In den Regierungsbüros in Podgorica funktioniert nichts mehr: Alle Computer mussten aus Sicherheitsgründen vom Netz genommen werden, das Internet ist ausgefallen und viele Websites sind derzeit nicht erreichbar. Der kleine Balkanstaat sei offenbar Opfer eines konzertierten Hacks geworden, der im August begann, berichtete die Nachrichtenagentur AP. Nach offiziellen Angaben tragen die Cyberangriffe die Handschrift russischer oder pro-russischer Hacker.
Systemrelevante Infrastrukturen, darunter Banken, Wasser- und Stromversorgungssysteme, seien ebenfalls einem hohen Risiko ausgesetzt, sagte er am Montag. Der jüngste Angriff, der von Experten als beispiellos in Intensität und Dauer in Montenegro beschrieben wird, stand am Ende einer Reihe von Cyberangriffen seit Beginn des Krieges in der Ukraine. Die verdächtige Gruppe ist Cuba Ransomware, die im Allgemeinen ohne Einmischung des Kreml operiert, solange sie nicht auf russische Verbündete abzielt. Cuba Ransomware beanspruchte auch zumindest teilweise die Anerkennung für die Angriffe, die mit einem Virus namens Zerodate durchgeführt wurden.
Das FBI unterstützt die Ermittlungen
„Wir stehen seit etwa 20 Tagen vor ernsthaften Herausforderungen im Zusammenhang mit Cyberangriffen, und das gesamte staatliche System, das staatliche Verwaltungssystem und das System der Bürgerdienste arbeiten auf einem ziemlich restriktiven Niveau“, sagte Verteidigungsminister Rasko Konjevic.
Er gehe davon aus, dass diese Hackergruppen im Auftrag der Staatsgeheimdienste handeln. Nato-bezogene Daten des Verteidigungsministeriums seien “in besonderer Weise” geschützt, sagte Konjevic der AP. Jetzt würden Experten aus mehreren Ländern, darunter das FBI, helfen, die Systeme wieder zum Laufen zu bringen und die Schuldigen zu finden.
AP/Risto Bozovic Minister Konjevic vor seinem schwarzen Bildschirm: Verdacht auf Russland
Experten zufolge war Russland in den letzten Monaten für eine Reihe groß angelegter Cyberangriffe verantwortlich. Sie sehen darin unter anderem den Versuch, die Balkanregion und Osteuropa zu destabilisieren. Unter den Opfern sind Moldawien, Slowenien und Bulgarien.
geteilte Bevölkerung
Montenegro, das sich 2006 von Serbien abspaltete, wird derzeit von einer Übergangsregierung regiert. Premierminister Dritan Abazovic verlor ein Vertrauensvotum, nachdem er einen umstrittenen Vertrag mit der serbisch-orthodoxen Kirche ohne Zustimmung der Koalition unterzeichnet hatte.
Die Bevölkerung ist tief gespalten zwischen zwei Seiten: denen, die ihre Bindungen zu Russland und Serbien stärken wollen, und denen, die eine EU-Mitgliedschaft erreichen wollen. Montenegro ist seit 2010 Beitrittskandidat. Seit 2017 ist das Land auch Mitglied der Nato und tritt gegen den Willen des Kreml bei.
Spätestens seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine betrachtet Moskau Montenegro ebenso wie EU-Mitgliedstaaten als “Feindstaat”, weil Podgorica auch Sanktionen gegen Russland genehmigte.