Berlins Verkehrssenator Jarasch glaubt an eine schnelle Einigung auf ein 49-Euro-Ticket

Nachfolgelösung für den Neun-Euro-Schein: Berlins Verkehrssenator Jarasch glaubt an eine schnelle Einigung auf einen 49-Euro-Schein

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Audio: rbb24-Inforadio | 12.10.2022 | Interview mit Bettina Jarasch (Grüne) | Bild: imago/E.Contini

Die Verkehrsminister der Länder beraten seit Mittwoch über eine Nachfolgelösung für das Neun-Euro-Ticket. Ein Inlandsticket von 49 Euro wird wahrscheinlich bevorzugt. Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch zeigte sich am Nachmittag optimistisch.

Die Verkehrsminister von Bund und Ländern haben sich weitgehend auf ein 49-Euro-Nahverkehrsticket geeinigt. Das berichtete der ARD-Sender „Radio Bremen“ unter Berufung auf ein Eckpunktedokument im Vorfeld des Treffens der Verkehrsminister der Länder mit Bundesminister Volker Wissing (FDP) am Mittwoch in Bremerhaven. Das “Klimaticket Deutschland” soll demnach als Jahresabonnement erhältlich sein. Doch der Deal steht noch aus.

Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) zeigte sich am Mittwochnachmittag in einem Interview mit dem rbb zuversichtlich, dass eine zeitnahe Einigung über ein bundesweites Ersatzticket für den Neun-Euro-Schein erreicht werden könne. „Ich bin jetzt sehr zuversichtlich, dass wir das schaffen“, sagte Jarasch. Nach seiner Einschätzung gibt es nun eine große Mehrheit für das 49-Euro-Ticket.

Jarasch sieht eine große Chance für eine Mobilitätswende

Der bevorstehende Preis hätte den Vorteil, dass 49 Euro gerade wegen der bundesweiten Gültigkeit für viele Menschen in einer Stadt wie Berlin immer noch attraktiv wären. Er wies auch darauf hin, dass das Ticket möglicherweise auf regionaler Ebene weiterentwickelt wird. „Wir können mit einem solchen Ticket einen zusätzlichen Rabatt auf der Seite bekommen, also zusätzliche Angebote für soziale Gruppen machen, die bereits zu anderen Konditionen reisen“, sagte Jarasch. Als Beispiele nannte er mögliche Angebote von Arbeitstickets in Kooperation mit großen Arbeitgebern (wie bisher) und vergünstigte Tickets in Kooperation mit der Sozialverwaltung für Personen, die derzeit den Berlin-Pass nutzen könnten.

Etwas zurückhaltender war Jarasch vor dem Treffen am Mittwoch beim 49-Euro-Ticket. Auch weil es in einer Großstadt wie Berlin viele Menschen gibt, für die diese Auszeichnung mehr ist, als sie sich leisten können. Ich hatte also schon vorab ein Ticket bestellt, das die Länder nutzen konnten. Das scheint jetzt in Sicht zu sein.

Mit dem entstehenden Modell könne das Land Berlin den ÖPNV zu „einem ganz neuen Hebel für die Art der Mobilitätswende machen, an der wir so lange arbeiten“, sagte Jarasch. Es gibt jedoch immer noch Länder, die skeptisch sind. Daher muss erst die Entscheidung fallen, bevor sie ein konkretes Angebot für Berlin vorlegen will. Er nannte die Ticket-Gelegenheit „einzigartig“.

  • dpa/J. Karsten

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Beermann: Kein vergünstigter Eintritt ohne gesicherte Förderung

Für Jaraschs Amtskollegen in Brandenburg, Guido Beermann (CDU), geht es vor allem darum, ein transnationales Ticket zu finanzieren. Im Vorfeld des Ministertreffens sagte Beermann dem Rbb, steigende Energiekosten würden ein deutliches Loch in die Kassen der Verkehrsunternehmen reißen. “Wir brauchen dringend Klarheit darüber, wie der ÖPNV finanziert werden soll.”

Allein um die aktuelle Versorgung des ÖPNV aufrechtzuerhalten, wären vom Bund zusätzlich 1,65 Milliarden Euro Energiekosten nötig. Auch ein nachhaltiger Ausbau brauche mehr Finanzmittel, so der CDU-Politiker. „Die Bundesländer halten an ihrer Forderung nach 1,5 Milliarden Euro mehr Regionalisierungsmitteln fest, wenn die Verkehrswende ernsthaft vorankommen soll.“

Der Verkehrsminister hält das 49-Euro-Ticket für erschwinglich

Am Mittwochmorgen wurde Wissing im NDR gefragt, ob es ein 49-Euro-Ticket geben würde. „Das ist mein Plan, aber es gibt noch keine Einigung zwischen Bund und Ländern, weder über den Zeitpunkt noch über einige Details des Tickets“, sagte der Bundesverkehrsminister. Auf die Frage, ob er den Preis von 49 Euro korrekt erklären könne, antwortete Wissing: „Ich kann bestätigen, dass dies mein Wunsch ist und ich glaube, dass er finanzierbar ist.“

VBB steht für „Querübergreifende Lösung“

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) teilte auf Anfrage des rbb mit, die Nachfolgediskussion zum Neun-Euro-Schein werde auf regionaler und nationaler Ebene beobachtet und begleitet. „Grundsätzlich setzen wir als Verkehrsverbund zweier Bundesländer auf überregionale Lösungen für alle“, sagte ein Sprecher. Aufgrund der aktuellen Diskussion ist eine abschließende Bewertung noch offen und ohne abschließende Entscheidungen noch nicht möglich.

Jährlich 1.500 Millionen Euro vom Bund

Das millionenfach gekaufte Neun-Euro-Ticket ermöglichte im Juni, Juli und August das Reisen mit Bus und Bahn im ganzen Land für einen Monat. Die Bundeskoalition der Ampeln hatte vereinbart, den Ländern zusätzlich 1,5 Milliarden Euro pro Jahr für ein bundesweites Nahverkehrsticket zur Verfügung zu stellen, wenn die Länder mindestens den gleichen Betrag beisteuern. Ziel war ein Einstiegspreis zwischen 49 und 69 Euro im Monat.

29-Euro-Ticket sehr beliebt in Berlin

Als vorübergehender Nachfolger des Neun-Euro-Scheins führte der Berliner Senat einen 29-Euro-Schein ein. Generell nur in Berlin und nur für die Tarifzonen A und B in den Monaten Oktober, November und Dezember im Abonnement gültig. Die Nachfrage ist groß. Anfang Oktober waren bereits 30.000 Tickets verkauft. Eine gemeinsame vorläufige Lösung mit Brandenburg konnte nicht vereinbart werden.

Ausstrahlung: rbb24 Inforadio, 12.10.2022, 6:25 Uhr

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