Gas-Notfallplan in der EU vorgestellt, um 15 Prozent Gas einzusparen

Stand: 20.07.2022 14:12

Die EU-Kommission hält Russlands Abschaltung der Gasversorgung für „realistisch“. Allerdings könnte die EU sicher überwintern, wenn alle Mitgliedsländer 15 Prozent beim Gas sparen. Notfalls will die Kommission Einsparungen erzwingen.

Für den Gasnotfall hat die EU-Kommission eine Reduzierung des Gasverbrauchs in den EU-Mitgliedsstaaten um 15 Prozent vorgeschlagen. Sie sollte zunächst auf freiwilliger Basis erfolgen, könnte aber auch verpflichtend werden. Im Ernstfall fordert die Kommission Sonderbefugnisse, um noch drastischere Maßnahmen in Europa durchzusetzen.

Laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht der Plan einen zweistufigen Prozess vor: Zunächst müssen die Mitgliedstaaten zwischen dem 1. August 2022 und dem 31. März 2023 Einsparungen beim Gasverbrauch von öffentlicher Hand, Unternehmen und Verbrauchern erreichen. . Beispielsweise könnten Heizungen abgewürgt und die Betriebszeiten von Atomkraftwerken verlängert werden.

Die Europäische Kommission sieht Sparmaßnahmen als Notfallplan für die Gaskrise vor

Markus Preiß, ARD Brüssel, Tagesschau um 14 Uhr, 20. Juli 2022

“EU-Alarm” als neues Notfalltool

Reicht das nicht aus, will die Kommission mit einem neuen „Notfallinstrument“ handeln und zum „EU-Alarm“ aufrufen. Die Versorgung von Privathaushalten und besonders schutzbedürftigen Einrichtungen wie Krankenhäusern muss gewährleistet sein. Für dieses „Notfallinstrument“ sollten sich die Mitgliedstaaten jedoch auf eine neue Rechtsgrundlage einigen.

Von der Leyen begründete die Pläne: „Wir müssen uns auf einen möglichen Totalausfall der russischen Gasversorgung einstellen.“ Dies ist ein wahrscheinliches Szenario.

Warnung, gemeinsam zu handeln

In der Vergangenheit war zu beobachten, dass Russland versucht, Druck auf die EU auszuüben, indem es seine Gaslieferungen reduziert. Ein kompletter Lieferstopp würde laut von der Leyen alle EU-Staaten hart treffen. Gleichzeitig betonte er, dass die EU die Schwierigkeiten überwinden könne, wenn sie geschlossen handle.

Er betonte, dass Solidarität notwendig sei. Sie hofft, dass die EU-Mitgliedstaaten bereit sind, sich gegenseitig zu helfen.

Die Kommission kann den Gasnotfallplan nicht eigenständig beschließen, sondern nur den Mitgliedstaaten vorschlagen. Sie müssen mit qualifizierter Mehrheit abstimmen. 15 der 27 Staaten, die mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren, müssen dafür stimmen. Der Vorschlag wird am kommenden Dienstag bei einem außerordentlichen Europäischen Ministerrat diskutiert.

Gaslieferung nach Deutschland bei 26 Prozent

Nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ist der Anteil der russischen Gaslieferungen nach Deutschland, der zuvor durchschnittlich bei 55 % lag, Ende Juni 2022 laut „Drittem Fortschrittsbericht Energiesicherheit“ auf 26 % gesunken. Grund für den Rückgang sind auch die erstickten Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 in der Ostsee.

Das Ministerium hofft, dass zusammen mit den “kurzfristigen Bemühungen” von Unternehmen und privaten Haushalten, den Gasverbrauch durch Energieeffizienz, Energieeinsparung und Elektrifizierung zu reduzieren, der Anteil der Gasversorgung am russischen Gasverbrauch bis Ende 2018 um etwa 30 Prozent gesenkt werden könnte 2022.

Gas-Notfallplan: Brüssel will notfalls Einsparziele setzen

Jakob Mayr, ARD Brüssel, 20.7.2022 13.14 Uhr

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