Uhren und Schmuck In der Uhrenbranche herrscht ein Wettbewerb um den letzten Bruchteil eines Millimeters

Piaget Altiplano Ultimate Concept, seitlich gut sichtbar die rechteckige Krone. (Bild: PD

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Während robuste, klobige Uhren weiterhin den Trend bestimmen, ist eine kleine Gruppe von Uhrenmarken im Rennen um die dünnste mechanische Armbanduhr.

Besonders flache Uhren üben seit jeher eine besondere Faszination aus. Wer fragt sich beim Anblick einer fünf Franken dicken Uhr nicht, wie es möglich ist, eine so komplexe Mechanik auf so kleinem Raum unterzubringen?

In den 1980er Jahren erreichte der Wettbewerb um die flachste Uhr den absurden Höhepunkt einer Uhr mit einem nur einen Millimeter hohen Quarzwerk. Das Ergebnis war absurd, denn die Uhr mit dem Namen „Delirium Tremens“ knickte bei der geringsten Spannung ein und blieb schnell stehen. Die Ingenieure der Werksmanufaktur ETA in Grenchen leiteten den Namen vom französischen „très mince“ (sehr dünn) ab. Damals stand die Schweizer Uhrenindustrie in einem harten Wettbewerb mit Japan, das die Welt mit Quarzuhren überschwemmte, die die Schweizer zu erschwinglichen Preisen nicht schlagen konnten. Deshalb konzentrierten sie sich auf exklusive Entwicklungen, wie zum Beispiel die dünnste Uhr.

Ein Wettkampf zwischen Gleichgesinnten

Heute findet dieser Wettbewerb in einem erlauchten Kreis von Schweizer Herstellern statt. Bis vor Kurzem war es wirklich nur zwischen den beiden Marken Piaget, immer bekannt für besonders flache Uhren, und Bulgari, einer Marke, die sich erst seit zwanzig Jahren in der Haute Horlogerie engagiert. Die Marke mit römischen Wurzeln, die einst für ihren luxuriösen Schmuck und ihre etwas uneinheitliche Uhrenkollektion bekannt war, kaufte im Jahr 2000 die Marken Gérald Genta und Daniel Roth und eignete sich ihre geballten uhrmacherischen Fähigkeiten an.

2013 startete Piaget den Wettbewerb mit einer nur 3,65 Millimeter dicken Uhr, dem Modell Altiplano 900P. Um diese niedrige Bauhöhe zu erreichen, wandten sich die Designer einem Prinzip zu, das „Delirium Tremens“ in den 1980er-Jahren möglich gemacht hatte und das später zum Erfolgsrezept von Swatch wurde: die Verschmelzung von Gehäuse und Uhrwerk. Der untere Teil der Uhr übernimmt die Funktion der Grundplatine des Uhrwerks und wird so zu einem untrennbaren Teil des Mechanismus.

Das Rennen hat begonnen

Als wäre der Startschuss gefallen, präsentierte Bulgari 2014 das erste Modell der neuen Linie Octo Finissimo, die in den Folgejahren acht Weltrekorde aufstellen sollte. Das erste Modell, die Octo Finissimo Flying Tourbillon, war mit nur 5 Millimetern Höhe die dünnste Tourbillon-Uhr der Welt. 2016 folgte die flachste Minutenrepetition der Welt mit einer Bauhöhe von 6,85 Millimetern, 2017 die flachste Uhr mit Automatikaufzug (5,15 mm), 2018 die flachste Automatikuhr mit Tourbillon (3,95 mm), die sogar den Vorjahresrekord brach.

Bulgari Octo Finissimo Ultra Draufsicht, Stunden und Minuten werden separat angezeigt, um Höhe zu sparen. (Bild: PS)

2018 sprach Piaget erneut mit dem Modell Altiplano Ultimate Concept, der flachsten mechanischen Armbanduhr mit einer Höhe von 2 Millimetern. Davon unbeirrt baute Bulgari weiterhin dünne Uhren mit Komplikationen. Offensichtlich konnte die schlankere Uhr ohne zusätzliche Funktionen warten. Das nächste Modell der Octo Finissimo-Linie im Jahr 2019 war ein schlanker 6,9-mm-Automatik-Chronograph mit GMT-Funktion.

Die Piaget Altiplano Ultimate Concept zeigt ihr schlankes Profil mit der eingelassenen Krone. (Bild: PS)

2020 folgte ein 7,4 mm großer skelettierter Chronograph mit Tourbillon und Automatikaufzug, 2021 ein schlanker 5,8 mm großer Ewiger Kalender. Alle diese Uhren stellten bei ihrer Veröffentlichung einen weiteren Weltrekord für Schlankheit auf. Einige dieser Rekorde wurden inzwischen gebrochen, aber viele von ihnen stehen noch heute.

Kurzfristige Anmeldung

Endlich ist den Italienern, die zur LVMH-Gruppe gehören, in diesem Jahr eine weitere Sensation gelungen, die absolut dünnste Octo Finissimo Ultra Armbanduhr mit einer Dicke von nur 1,8 Millimetern. Doch die Freude über den Rekord währte nicht lange, denn im Juli verkündete Richard Mille, eine Marke, die zuvor nicht mit besonders dünnen Uhren aufgefallen war, dass sie mit 1,75 Millimetern die dünnste Uhr gebaut habe.

Bemerkenswert ist das Modell Ferrari RM-UP01, dessen Form ein wenig an einen Zug erinnert. Es hat eine herkömmliche Struktur. Das bedeutet, dass Gehäuse und Uhrwerk trennbare Einheiten sind. Das Uhrwerk ist daher nur 1,18 Millimeter dick und wird oben und unten vollständig vom Gehäuse umschlossen. Für den Bau engagierte Richard Mille die Uhrwerkspezialisten von Audemars Piguet, dem ehemaligen Designbüro von Renaud & Papi in Le Locle.

Seitenansicht des RM UP-01 A. (Bild: PD)

An die Grenzen des Machbaren stoßen

Wie die immer kleiner werdenden Abstände von 2 Millimeter auf 1,8 Millimeter und 1,75 Millimeter zeigen, wird die Luft immer dünner. Auf dieser Ebene ist schnell eine körperliche Grenze erreicht, die irgendwann nicht mehr zu überwinden ist, wenn die Bewegung funktionieren soll. Was diese Zahlen darstellen, kann durch Vergleichen der Dicke der Münzen veranschaulicht werden. Ein Zweifranken ist 2,15 Millimeter dick, ein Franken 1,55 Millimeter. Wenn man sich vorstellt, dass rund 200 bewegliche Bauteile im Inneren einer solchen Münze untergebracht werden müssen, hat man eine ungefähre Vorstellung von den Herausforderungen, vor denen die Konstrukteure dieser technischen Wunderwerke stehen.

Etwas auf einem Computerbildschirm zu erstellen und es dann herunterzuskalieren, ist nicht so schwer. In der Praxis sieht das aber ganz anders aus, denn in einem Uhrwerk bewegen sich die Zahnräder auf unterschiedlichen Ebenen und müssen beidseitig abgestützt werden. Der Auspuff benötigt zusammen mit dem Schwungrad einen gewissen Platz, da er ebenfalls mehrere Ebenen hat, und auch das Hauptfederhaus benötigt ein gewisses Volumen, um Energie speichern zu können.

Auch bei einer normalen Uhr liegen die Zeiger übereinander und brauchen etwas „Luft“, um sich nicht zu berühren. Schließlich muss das Gehäuse das Uhrwerk schützen und darf sich nicht bei der geringsten Spannung verdrehen, denn jede Verformung würde das Uhrwerk sofort stoppen und möglicherweise irreparable Schäden verursachen. Eine der kompliziertesten Aufgaben ist wohl die Verbindung des Gehäuses mit dem Saphirglas, das bei Richard Mille nur 0,2 bis 0,45 Millimeter dick ist. Während Scheibenuhren von Piaget und Bulgari ziemlich große Fenster haben, entschied sich Richard Mille für zwei kleine Gucklöcher für Zifferblatt und Schwungrad, um die Stabilität zu verbessern. Schließlich muss die Uhr bis zu 10 Meter wasserdicht sein und Stöße von bis zu 5000G aushalten.

Schlankheit hat ihren Preis

In der Uhrmacherei zählen extraflache Uhren zu den Komplikationen. Sie werden in Kleinstmengen von Hand gefertigt und sind daher teuer. Während die Piaget Altiplano Ultimate Concept und die Bulgari Octo Finissimo Ultra knapp eine halbe Million kosten, kostet die Richard-Mille-Platte rund 1,7 Millionen.

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