Die Explosion soll etwa 300 Meter unter der Erde stattgefunden haben. Mehrere Stunden lang wurde nach 15 Personen gesucht, die sich in einem brennenden Bergwerksstollen aufhielten. Die Arbeiten zur Isolierung und Kühlung des Feuers seien im Gange, sagte Energieminister Fatih Dönmez. Die Rettungsaktionen stehen kurz vor dem Abschluss. Auch Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte für Samstag angekündigt. Er wollte die Rettungseinsätze “koordinieren”.
Verzweifelte Familienmitglieder warteten die ganze Nacht in der Kälte vor der Staatsmine TTK Amasra Muessese Mudurlugu in der Stadt Amasra in der Schwarzmeerküstenprovinz Bartin auf Neuigkeiten. Zum Zeitpunkt der Explosion in der Nacht zum Freitag waren 110 Bergleute in der Grube beschäftigt. „Das ist ein sehr trauriges Bild für uns“, sagte Innenminister Soylu an der Absturzstelle. In der Mine kam es teilweise zu Einstürzen, aber die Belüftung funktionierte einwandfrei. Die Mine gehört der staatlichen Turkish Hard Coal Company.
Reuters/Kemal Aslan Die Suche nach den Vermissten wurde in der Nacht zum Samstag fortgesetzt. Einige waren in einem brennenden Tunnel gefangen
“Ich weiß nicht, was passiert ist”
Energieminister Dönmez geht nach ersten Erkenntnissen davon aus, dass es in der Mine durch die Zündung von Methangas zu einer Grisú-Explosion gekommen ist. Im Bergbau ist Grisú ein Gemisch aus Methangas und Luft. Die türkische Zivilschutzbehörde AFAD sagte zunächst, ein defekter Transformator habe die Explosion ausgelöst. Die Behörde zog diese Aussage später zurück und sagte, die Mine habe aus “unbekannten Gründen” Methangas gezündet.
„Ich weiß nicht, was passiert ist“, zitierte die türkische Nachrichtenagentur Anadolu einen Minenarbeiter, der die Grube unverletzt verlassen konnte. “Da war ein plötzlicher Druck und ich konnte nichts sehen.” Fernsehaufnahmen zeigten Hunderte von Menschen, die sich in der Nähe des Eingangs zum Graben versammelt hatten.
Widerspruch: Ignorierte Warnungen
Die örtliche Staatsanwaltschaft behandelte den Vorfall als Unfall und leitete eine offizielle Untersuchung ein. Die wichtigste Oppositionspartei, die sozialdemokratische CHP, sagte, die Behörden hätten einen Bericht des Rechnungshofs aus dem Jahr 2019 ignoriert, der vor der Gefahr von Grubengasexplosionen in der Mine warnte.
In den letzten Jahren kam es in der Türkei zu schweren Minenunglücken, unter anderem aufgrund mangelnder Sicherheitsstandards und mangelnder Achtung. Im Jahr 2014 kamen bei einer Explosion in einer Kohlemine in der Provinz Manisa in der Ägäisregion insgesamt 301 Menschen ums Leben. Die Tragödie löste Proteste gegen die Regierung des damaligen Ministerpräsidenten Erdogan aus. Fünf Grubenbeamte wurden zu Freiheitsstrafen von maximal 22 Jahren und sechs Monaten verurteilt.