ARBEITSKLEIDUNG Was sind „Smart Textiles“? 07. November 2022

Nach Smartphone und Smart Home wird nun auch die Kleidung smart gepflegt. Das bietet wichtige Vorteile für die persönliche Schutzausrüstung und erleichtert die Arbeit. Doch was bietet der Markt und welche Funktionen könnten zukünftig in Berufsbekleidung integriert werden?

Lesezeit: min | Bildquelle: Pixabay User Voltamax, Skylotec GmbH, Jaquard by Google, Kübler GmbH

Digitalisierung, Industrie 4.0, Internet der Dinge: Die heutige Arbeitskultur befindet sich im Umbruch. Daher ist es logisch, dass diese Änderungen auch die Persönliche Schutzausrüstung (PSA) von Fachleuten in Industrie, Handwerk oder Bauhof betreffen. Aber der Reihe nach: Arbeitskleidung hat im Laufe der Jahrzehnte mehrere Entwicklungsstufen durchlaufen. Sie ist nicht die Einzige aufregender ( ist geworden, erfüllt aber auch wichtige Funktionen, wie die Erhöhung des UV-, Brand- oder Schnittschutzes durch die Integration spezieller Gewebearten. Diese „passiven“ Eigenschaften müssen nun um „aktive“ ergänzt werden. Unter den Stichworten „Smart Textiles“ und „Smart Bekleidung“ geht es darum, elektronische Komponenten in Kleidung zu integrieren, um zahlreiche Funktionen wie Beleuchtung, Konnektivität und Wärme zu realisieren.

Also Elektronik und Textil: Trotz der klaren Vorteile scheint es eine Kombination zu sein, die so gar nicht zusammenpassen will. Diese Bedenken sind jedoch, ebenso wie das Thema, nicht neu. Der eigentliche Begriff „Smart Material“ geht auf das Jahr 1989 zurück, als es japanischen Forschern erstmals gelang, einem Seidenstoff einen Formgedächtniseffekt zu verleihen (Anm. Auch in Deutschland forscht unter anderem das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration seit mehr als zehn Jahren an entsprechenden Lösungen. Kommerzielle „Smart Clothes“ sind jedoch eher eine Randerscheinung. Auch im Workwear-Bereich. Auch auf der jüngsten A+A, der internationalen Leitmesse für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, (Link zur aktuellen A+A www.bauhof-online.de/d/aa-2021-gesundheit-im-mittelpunkt- arbeiter – im -focus-1/) sind die entsprechenden Produkte rar gesät.

„Smart Textiles“: wenige Produkte im Workwear-Bereich

Es gibt jedoch bereits Unternehmen, die „Smart Textile“-Konzepte in der Arbeitskleidung erfolgreich umsetzen, wie z. B. aktive Beleuchtung. Die all2work GmbH integriert beispielsweise neben herkömmlichen Reflektoren, die über eine Powerbank mit Strom versorgt werden, LED-Streifen in ihre Jacken. Ein Sensor sorgt dafür, dass sich das Licht der Umgebungshelligkeit anpasst. So bleibt der Energieverbrauch so nachhaltig wie möglich. Neben Licht kann auch die Leistung von Heizkörpern in „intelligenten Klamotten“ über Sensoren gesteuert werden. Es gibt zwar schon Jacken und Westen, die mit Akkus beheizt werden können, aber diese sind nicht „smart“, das heißt, sie haben keine Hardware verbaut, die die abgegebene Wärme an die Außentemperatur anpasst. Das will Kübler Workwear jetzt ändern. Geplant ist eine „Smart Textile“-Jacke mit Heizelementen und induktiver Ladefunktion für Smartphones.

Smarte Absturzsicherungslösungen hingegen werden bereits mehrfach angeboten. So bieten beispielsweise die Skylotec GmbH und die Bornack GmbH eine Airbagweste an, deren Sensoren erkennen, wenn der Benutzer stürzt. Sobald sie einen Sturz registrieren, blasen sie die Weste auf, um Schäden zu vermeiden.

Ausblick: „Smart Clothes“ – Arbeitskleidung

Natürlich ist das Potenzial von „Smart Textiles“ noch lange nicht ausgeschöpft. Im Gegenteil: Wie bei den meisten Innovationen sind es die Produkte von Tech-Giganten wie Google, die einen Eindruck davon vermitteln, was die smarte Kleidung von morgen kann. Der Suchmaschinenbetreiber und seine Tochtergesellschaft Jacquard stellen Minicomputer her, die an Jeansjacken und Rucksäcken befestigt werden können. Dadurch lassen sich zahlreiche Funktionen eines Smartphones mit speziellen Panels vom Riemen des Rucksacks oder dem Ärmel der Jacke aus steuern. Verschiedenste Anwendungen wie Navigation, Telefon etc. lassen sich durch minimalistische Berührungen des Panels steuern.

Diese Innovation soll auch bei PSA Einzug halten. Unter dem Stichwort „Konnektivität“ testen erste Firmen Fernbedienungen nach dem Vorbild der Google-Tochter. Allerdings sollten Nutzer damit nicht auf das eigene Handy zugreifen, sondern auf schwere Geräte wie Formatkreissägen, Betonmischer oder auch den Brecher. Neben einer vereinfachten und komfortablen Bedienbarkeit würde dies auch die Sicherheit erhöhen, da zum Beispiel der Not-Aus-Schalter leichter zugänglich wäre.

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