Aus . – 12.03.2022 07:00 (akt. 12.03.2022 07:00)
Im Jahr 2021 wurden in Österreich täglich 5,8 Hektar Boden versiegelt. ©pixabay.com (Symbolbild)
In Österreich wurden im Jahr 2021 jeden Tag durchschnittlich zehn Hektar Land versiegelt.
Davon seien 5,8 Hektar der Versiegelung dauerhaft verloren gegangen, teilte das Umweltbundesamt am Freitag mit. Daher war die Siegelquote mit 58 Prozent ungewöhnlich hoch im Vergleich zu den Vorjahren, als sie knapp über 40 Prozent lag. Umweltschutzorganisationen kritisierten den „Ausbau“ und warnten vor der irreparablen Zerstörung der Lebensgrundlagen.
Im Jahr 2021 wurden in Österreich täglich 5,8 Hektar Boden versiegelt
„Der Versiegelungsgrad der genutzten Böden ist im vergangenen Jahr von 40 auf 58 Prozent gestiegen, also der Anteil, der schließlich asphaltiert oder betoniert wird“, kritisierte der WWF. „Der übermäßige Flächenverbrauch ist einer der Haupttreiber der Biodiversitäts- und Klimakrise. Er verstärkt Naturkatastrophen, gefährdet die Gesundheit der Menschen und verursacht nicht zuletzt einen enormen Energieverbrauch“, warnte WWF Österreichs Bodenschutzsprecher Simon. Poren Der WWF fordert daher eine verbindliche Obergrenze von maximal einem Hektar pro Tag für den Flächenverbrauch. Greenpeace will die Landnutzung bis 2025 auf 2,5 Hektar pro Tag und bis 2030 auf maximal einen Hektar pro Tag reduzieren Identität verlieren und ärmer werden”, kritisierte Kurt Weinberger, Vorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, in einer Aussendung.
Die Regierung setzt sich dafür ein, den Landverbrauch zu reduzieren
Die Bundesregierung hat sich im Regierungsprogramm verpflichtet, den Flächenverbrauch bis 2030 auf maximal 2,5 Hektar pro Tag zu reduzieren. Das ist ein Bruchteil des derzeitigen Flächenverbrauchs, und das Umweltbundesamt stellte außerdem fest, dass „es keine substanzielle Reduzierung der Landnutzung und weitere Anstrengungen sind erforderlich”. Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre waren es 11,3 Hektar pro Tag, die hauptsächlich für Bauarbeiten, Verkehrs- und Betriebsflächen benötigt wurden. Um das Ziel von 2,5 Hektar pro Tag in acht Jahren zu erreichen, wird „derzeit in einem umfangreichen Prozess zwischen Bund, Ländern und Kommunen intensiv an der Finalisierung der Bodenstrategie gearbeitet Kompetenz der Bundesländer. Bei der Erstellung einer Flächenstrategie werden die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Regionen berücksichtigt. Qualität vor Schnelligkeit ist hier die Devise”, sagte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) in Vorbereitung auf ” Tag des Bodens” am 5. Dezember.
5.800 Quadratkilometer Landverbrauch in Österreich im Jahr 2021
Insgesamt wurden in Österreich bis 2021 5.800 Quadratkilometer Land beansprucht, etwa sieben Prozent der Landesfläche und 18 Prozent der Dauersiedlungsfläche. Im vergangenen Jahr wurden 36 Quadratkilometer geborgen (39 Quadratkilometer im Jahr 2020). Der Durchschnitt der vergangenen drei Jahre lag laut Umweltbundesamt bei 41 Quadratkilometern, einer Fläche in etwa der Größe von Eisenstadt. Bau- und Betriebsflächen werden 2021 die mit Abstand größte Fläche einnehmen. Der Bauflächenbedarf ist zwar im Vergleich zum Vorjahr (23 Quadratkilometer) auf 21 Quadratkilometer gesunken, liegt aber immer noch über dem langjährigen Durchschnitt. Ausbeutungsgebiete beanspruchten ähnlich wie 2020 elf Quadratkilometer Land. Die Nutzung von Flächen für Erholung und Rohstoffgewinnung sowie für Straßen und Schienenwege sei zurückgegangen, heißt es in der Mitteilung des Umweltbundesamtes.
150.000 Hektar Felder und Wiesen, die in 25 Jahren gebaut wurden
„Allein in den letzten 25 Jahren sind 150.000 Hektar Äcker und Wiesen baubedingt der landwirtschaftlichen Produktion entzogen worden. Das entspricht der landwirtschaftlichen Fläche des Bundeslandes Burgenland“, schätzt Weinberger, Vorstand der Hagelversicherung. Greenpeace erklärte, die Regierung habe “kläglich an dem Ziel gescheitert, das sie sich gesetzt hatte”. „Mit dem heutigen Konsum gehen wir aufs Spiel: Wir setzen die heimische Biodiversität, unsere Ernährungssicherheit und unsere Lebensqualität aufs Spiel“, sagt Ursula Bittner, Artenschutzexpertin bei Greenpeace in Österreich. „Bei unserem Flächenverbrauch sind wir trauriger Spitzenreiter in Europa. Kein anderes europäisches Land verliert täglich so wertvolle Flächen. Das sollte uns zu denken geben“, sagte Bittner.
Das Umweltbundesamt fordert eine nachhaltige Landnutzung
Auch das Umweltbundesamt forderte eine nachhaltige Landnutzung. Dazu bedarf es eines strategischen Landmanagements mit verbindlichen Zielwerten zur Erhaltung produktiver Flächen, Bewertungen der Bodenfunktion, Nachnutzung von Brach- und Brachflächen, Festlegung von Siedlungsgrenzen, Definition von Vorrangflächen für die landwirtschaftliche Produktion und für den Hochwasserrückhalt und den Schutz von Bodenschätzen wichtige Ökosysteme.
Straßenbodenversiegelung zerstört Ökosysteme
Die Versiegelung des Bodens von Straßen, Parkplätzen, Wohn- und Industriegebäuden zerstört wertvolle Ökosysteme unwiederbringlich, warnte Greenpeace. „Österreich hat das dichteste und längste Straßennetz in Europa: Wir haben Straßen, die pro Kopf 15 Meter lang sind. Notwendig ist ein sofortiger Stopp von nichtökologischen Großbauprojekten“, forderte Bittner.
Totschnig: Positive Entwicklung des Humusgehalts der Böden
Totschnig berichtete von einer positiven Entwicklung des Humusgehalts der heimischen Ackerflächen. „Für eine nachhaltige landwirtschaftliche Produktion ist ein optimaler Bodenhumusgehalt Voraussetzung. Österreich verzeichnet seit Anfang der 1990er Jahre eine positive Entwicklung des Humusgehalts der heimischen Ackerflächen. Dieser Erfolg ist vor allem auf die Maßnahmen des Österreichischen Programms zurückzuführen für eine umweltfreundliche Landwirtschaft”, sagte der Minister. „Beratungs- und Umweltmaßnahmen zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit zeigen in allen Regionen nachweisbare Erfolge in Form von erhöhten Humusgehalten“, bestätigt Andreas Baumgarten, Leiter des Instituts für Bodengesundheit und Bodenschutz der AGES und Leiter der Geschäftsstelle des Beirats. für Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BML).
Greenpeace sieht in der Landwirtschaft eine Gefahr für Böden
Greenpeace sieht in der konventionellen Landwirtschaft eine Bedrohung für den Boden. Der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln zerstört Bodenorganismen wie Tiere, Bakterien und Pilze, die den Boden fruchtbar halten. Der Einsatz von schweren Maschinen und intensiver Nutzung übt zusätzlichen Druck auf den Boden aus und führt zu einer massiven Verdichtung. Verdichtete Felder und Böden können weniger Wasser aufnehmen, haben ein größeres Erosionspotential und werden im schlimmsten Fall unfruchtbar. Durch Bodenzerstörung geht wertvoller Humus verloren. Das ist fatal: Die Bildung von einem Zentimeter Humus dauert zwischen 100 und 200 Jahren, berichtete die NGO.
Gewerbe- und Parkflächen nicht in „Grünanlagen“ anlegen.
Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ), forderte in einer Pressemitteilung die Ausweisung landwirtschaftlicher Vorrangflächen nach Schweizer Vorbild, die nicht anderweitig genutzt werden dürfen. Außerdem sollen Einkaufs-, Gewerbe- und Parkflächen nicht mehr einfach auf „Grünflächen“ gebaut werden. Bei Gewerbegebieten sollten mehrere Anlagen vorgeschrieben bzw. gefördert werden. Gleichzeitig gilt es, die Ortskerne zu stärken und zu verdichten. Energieflächen für Photovoltaikanlagen müssen vor allem auf Dächern und bereits bebauten Flächen errichtet werden, um wertvolle landwirtschaftliche Flächen für die Nahrungsmittelproduktion und als Lebensraum zu erhalten. „Wir dürfen die Zukunft künftiger Generationen nicht behindern“, warnte Moosbrugger.