Bürgergeld: Kompromiss zwischen Ampel und Union

Nach BR-Informationen haben die Ampelparteien und die Union die Probleme rund um das Geld der Bürger beseitigt. Dadurch wird der Vermögensschutz der Bürgereinkommensempfänger von derzeit 60.000 Euro auf 40.000 Euro reduziert. Für jedes weitere Haushaltsmitglied kommen 15.000 Euro hinzu.

Vereinbarung laut BR-Informationen auch mit Strafen

Die Parteien haben sich auch auf Sanktionen geeinigt. Lehnt jemand ein passendes Jobangebot ab, werden zehn Prozent der Zukunftsförderung abgezogen. Bei einer zweiten Ablehnung können 20 Prozent, bei einer dritten Ablehnung 30 Prozent der Leistung gekürzt werden.

Das bedeutet, dass die Vermittlungskommission an diesem Mittwoch das Verhandlungsergebnis einsehen kann. Der Bundestag wird voraussichtlich am Freitag über das Bürgergeld entscheiden, die Auszahlung beginnt wie geplant am 1. Januar. Der Kompromiss macht deutlich: SPD, FDP und Grüne reagieren auf die Forderung der Union, frühestens sechs Monate lang keine Sanktionen zu verhängen.

Der bayerische Sozialminister ist mit den Einschränkungen zufrieden

Bayerns Arbeits- und Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) zeigte sich zufrieden mit dem gefundenen Kompromiss. Er sprach nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts von einem “sehr harten Kampf”, in dem sich die Union mit ihren Grundforderungen durchgesetzt habe. Scharf erwähnte ein auf 40.000 Euro reduziertes Vermögen und die Tatsache, dass es von Anfang an Strafen geben soll.

Erneut äußerte der CSU-Politiker jedoch grundsätzliche Kritik: Das von der Ampel vorgesehene Bürgergeld sei laut Scharf in seiner ursprünglichen Form ein “schwerwiegender Systemfehler”.

Die Bayern-SPD sieht einen Systemwechsel

Die Ko-Vorsitzende der bayerischen SPD, Ronja Endres, hat die Einigung zum Bürgereinkommen begrüßt und als großen Erfolg für Arbeitssuchende bezeichnet. Es handele sich um einen Systemwechsel, bei dem die Qualifizierung der Menschen im Vordergrund stehe und nicht mehr die reine Vermittlung, erklärte er in einer Pressemitteilung.

Zufrieden ist Endres auch mit der einjährigen Schonfristvereinbarung, in der bis zu 40.000 Euro Ersparnis und die Wohnung garantiert sind. Plötzliche Arbeitslosigkeit kann jeden treffen, in Zukunft sind Sie vor dem sofortigen Verlust Ihrer Errungenschaften geschützt. Sie müssen sich nicht mehr darum kümmern, gleich eine neue Wohnung zu suchen oder Ihre kleinen Ersparnisse aufbrauchen zu müssen.

Unionsgeführte Bundesländer haben die Gesetzgebung ins Stocken geraten

Die Bundesländer, in denen die Union regiert, haben das Gesetz vergangene Woche im Bundesrat gestoppt. Insgesamt warnte die Union davor, dass der Arbeitsanreiz sinken könnte, wenn die Lücke zwischen Arbeitseinkommen und Grundeinkommen einschließlich anderer Sozialleistungen nicht groß genug sei.

Das neue Bürgergeld soll ab dem kommenden Jahr die bisherige Hartz-IV-Regelung ersetzen. Das entsprechende Gesetz sieht unter anderem eine Anhebung der Regelsätze und höheres Schutzvermögen sowie längere Nachfristen für laut Vorgabe zu große Unterkünfte vor. Zudem soll es höhere Zusatzverdienstmöglichkeiten, auch für Studenten und Auszubildende, geben.

Sozialverbände fordern die rasche Einführung des Bürgereinkommens

Der Sozialverband VdK hatte vor der Einigung zwischen Ampel und Union vor einer Verschärfung der Vorschriften und einer Verkürzung der Wartezeit gewarnt. „Statt Bürokratiemonster braucht man in Krisenzeiten einen einfacheren Zugang zum Grundeinkommen, ohne aufwändige Vermögenskontrolle“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele von der Mediengruppe Funke.

Auch beim Bürgereinkommen drängte der VdK auf eine schnelle Einigung. Wer auf Grundsicherung angewiesen ist, wie Alleinerziehende mit Kindern, Senioren oder Arbeiter im Niedriglohnsektor, kann nicht länger warten.

Auch die Gewerkschaft Wissenschaft und Bildung (GEW) forderte einen schnellen Deal. Das Tauziehen zwischen der Ampelregierung und der Union sei würdelos „und wird auf dem Rücken der Schwächsten unserer Gesellschaft – der Kinder und Jugendlichen – ausgetragen“, sagte GEW-Vizepräsident Andreas Keller der „Stuttgarter Zeitung”.

Der Kinderschutzbund bittet darum, die Familien von Sanktionen auszunehmen

Der Kinderschutzbund hatte sich dafür eingesetzt, dass Familien mit Kindern von den Sanktionen ausgenommen werden sollten. „Sanktionen treffen in der Regel nicht die, die morgens mit der Bierflasche am Bahnhof sitzen“, sagte Hilgers dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Ihm zufolge leiden Kinder am meisten unter den Sanktionen. “Es sollte ein pauschales Verbot von Geldstrafen für Familien mit Kindern geben.”

Mit Informationen von dpa, KNA und AFP

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