Sie befürchten Zinssätze, die die Wall Street weiterhin missbrauchen wird

Marktbericht

Stand: 29.08.2022 22:21

Wie schon früher in Europa gab es auch heute an der Wall Street nach den großen Verlusten vom Freitag keine Gegenbewegung. Die düsteren Zinsaussichten wirkten sich weiterhin aus.

Spekulationen, dass sich das Tempo der Zinserhöhungen verlangsamen würde, lasteten heute auf der Wall Street. Der Abwärtsdruck war zwar nicht mehr so ​​stark wie am Freitag, aber nicht ausreichend. Die Finanzmärkte sind daher nach wie vor von Sorgen über weitere deutliche Leitzinserhöhungen in den USA und zunehmend auch in Europa geprägt, die die Konjunktur belasten könnten.

Der Jones-Index der Standardaktien schloss 0,57 Prozent leichter bei 32.098 Punkten. Die zinssensitive Technologiebörse Nasdaq erholte sich im Jahresverlauf etwas, blieb aber letztlich deutlich im Minus. Der zusammengesetzte Index fiel um 1,02 Prozent auf 12.017 Punkte, während der Nasdaq 100 0,96 Prozent verlor. Am Freitag war der Nasdaq bereits um rund vier Prozent gefallen. Der breitere S&P 500 endete bei 4.030 Punkten, ein Plus von 0,67 Prozent.

Die gestiegene Verunsicherung der Anleger spiegelte sich auch im Volatilitätsindex wider, der als Angstmaß der Wall Street bekannt ist und auf ein Sieben-Wochen-Hoch stieg.

Die Börse mag Powells Medizin nicht

Ende vergangener Woche betonte US-Notenbankchef Jerome Powell die hohe Priorität der Inflationsbekämpfung und machte deutlich, dass die Federal Reserve ihren Kampf gegen stark steigende Preise fortsetzen werde, auch wenn er die daraus resultierenden wirtschaftlichen Schäden in Kauf nehme. Powell wies die Markterwartungen, dass die Fed aufgrund wirtschaftlicher Probleme im nächsten Jahr eine weitere Zinssenkung in Betracht ziehen könnte, effektiv zurück.

„Die Botschaft aus Jackson Hole war laut und deutlich und nicht das, was die Märkte erwartet hatten“, sagte Nordea-Chefanalyst Jan von Gerich mit Blick auf das Zentralbanksymposium vergangene Woche in Wyoming, auf dem auch Powell auftrat. „Die Zentralbanken brauchen überzeugende Beweise dafür, dass die Inflation zurückgeht. Das sind schlechte Nachrichten für die Wirtschaft und die Risikobereitschaft und erhöhen das Risiko einer tieferen Rezession, wenn wir schnellere Zinserhöhungen bekommen.“

Ölstand gefragt

Unter den Einzeltiteln profitierten Ölaktien vom deutlichen Anstieg des Ölpreises. Chevron war einer der größten Gewinner mit einem Anstieg des Dow um 0,77 Prozent. Exxon Mobil und ConocoPhillips legten um 2,3 Prozent bzw. 0,92 Prozent zu. Salesforce blieb hinter dem Dow zurück und verlor fast drei Prozent.

Der DAX ist krank

Die Aussicht auf kräftige Zinserhöhungen und eine drohende Rezession belasten derzeit die Stimmung der heimischen Anleger. Sie verabschiedeten sich heute weiter vom Markt, der DAX fiel um 0,61 Prozent auf 12.892 Punkte. Wer nach den schweren Verlusten am Freitag mit einer technischen Gegenreaktion gerechnet hatte, wurde enttäuscht. Von Schnäppchenjägern keine Spur.

Apropos Market Tech: Charttechnisch ist der DAX stark in Mitleidenschaft gezogen. „Jetzt versucht der Markt schnell einen Ansatzpunkt zu finden, um nicht die nächste und wahrscheinlich wichtige Marke zu erreichen: das Jahrestief knapp unter 12.500 Punkten“, sagt Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei RoboMarkets.

Zinsängste ohne Ende: EZB vor großem Zinsschritt

Die Äußerungen des Vorsitzenden der Federal Reserve der Vereinigten Staaten, Jerome Powell, haben heute bei Anlegern auf der ganzen Welt Anklang gefunden. Dies stimmte die Finanzmärkte auf einen langen Kampf gegen die Inflation ein.

Nicht nur in den USA, wo sich die Federal Reserve (Fed) seit einiger Zeit zurückhält, sondern auch in Europa aus Angst vor massiven Zinserhöhungen. Denn auch die EZB, die zu lange zu zögerlich war, steuert bei ihrer nächsten Sitzung am 8. September auf eine größere Zinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte zu.

Wirtschaftsupdate vom 29.08.2022

Stefan Wolff, Personal, 29.08.2022 09:46 Uhr

Die Geldmarktkurse zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung des Leitzinses im Euroraum auf dieses Niveau inzwischen auf 67 Prozent geschätzt wird. Zum Vergleich: Vor den Auftritten der Notenbanker am Wochenende wurde die Wahrscheinlichkeit eines derart starken Zinsanstiegs auf lediglich 24 Prozent geschätzt.

Am Samstag plädierten sowohl EZB-Chefin Isabel Schnabel als auch die französischen und lettischen Notenbankchefs Francois Villeroy de Galhau und Martins Kazaks für starke oder deutliche Zinserhöhungen zur Bekämpfung der grassierenden Inflation. Die Inflation in der Eurozone stieg im Juli auf einen neuen Rekordwert von 8,9 Prozent.

Fallende Gaspreise stützen den Euro

Unterdessen hat sich der Euro am Devisenmarkt knapp über die Parität zum US-Dollar bewegt, und im US-Handel liegt er wieder knapp darunter. Die Europäische Zentralbank legte den Referenzkurs auf 0,9986 $ (Freitag: 1,0007 $) fest. Die Erholung war hauptsächlich auf den bemerkenswerten Rückgang der europäischen Gaspreise Anfang der Woche zurückzuführen.

Am Morgen fiel der Kurs des TTF-Futures-Kontrakts auf 268 Euro. Trotz deutlich reduzierter Liefermengen aus Russland nähert sich der Füllstand der deutschen Gasspeicher der 85-Prozent-Marke, die eigentlich erst Anfang Oktober erreicht werden sollte Am Freitag wurde der Kontrakt zeitweise bei rund 340 Euro notiert. Die Eurozone und insbesondere Deutschland sind stark von Erdgas abhängig. Hohe Gaspreise belasten die wirtschaftliche Entwicklung erheblich.

Vor allem aber stützen die steigenden Erwartungen an die US-Zinsen den Dollar. Der Rückfall von …

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