BR-CLASSIK

Rückblick – „Aida“ bei den Salzburger Festspielen Zwischen stummen Gesichtern und Todesengeln

13.08.2022 von Walter Weidringer

Die letzte Opernpremiere der Salzburger Festspiele 2022 war keine gewöhnliche Wiederaufnahme, sondern eine Überarbeitung des diesjährigen Programms: Die iranische Künstlerin Shirin Neshat konnte ihre 2017er Inszenierung von Giuseppe Verdis „Aida“ in eine neue Form bringen Als Anna Netrebko ihr Debüt in der Titelpartie gab, lauschte die Opernwelt nun vor allem Piotr Beczalas erstem Radamès.

Bildquelle: SF / Ruth Walz

Inszenierung mit neuem Twist

Fünf Jahre sind vergangen, seit diese Inszenierung von Giuseppe Verdis „Aida“ unter der Regie von Shirin Neshat in Salzburg uraufgeführt wurde. Fünf Jahre, in denen sich nicht nur in der realen Welt, sondern auch in der Welt der Oper und der klassischen Musik viel getan hat. Dann tauchte eine gewisse Anna Netrebko als Aida auf, dunkel geschminkt: Beide sind undenkbar geworden, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Künstlerischer Leiter Markus Hinterhäuser wollte es der iranischen Künstlerin und Filmemacherin Shirin Neshat ermöglichen, ihre damals erste Opernproduktion zu verfeinern und enger mit ihrem weiteren Schaffen zu verknüpfen. Das ist jetzt gelungen, lässt die Nacht aber noch nicht richtig los.

Weder progressiv noch konservativ

Neshats Vision von Verdis „Aida“ kommt sowohl von innen als auch von außen: von innen, weil sie als iranische Exilantin die Mechanismen einer streng konservativen Gesellschaftsordnung mit strikter Rollenverteilung nach Geschlecht kennt. Und von außen, weil sie die Oper und ihre traditionellen Darstellungsmuster, also den Rampengesang und das Händeringen, nicht theatralisch aufbricht, wie wir es mittlerweile gewohnt und erwarten, sondern nicht nur zulässt zur Stilisierung. von Fall zu Fall, sondern verlangt es sogar. Schließlich arbeitet sie selbst mit Stilisierungen und überlagert die Gegenwart sozusagen in Kostüm und Bild mit der Handlung. Doch mit den synchron erhobenen Fäusten der Soldaten und dem skulpturalen Einsatz des Chors macht er sich mit dem progressiven Teil des Publikums nicht anfreunden; Mit einem triumphalen Triumphakt wird die konservative Seite enttäuscht. Das bedeutet einige wütende Buhrufe. Subtiler und ausdrucksvoller sind die Gesichter, die in den Pausen von flüsternden Stimmen, vielleicht Gebeten, verblassen, sowie die Filmszenen mit Gruppen von Männern und Frauen, die auf der Bühne widerhallen – und jener Schwarm schwarzer Todesengel, die die Protagonisten begleiten Schlüsselmomente.

Worum geht es in “Aida”?

Hier sehen Sie den BR-KLASSIK Opernführer von Verdis „Aida“ als animierten Lego-Film.

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Luca Salsi (Amonasro), Elena Stikhina (Aida), Wiener Staatsopernchor Konzertvereinigung, Statisten der Salzburger Festspiele, Tänzer | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Elena Stikhina (Aida), Statistin bei den Salzburger Festspielen | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Piotr Beczala (Radamès), Elena Stikhina (Aida), Statisten der Salzburger Festspiele | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Ève-Maud Hubeaux (Amneris), Elena Stikhina (Aida) | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Erwin Schrott (Ramfis), Luca Salsi (Amonasro), Ève-Maud Hubeaux (Amneris), Roberto Tagliavini (Il Re), Piotr Beczala (Radamès), Elena Stikhina (Aida) | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Elena Stikhina (Aida), Piotr Beczala (Radamès), Ève-Maud Hubeaux (Amneris), Erwin Schrott (Ramfis), Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, Extras | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Piotr Beczala (Radamès), Ève-Maud Hubeaux (Amneris) | Bild: SF / Ruth Walz

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Erwin Schrott (Ramfis), Piotr Beczala (Radamès), Konzertvereinigung Chor der Wiener Staatsoper, Statisten bei den Salzburger Festspielen | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Eve-Maud Hubeaux (Amneris) | Bild: SF / Ruth Walz

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Elena Stikhina (Aida), Statisten bei den Salzburger Festspielen, Tänzer | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Piotr Beczala (Radamès) | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Elena Stikhina (Aida), Statistin bei den Salzburger Festspielen | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Konzertvereinigung des Chores der Wiener Staatsoper, Statisten der Salzburger Festspiele | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Piotr Beczala (Radamès), Elena Stikhina (Aida) | Bildquelle: SF / Ruth Walz

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Elena Stikhina (Aida), Statisten bei den Salzburger Festspielen, Tänzer | Bildquelle: SF / Ruth Walz

Piotr Beczala: mit Glasur, aber ohne Aquimo-Tenor

Alain Altinoglu tritt am Pult der Wiener Philharmoniker anfangs etwas zu angetrunken und daher zeitweise langsam auf, was sich aber im Laufe des Abends bessert. Musikalisch ist natürlich Piotr Beczalas Debüt als Radamès am spannendsten. Es ist wunderbar, dass er den traditionellen Tenor-Achismus hinter sich lässt und es wagt, seine Arie im Pianissimo zu beenden, wie es Verdi wollte. Seine Nervosität und leichten Unsicherheiten verfliegen spätestens in der Pause: Einer der bedeutendsten Tenöre unserer Zeit erobert eine dramatische Partie mit subtil nuancierter stimmlicher Brillanz.

An ihrer Seite singt Elena Stikhina Aida mit einem gedämpften, perlenden Sopran, nicht mit pianistischer Raffinesse und Süße, aber ausdrucksstark. Ève-Maud Hubeaux ersetzte Anita Rachvelishvili während der Proben. Sie schafft eine respektable Amneris, aber ihr Mezzosopran ist für eine spannende Darbietung etwas zu klein und hat zu wenig Biss. Und Luca Salsi bittet wie Amonasro nicht immer in der Schlange, sondern mit eindringlichen Bariton-Gesängen um seine Landsleute.

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Überraschend aktuell

An die Gnade der Ägypter kann der Regisseur freilich nicht glauben: Die Kriegsgefangenen werden im Triumphakt auf der Stelle getötet, ebenso Amonasro. In Nilact stellen sich Aida und Radamès nur den verinnerlichten Regeln ihrer Gesellschaft und begehen Verrat: sie gegen die Liebe, er gegen das Land.

In Kriegszeiten erscheint dies überraschend aktuell.

Show: „Piazza“ am 13. August 2022 ab 8:05 Uhr bei BR-KLASSIK.

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