BH-Anforderung: „Meine Brüste gehen meinen Arbeitgeber nichts an“

Veröffentlicht am 4. Januar 2023, 04:43 Uhr

BH-Anforderung: „Meine Brüste gehen meinen Arbeitgeber nichts an“

Ein Vorfall in Interlaken löste eine Diskussion über BH-Anforderungen am Arbeitsplatz aus. Wie eine 20-minütige Umfrage zeigt, gehen die Meinungen der Frauen dazu auseinander.

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Michelle Ineichen

Janina Schenker

Das sagen Frauen in Zürich über die Notwendigkeit, einen BH bei der Arbeit zu tragen.

20 Minuten/Janina Schenker

Ein Schüler des Schulhotels Regina bei Interlaken begann einen Streit. Sie fühlte sich ungerecht behandelt. Grund: Ihr soll gesagt worden sein, sie solle einen BH tragen. Wie die Geschichte von V.* aus Bern zeigt, ist dies kein Einzelfall: «Kürzlich sagte mein Chef, ich solle einen BH tragen, um von den Männern im Büro mehr respektiert zu werden und beruflich voranzukommen.» Der 49-Jährige lehnte ab. „Ich fand den Kommentar völlig falsch. Ich werde nicht für meine Leistung bezahlt, ich werde für meine Arbeit bezahlt.“

Wie eine 20-minütige Straßenumfrage zeigt, sind Frauen in dieser Frage gespalten: „In bestimmten Berufen gehört das Tragen eines BHs einfach dazu“, sagt eine 30-Jährige. Bei Aireen (21) hingegen kommt es auf die Kleidung an: „Ich arbeite in der IT-Branche. Wenn ich im Pullover zur Arbeit gehe, trage ich keinen BH. Wenn ich dagegen etwas Freizügigeres trage, dann ja.“ Svenja (19) betont, dass jede Frau das für sich entscheiden muss: „Ich persönlich fühle mich ohne BH unwohl. Allerdings finde ich keinen BH sagt nichts über die Professionalität und das Können einer Frau aus.”

Image Advisor: „Beobachten Sie, wann Körperkonturen herauskommen“

Laut Personalexpertin Ursula Bergundthal ist ein professionelles Auftreten unabdingbar, um am Arbeitsplatz ernst genommen zu werden und Karrierechancen zu haben. Susanne Abplanalp, Expertin für Business-Knigge und Imageberaterin, stimmt zu. Je nach Beruf gehört ein BH zum professionellen Look dazu. Gerade in Branchen mit starkem Kundenkontakt kann ein Arbeitgeber davon ausgehen, dass die Truhe nicht sichtbar ist. „Man schaut einfach automatisch, wenn die Körperkonturen gut sichtbar sind“, sagt Abplanalp. Ein Arbeitnehmer vertritt seinen Arbeitgeber in diesem Arbeitsumfeld. „Das eigene Erscheinungsbild soll gepflegt und nicht im Mittelpunkt stehen.“

Aktivist: „Eine BH-Pflicht am Arbeitsplatz ist sexistisch“

Die feministische Aktivistin und Autorin Anna Rosenwasser sieht das anders: “Meine Brüste und ob ich einen BH trage geht mich nichts an.” Die Entscheidung, einen BH zu tragen, ist persönlich und hat nichts mit Professionalität zu tun. “Den Arbeitgeber interessiert nur, ob die Mitarbeiter ihre Arbeit gut machen oder nicht.” Eine BH-Pflicht am Arbeitsplatz ist sexistisch und ein Eingriff in die Freiheit der Arbeitnehmer. “Die natürliche Form der Brüste ist nicht zu beanstanden.”

Darf der Arbeitgeber eine BH-Pflicht vorschreiben?

*Name den Verlegern bekannt

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