Aussetzung des Einsatzes des Verteidigungsministeriums der Bundeswehr in Mali

Stand: 12.08.2022 12:39 Uhr

Zuletzt waren Zweifel am Engagement der Bundeswehr in Mali gewachsen: Deutschland setzt den Aufklärungseinsatz nun bis auf weiteres aus. Grund sind Meinungsverschiedenheiten mit der malischen Militärregierung. Überflugrechte wurden erneut verweigert.

Deutschland setzt den Bundeswehreinsatz in Mali Westafrika vorübergehend aus. Das Bundesverteidigungsministerium kündigte an, Transportflüge und Aufklärungseinsätze bis auf Weiteres einzustellen. Als Grund wurde angegeben, dass die malische Regierung der Bundeswehr wiederholt Überflugrechte verweigert habe. Mit dem Flug muss das Baustellenpersonal rotiert werden.

Das Verhalten der Militärregierung erschwere den Einsatz im Rahmen der UN-Mission, so das Ministerium. „Daher ist ein geplanter Personalwechsel nicht möglich – das hat Auswirkungen auf unser Engagement.“ Die Sicherheit der Soldaten hat höchste Priorität.

“Der Job wird schwieriger”, sagt Norbert Hahn, ARD Nairobi, zur Einstellung des Bundeswehreinsatzes in Mali

Tagesschau 12:00 Uhr, 12. August 2022

Grundsätzlich ist er weiterhin bereit mitzumachen

Deutschland sei grundsätzlich weiterhin bereit, sich an der internationalen Friedensmission zu beteiligen, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Dies macht jedoch nur Sinn, wenn es die Unterstützung der dortigen Regierung hat.

Anfang der Woche war der Leiter der Politischen Abteilung des Bundesministeriums des Auswärtigen Amtes für Afrika, Lateinamerika, den Nahen und Nahen Osten, Christian Buck, zu den Verhandlungen nach Mali gereist. Die malische Seite soll daraufhin angedeutet haben, dass die Truppenrotation in naher Zukunft wieder aufgenommen werden könnte.

Erst am Donnerstag soll Verteidigungsministerin Christine Lambrecht in einem Telefonat mit ihrem malischen Amtskollegen Sadio Camara Zusicherungen erhalten haben. Camara sagte dem Minister, dass es keine weiteren Anforderungen für die Mission geben sollte; Überflugrechte seien nun erneut verweigert worden, sagte ein Sprecher. „Camaras Taten sprechen eine andere Sprache als seine Worte“, kritisierte Lambrecht auf Twitter.

Der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr

Mali mit rund 20 Millionen Einwohnern hat seit 2012 drei Militärputsche erlebt und gilt als politisch äußerst instabil. Seit dem letzten Putsch im Mai 2021 wird das Land von einer Interims-Militärregierung geführt, die die Aufgabe hat, enge Beziehungen zu Russland aufrechtzuerhalten. Seitdem hat sich der Einsatz der UN-Friedenstruppe MINUSMA, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist, immer wieder verschlechtert. Die malische Regierung hat kürzlich mit der Entscheidung, die Rotation von Blauhelmsoldaten im Land vorübergehend auszusetzen, für Empörung gesorgt. Es gab auch Probleme mit Überflugrechten.

Spannungen verschärften sich auch wegen der Zusammenarbeit der Militärjunta mit der russischen Söldnergruppe Wagner, die enge Verbindungen zum Kreml haben soll und massive Menschenrechtsverletzungen verdächtigt wird. Frankreich hat bereits einen Großteil seiner Soldaten abgezogen.

Die UN-Mission MINUSMA ist seit 2013 in Mali, erst Ende Juni verlängerte der UN-Sicherheitsrat sein Mandat um ein weiteres Jahr. Für die Bundeswehr ist der Einsatz derzeit der größte Auslandseinsatz und gilt auch als der gefährlichste. Der Bundestag hatte den Einsatz im Mai verlängert, allerdings mit einem Vorbehalt: Das neue Mandat enthält eine Ausstiegsklausel für den Fall, dass die Sicherheit von Bundeswehrsoldaten in Mali nicht mehr gewährleistet werden kann.

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