Künstlerischer Leiter Vahid Khadem-Missagh leitete die Academia Allegro Vivo mit Charisma und trat auch als Violinsolist mit dem Komponisten Daniel Schnyder (Saxophon) in der Uraufführung des Konzerts für Violine, Tenorsaxophon und Streichorchester von Schneider auf.
„Daniel Schnyder ist jemand, der zwischen den Welten wandelt. Ich hatte das Bedürfnis, ihn zu beauftragen, weil er musikalisch ein neues Licht auf die Welt bringt. Diese Kombination aus Streichorchester, Violine und Saxophon-Solo hat es so noch nie gegeben“, freut sich der Festivalleiter nach der umjubelten Premiere.
„Ich habe den Mittelsatz während des Ukrainekrieges geschrieben und nenne ihn auch ‚Prayer for Peace’ und hat daher, wenn auch etwas versteckt, einen evangelischen Charakter. Es ist ein musikalisches Gebet für das Ende des Krieges. Es ist einfach passiert, während ich komponiert habe, es war kein Plan. Die Ereignisse der Zeit fließen einfach. Ich bin Schweizer, lebe in New York und gebe viele Konzerte im Nahen Osten. Deshalb habe ich auch Musik aus Jordanien und dem Libanon verarbeitet. Das ist im ersten Satz deutlich zu hören“, erläutert Daniel Schnyder Teile dieses Werkes.
Khadem-Missagh: Es braucht einen neuen Impuls
„Momentum“ ist das Motto des diesjährigen Festivals, das den Moment als kraftvolles Ventil versteht, aber auch als Chance, innezuhalten und neue Perspektiven zu gewinnen. „Wir leben in wirklich schwierigen Zeiten. Die Welt verändert sich. In diesen Zeiten brauchen wir neue Perspektiven. Und dafür brauchen wir einen neuen Schwung, einen neuen Impuls. Wir müssen die Dinge aus neuen Perspektiven betrachten und neue Lösungen finden“, sagte Einstein : Die Probleme, die sie haben, können nicht mit der gleichen Perspektive gelöst werden, die sie geschaffen hat“, sagte Vahid Khadem-Missagh gegenüber noe.ORF.at.
Manchmal reicht es, sich an alte Perspektiven zu erinnern. Am Festival nehmen mehrere ukrainische und russische Musiker teil. Insbesondere Kunst und Kultur werden seit jeher als Hort der Völkerverständigung und des friedlichen Miteinanders beschworen. Heute ist es oft so weit weg, dass man sich daran erinnern muss. Dessen ist sich Allegro Vivo jedenfalls sehr bewusst und lebt diese Idee von Anfang an.
Ein musikalisches Zeichen der Lebensfreude
Das Konzert begann mit Mozarts heiterem Divertimento in D-Dur KV 136, ein schönes Zeichen von Lebensfreude und Leichtigkeit, Begriffe, die heute fast schon etwas Utopisches haben. Also das viersätzige Werk von Daniel Schnyder. Das Orchester mutierte zu einer Bigband, besonders bemerkenswert, da es nur Streicher gab. Der erste Satz ist sehr dynamisch, harmonisch fein strukturiert und rhythmisch pulsierend, gefolgt von einem Abschnitt mit schwungvollen Melodielinien, der in einem melancholischen Latin-Teil mit einem Hauch von Funk-Passagen gipfelt.
Den Abschluss bildete Dmitri Schostakowitschs elegische Kammersymphonie op.110a, komponiert als Mahnmal gegen die Schrecken des Krieges und für die Opfer des Faschismus. Ein de facto selbsterklärendes Werk, basierend auf dem achten Streichquartett, Musik der Trauer um die erlittene Gewalt, langsames Sterben am Ende des letzten Satzes, Sterben – und hier ist es wieder, der Moment, in diesem Fall die Sekunden. der Stille, die folgt, der magische Moment der Resonanz, des Verstehens, bevor der Applaus beginnt. Musik kann viel zur Klarheit und Erleuchtung beitragen.
“Musik und Wort” in der Bulk-Box
Die nächste Festveranstaltung am Dienstag bringt „Musik und Wort“ auf Schloss Harmannsdorf, Mozarts Kammermusik erklingt und Elisabeth Eschwé rezitiert Texte aus den Quellen der Hochreligionen. Am selben Abend wurden die Teilnehmer der Meisterkurse (für die mehr als 500 Anmeldungen eingingen) zur Mondscheinserenade am Horner Stadtsee eingeladen.
Am 10. August stehen in der Bibliothek Altenburg Werke von Brahms, Prokofjew und Schumann auf dem Programm, unter anderem spielt Elisabeth Leonskaja. Bis zum 18. September werden insgesamt 50 Konzerte an 25 Orten im Waldviertel angeboten.