Wie digitale Versicherer sind und sein wollen

28.06.2022 – Die Digitalisierung ist ein Dauerbrenner unter den Herausforderungen der Versicherungsbranche. Beim 10. Austria Versicherungsforum stand das Thema jedoch im Fokus der Experten. Dabei ging es unter anderem um Chancen, Beispiele der Vollstreckung oder die neuesten Entwicklungen in der „Client’s Journey“ der inländischen Versicherungsnehmer.

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Bild: Joshua Sortino in Unsplash

Das 10. Versicherungsforum Austria, veranstaltet von der Business Circle Management Training GmbH, fand vergangene Woche wieder „live“ im burgenländischen Stegersbach statt. Die technische Gesamtleitung lag in den Händen des Leiters von Finlex Austria, Peter Loisel.

Im Mittelpunkt des als „Strategieforum“ konzipierten Tages stehen die Prozesse des kulturellen und technologischen Wandels sowie neue Geschäftsmodelle und veränderte Wettbewerbsbedingungen, betont der Veranstalter.

Zu den „unmittelbaren Herausforderungen“ für die Versicherungswirtschaft würden neben der Bewältigung von Pandemie und Krieg in der Ukraine „Dauerbrenner“ wie Digitalisierung, demografischer Wandel und Klimakatastrophe gehören.

Somit war die Digitalisierung auch einer der Schwerpunkte der Veranstaltung; Im ersten Teil unserer Berichterstattung zum Versicherungsforum fassen wir einige der interessantesten Beiträge zum Thema zusammen.

Chancen und Risiken für etablierte und neue Player

„Die Herausforderungen der Digitalisierung“ war das Thema des Einführungsvortrags von Torsten Oletzky, Professor an der TH Köln und Vorstandsmitglied der Industrieinitiative Insurlab Germany, deren Ziel es ist, Innovation und Digitalisierung in der Versicherungsbranche voranzutreiben.

Die Versicherungsbranche steht laut Oletzky vor einer Reihe von Problemen: Sie kämpfe mit strukturell hohen Kosten, sie werde als altmodisch und wenig innovativ wahrgenommen, ihre Produkte seien komplex und wenig transparent.

Zudem ist die Zahl der Versicherungsvermittler seit Jahren rückläufig; das klassische Vertriebsmodell mit intermediärer Betreuung fehlt am Nachwuchs und stößt an seine Grenzen.

Kooperationen beschleunigen den Markterfolg

Es ist klar, dass der Versicherungssektor erneuert werden muss; Die Digitalisierung bietet dazu eine große Chance. Während neue digitale Unternehmen und Geschäftsmodelle frischen Wind in die Branche bringen, wachsen auch für Insurtech-Startups nicht automatisch die Bäume in den Himmel.

Auch im deutschsprachigen Raum tun sich Start-ups manchmal schwer; Neben inhaltlichen Schwächen sieht Oletzky auch Probleme bei der Performance und Entwicklung einiger Insurtechs.

Allerdings sollten sich etablierte Versicherer nicht zu sicher fühlen, warnt Oletzky: Ohne eigene Innovation würden sie Gefahr laufen, den Kampf über die Kundenschnittstelle zu verlieren. Daher raten wir Ihnen, auf Kooperationen mit Startups zu setzen.

Während Insurtechs in den Bereichen IT-Innovation, -Entwicklung und -Implementierung schnelllebig sind, ist die Größe die Stärke der Versicherer. Zusammen könnten sie Entwicklungsprozesse beschleunigen und damit weniger Zeit benötigen, um am Markt erfolgreich zu sein.

Praxisbeispiel erfolgreicher Zusammenarbeit

Passend dazu erläuterte Stephen Voss, CEO der 2017 gegründeten Neodigital Versicherung AG, anschließend die Synergien zwischen etablierten Versicherern und Insurtechs am Beispiel eines Joint Ventures zwischen seinem Unternehmen und der deutschen Versicherungsgruppe HUK-Coburg.

Voss sieht einen „Wendepunkt“ für die Kfz-Versicherer. Als Gründe dafür nennt er unter anderem den Einsatz neuer Technologien, datenbasierte Geschäftsmodelle wie nutzerbasierte Telematiktarife oder Pay-per-Minute-Modelle sowie Mehrwertdienste für Kunden.

Es geht darum, „maßgeschneiderte Versicherungslösungen“ für zukünftige Mobilitätsbedürfnisse zu entwickeln. So könnten beispielsweise „Driver Scores“ bei Fahrzeugflotten, Carsharing und Carsharing dazu beitragen, die Prämienstruktur zu verbessern oder eine individuelle und faire Abrechnung zu erreichen.

sich Herausforderungen stellen

Ende 2021 konnte mit der HUK-Coburg ein Investor gefunden werden, mit dem die „Neodigital Autoversicherung AG“ entsteht. Basis des Joint Ventures ist eine „Symbiose“ aus dem Know-how der HUK-Coburg im Automotive-Bereich und der Computerplattform von Neodigital.

Vergleichsplattformen und das Plattformgeschäft werden laut Voss im Automobilgeschäft immer wichtiger. Grundvoraussetzungen dafür sind Modularität und White-Label-Fähigkeit; das strategische Ziel ist es, es schnell zu erreichen.

Dies soll auch die künftige Wettbewerbsfähigkeit gegenüber digitalen Wettbewerbern, sowohl Versicherungen als auch großen internationalen Technologieunternehmen, sicherstellen. Und schließlich gewinnt die HUK-Coburg Wachstumschancen durch die Erschließung neuer Märkte, ohne die Marke und den Kern zu gefährden.

Schadenautomatisierung mit künstlicher Intelligenz

Die Versicherer seien bequem geworden, hätten sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht und das Vertrauen in den Prozess verloren, sagte Wolf Gerlach, COO der Uniqa Österreich Versicherungen AG. Daher wurden Ziele für 2021 festgelegt, um Kosten zu senken und schneller und transparenter zu sein.

Im Bereich der Sach- und Unfallversicherung verzeichnete Uniqa im Vorjahr 380.000 Schadenfälle in Österreich; das Schadenvolumen betrug 1,3 Milliarden Euro, das Prämienvolumen in diesem Bereich 1,9 Milliarden.

Die Herausforderungen sind die heterogene Bearbeitung von Schadensfällen in einer Vielzahl von Einheiten, der steigende Kostendruck, der Personalmangel, aber auch das veränderte Kundenverhalten: Absagen oder Teilabsagen werden nicht mehr akzeptiert.

Schnelle Umsetzung

Mitte 2021 entschied sich Uniqa für die Implementierung einer Schadenautomatisierungslösung, um Personal schnell zu entlasten und Kosten zu senken. Es wird eine Omni-us-Plattform verwendet, ein Unternehmen, das sich auf die Automatisierung von Schadenprozessen für Versicherungsunternehmen konzentriert.

Martin Micko, CCO und Gründer von omni:us, erläuterte den Fokus seines Unternehmens: Der Fokus lag auf hochfrequenten und volumenrelevanten Branchen, eine IT-Involvierung war nicht notwendig. Der Echtbetrieb begann im Dezember 2021.

Eine „iterative Verbesserung des KI-Modells“ sorgt nun für eine kontinuierliche Optimierung der Automatisierungsrate; Eine Erweiterung um weitere Teilungen und den Anschluss zusätzlicher Eingangskanäle ist geplant.

Nur acht Prozent der Online-Anfragen

Ali Aram, Leiter Technik- und Versicherungsberatung beim Beratungsunternehmen EY in Österreich, zitierte in seinem Vortrag die heuer zum vierten Mal durchgeführte Endkundenstudie von EY zum „Reisen der Kunden“ des Inlandes Versicherungsnehmer.

Laut Aram wurden im Jänner dieses Jahres in Österreich mehr als 1.500 Versicherungskunden befragt, die einen Querschnitt der Bevölkerung repräsentieren. Die Studie umfasst alle relevanten Verkaufs- und Kontaktkanäle, wobei zwischen Online- und Offline-Kanälen unterschieden wird.

Der Versicherungsvertreter bleibt laut Studie neben Freunden und Familie und den eigenen Erfahrungen in der Phase der Bedarfsschaffung die wichtigste Informationsquelle. Von denen, die die Beratung in Anspruch nahmen, fanden nur acht Prozent der Fälle online statt.

Hauptgründe für den Abschluss eines Offline-Vertrages sind die gute Beziehung zum Vermittler und der Wunsch nach umfassender persönlicher Beratung. Bei Online-Abschlüssen hingegen dominieren Komfort und günstigere Preise; gute Online-Beratung gewinnt an Bedeutung.

Jugendliche verhalten sich anders

Die Generation Z (geboren zwischen 1997 und 2012) verhält sich laut einem anderen Studienergebnis bei älteren Menschen während der Reisephasen des Kunden anders. Die Akzeptanz der E-Beratung in dieser Altersgruppe sei „viel höher“ als in anderen.

28 Prozent derjenigen, die ihre letzte Versicherung online abgeschlossen haben, gehören der Generation Z an. Und insgesamt haben 23 Prozent der Generationen Y (geboren nach 1980) und Z ihre Versicherung zuletzt online abgeschlossen.

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