Veröffentlicht am 23. Dezember 2022, 04:55
Grippe, RSV, Skisaison: Krankenhäuser verhängen Aufnahmestopps in Notaufnahmen
Aufgrund der Rekordwelle der Grippe und des Personalmangels verschlechtert sich die Lage des Gesundheitssystems. Krankenhäuser verhängen jetzt einen Einnahmestopp für ihre Notaufnahmen.
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Anstrengende Ferien stehen dem Schweizer Gesundheitssystem bevor. Die Grippezahlen schießen in die Höhe und Kinderkrankenhäuser füllen sich mit Menschen, die mit RSV infiziert sind.
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Nun spitzt sich die Lage erneut zu: Kliniken stoßen nach eigenen Angaben an die Grenze der Bettenkapazität. Das Spitalzentrum Oberwallis schreibt: «Seit Anfang November gibt es eine Nacht pro Woche, in der nicht alle Patienten in einem Krankenzimmer übernachten können.»
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Täglich treffe sich deshalb ein Krisenstab, um die aktuelle Lage zu beurteilen: „So können schnell Korrekturen vorgenommen werden, etwa das Verschieben nicht dringender Eingriffe.“
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Das ist es, worum es geht
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Krankenhäuser und Rettungsdienste weinen wegen der Grippewelle und des Fachkräftemangels.
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Krankenhäuser müssen daher zunehmend Aufnahmesperren für ihre Notaufnahmen verhängen.
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«Ich habe noch nie erlebt, dass alle Spitäler in der Region so verzweifelt waren», sagt Kai-Simon Roloff vom Rettungsdienst Nordwestschweiz.
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Gesundheitsexperte Andreas Faller sieht großen Handlungsbedarf: „Kurzfristige Krisen könnten das System irgendwann überlasten.“
Das Schweizer Gesundheitssystem steht massiv unter Druck. Die Grippezahlen schießen in die Höhe und Kinderkrankenhäuser füllen sich mit Menschen, die mit RSV infiziert sind. Darüber hinaus müssen sich Notärzte auch mit medizinischen Bagatellfällen auseinandersetzen, die die Stationen belasten.
Nun spitzt sich die Lage erneut zu: Mehrere Kliniken stoßen nach eigenen Angaben an die Grenze ihrer Bettenkapazität. So schreibt das Spital Oberwallis in der Petition: «Seit Anfang November gibt es einen Abend pro Woche, an dem nicht alle Patienten in einem Krankenzimmer übernachten konnten.» Bis dahin hätten sie laut Pflegedirektor Kilian Ambord notfallmässig behandelt werden müssen.
Die Skisaison verschärft die Herausforderungen weiter, sagt Ambord. Täglich treffe sich deshalb ein Krisenstab, um die aktuelle Lage zu beurteilen: „So können schnell Korrekturen vorgenommen werden, etwa das Verschieben nicht dringender Eingriffe.“ Außerdem wurden weitere Praxisassistenten eingestellt und ein zusätzlicher Notfall-Wartebereich eingerichtet.
Die Notaufnahme ist geschlossen
Auch andere Spitäler berichten, dass sie an Kapazitätsgrenzen stossen: «Es gab Zeiten, da hatten wir keine freien Betten», sagt Anita Kuoni vom Kantonsspital Basel. Ähnlich klingt es bei den Spitälern in Uster und Bülach auf Anfrage.
Krankenhäuser verhängen daher zunehmend Einnahmestopps für ihre Notaufnahmen (siehe Kasten). Notdienste müssen in andere Kliniken gehen. «In den letzten Wochen passierte das mehrere Stunden», sagt etwa das Spital in Bülach.
So funktioniert der Schweizer Rettungsdienst
In der Schweiz gibt es neben den staatlichen Rettungsdiensten auch viele private Unternehmen wie Regio144 oder den Rettungsdienst Nordwestschweiz. Normalerweise koordiniert eine regionale Leitstelle die Einsätze der verschiedenen Rettungsdienste. Krankenhäuser sichern: Auch wenn die Notaufnahme eine Einnahmesperre gemeldet hat, Patienten, bei denen es um Leben und Tod geht, werden immer aufgenommen. Dies gilt auch für wichtige Zentralspitäler wie das Universitätsspital Zürich.
“nie erlebt”
Rettungsdienste spüren es. Statt ein paar Minuten bis zum nächsten Spital muss man etwa eine halbe Stunde bis zu einer Klinik fahren, sagt Kai-Simon Roloff vom Rettungsdienst Nordwestschweiz. “So verzögert sich die ganze Operation um eine Stunde.” Auch ein anderer Rettungsdienst bestätigt, dass es in den vergangenen Wochen zu diesen Situationen gekommen ist.
Für Roloff eine beispiellose Situation: “Ich habe es noch nie so steigen sehen und alle Krankenhäuser in der Region sind so gefährdet.” Kurzfristige Spitzen wie der Glatteisausbruch Mitte Dezember könnten zum Problem werden: „Normalerweise können wir solche Situationen verkraften. Aber das wird schwierig, wenn das System schon so ausgelastet ist.“
Dramatischer Personalmangel
Gesundheitsexperte Andreas Faller stimmt zu. Aktuell sei das Gesundheitssystem aus mehreren Gründen stark belastet: „Zum einen gibt es im Winter generell mehr Stürze und Unfälle, zum anderen erleben wir eine ungewöhnlich starke Erkältungs- und Grippesaison.“ Zudem habe sich der Mangel an Pflegepersonal in den Krankenhäusern verschärft: „Aktuell kann ein Großteil der Betten nicht operiert werden, weil das Personal nicht ausreicht.“
Er sieht mehrere Handlungsfelder: „Einerseits müssen wir dafür sorgen, dass sich die Notrufzentralen noch weniger mit Bagatellfällen auseinandersetzen müssen.“ Dazu muss auch der Hausärztemangel weiter angegangen werden. Zudem sollen Krankenhäuser für ihre Bereitschaftsdienste besser entschädigt werden: „Manche dieser sogenannten öffentlichen Dienste kürzen ab, ohne auf die Nachfrage zu achten. Dadurch haben Krankenhäuser weniger Reserven für Krisensituationen.”
„Bisher hatten wir Glück“
Faller sieht großen Handlungsbedarf: „Bisher hatten wir Glück.“ Kurzfristige Krisen wie eine Naturkatastrophe, bei der es in kurzer Zeit viele Verletzte gibt, könnten das System schließlich überlasten: „Das hätte massive Folgen und vermeidbare Gefahren für Patienten.“
Auch die Rettungsdienste blicken mit Sorge in die Zukunft: «Wenn das so weitergeht, müssen wir bald weitere Ambulanzfahrzeuge in Betrieb nehmen», sagt Martin Kuhn von Regio144 in Zürich. “Ich weiß nicht, wo das Personal herkommen soll.” Das könne im Extremfall dazu führen, dass eine regelmäßige medizinische Versorgung nicht mehr jederzeit gewährleistet werden könne: „Das kann man nicht ausschließen“, sagt Kuhn.