und Restaurierungsbetrieb des Schlosses gefunden werden. 1993 wurden die Bauarbeiten eingestellt. Seit fast 30 Jahren befinden sich unter dem Schloss riesige unterirdische Räume im Rohbau.
In jüngerer Zeit dienten diese Räume als Lager für Bruno Stefaninis manchmal kuriose Sammlung, die antike Waffen und Sprengstoffe umfasste.
Eine Erinnerung an das Scheitern
In diesem Zustand sei Schloss Brestenberg zu einem Denkmal des Scheiterns geworden, schreibt die SKKG. Die Suche nach einer Nutzung überfordert die Stiftung, Projekte werden im Streit zwischen verschiedenen Interessengruppen blockiert.
Aber jetzt ist die Zeit für einen großen Durchbruch gekommen, glaubt die Stiftung. Sowohl die Denkmalpflege als auch mehrere andere Kollektive haben sich bereit erklärt, beim Umbau mitzuwirken.
Es soll nichts Alltägliches, nichts Langweiliges sein, was im Schloss Brestenberg entsteht. Allerdings ist dies nicht der erste Versuch, die zukünftige Nutzung des Schlosses zu planen, und die Umsetzung der Pläne wird auch dieses Mal nicht einfach.
Wir wollen hier etwas machen, das nicht langweilig oder gewöhnlich ist.
Der Präsident der Stiftung verbreitete jedoch Aufbruchsstimmung und versprach einen größeren Betrag für die Sanierung des Schlosses. Dafür stünde Geld zur Verfügung, das die Stiftung aus dem Verkauf zweier weiterer Stefanini-Schlösser am Bodensee aufbringen könnte (siehe Bildergalerie).
Schlössersammlung von Bruno Stefanini
Bei aller Aufbruchsstimmung sind der zukünftigen Nutzung von Schloss Brestenberg enge Grenzen gesetzt. Einerseits liegt das Schloss Hallwilersee in einem nutzungsbeschränkten Sondergebiet, zudem steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Wesentlich ist dagegen, dass laut Stiftung die künftige Nutzung selbsttragend sein muss, was aus verschiedenen Gründen kaum möglich ist.
Finden Sie das Quadrat des Kreises
Von zusätzlichem Geld für den künftigen Betrieb sei keine Rede, sagte SKKG-Präsident Stefanini: „Wir können das Brestenberg nicht subventionieren.“ Egal, was die zukünftige Nutzung ist, es muss wirtschaftlich funktionieren. Eine Gemeinschaftsverpflegung sei damit kaum möglich, kritisierte ein anwesender Anwohner.
Bildunterschrift: Bei einer Informationsveranstaltung informierten sich viele Menschen aus der Umgebung aus erster Hand über die Pläne für die Zukunft von Schloss Brestenberg. SRF/Stefan Ulrich
Auch der bestimmungsgemäßen Nutzung der großen Räume im Untergeschoss des Schlosses stehen Hindernisse entgegen. Die Bebauungsordnung des Sees lasse kaum eine gewerblich-industrielle Nutzung zu, erklärte Gemeindebürgermeister Jörg Bruder von Seengen an der Infoveranstaltung. Nur Hotels und Restaurants sind möglich, andere Nutzungen sind untersagt.
Nach der Informationsveranstaltung zur Zukunft von Schloss Brestenberg stand vor allem eines fest: Eine neue Nutzung ist aufwendig, teuer und mit vielen Hürden verbunden. Trotz aller Unterstützung der Stiftung, der Denkmalpflege, des Naturschutzes und der Bevölkerung wird es wohl noch lange dauern, bis das schöne Schloss am Hallwilersee aus seinem Dornröschenschlaf erwacht.