Der Schweiz droht Stromkrise: Martullo-Blocher will Stauseen füllen

Die Chefin der Ems-Chemie, Magdalena Martullo-Blocher (52), warnt vor einem Stromausfall

„Die Bundesregierung muss die Befüllung der Stauseen anordnen“

Magdalena Martullo-Blocher befürchtet, dass im nächsten Winter in der Schweiz die Lichter ausgehen. Der Chef der Ems-Chemie fordert von der Bundesregierung sofortige drastische Maßnahmen.

Veröffentlichung: 10:43 Uhr

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Aktualisiert: 10:52 Uhr

Magdalena Martullo-Blocher (52) muss sich keine Sorgen machen, zumindest wenn sie sich die Halbjahreszahlen ihres Unternehmens Ems-Chemie anschaut. Trotz Ukrainekrieg und Lieferkettenproblemen stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent auf 1,35 Milliarden Franken. Der Emschef machte einen Gewinn von 324 Millionen Franken.

Der Arbeitgeber macht sich Sorgen um einen anderen Grund. «Gut möglich, dass die Schweiz im nächsten Winter zu wenig Gas und womöglich zu wenig Strom hat», sagt er gegenüber BLICK in der Zentrale Domat/Ems GR.

Martullo-Blocher schlägt auf der Pressekonferenz Alarm. Die Schweiz ist bei Gas und Strom von der EU abhängig. Wenn Gasspeicher in der EU nicht ersetzt werden können, drohen Engpässe. Und das scheint zunehmend realistisch. Russland versorgt Europa nur noch mit einem Drittel der ursprünglichen Gasmengen. „Wenn es in EU-Staaten zu Gasknappheit kommt, ist es fraglich, ob sie ihre Lieferverträge mit der Schweiz weiter erfüllen“, zweifelt Martullo-Blocher.

„Strommangel wäre das größte Problem“

Dies hätte keine direkten Auswirkungen auf die Ems-Chemie. „Europäische Werke produzieren komplett ohne Gas, in der Schweiz haben wir Gas durch Restholzbiomasse ersetzt“, betont er. Und viele andere Industrieunternehmen könnten relativ problemlos auf andere Energieträger umsteigen. Was Martullo-Blocher am meisten Sorgen macht: «Ein Energiemangel wäre ein viel grösseres Problem für die Schweiz.»

Während der Wintermonate muss die Schweiz 25 Prozent ihres Strombedarfs aus dem Ausland importieren. «Wenn dieser Strom ausfällt, wird vieles in der Schweiz stillstehen», sagt Martullo-Blocher. Wichtige Infrastrukturen wie Lebensmittelkühlräume, Trinkwasser- und Kanalnetze oder Industrieanlagen erhalten weniger Strom. „Die Bundesregierung hat hier bislang keine Schwerpunkte gesetzt.“

Auch Martullo-Blocher fordert eine Sonderregelung für die chemische Industrie. „Wenn es bei der Ems-Chemie zu plötzlichen Stromausfällen kommt, sind Mensch und Umwelt gefährdet.“

Elektrizitätsunternehmen sind dazu verdammt, die Reservoirs zu füllen

Der Unternehmer sitzt in der SVP im Nationalrat und zieht gegen die Regierung vor Gericht: «Der Bund muss den Elektrizitätswerken endlich befehlen, die Stauseen zu füllen. Seen sind unsere einzige Stromquelle.“ Es ist unwahrscheinlich, dass Elektrounternehmen mit dieser Anforderung zufrieden sind. Der hohe Strompreis lässt ihre Kassen klingen.

Auch sonst sieht der Ems-Chemie-Chef die Bundesregierung in der Verantwortung. „Prioritäten müssen definiert werden. Wenn sich die Dinge ändern, sollte ein konkreter Sparplan auf den Tisch gelegt werden. Zum Beispiel eine Einschränkung, welche Räume im Haus im nächsten Winter noch beheizt werden dürfen.“

Das wäre natürlich ein gewaltiger Eingriff. Die Energiestrategie 2050 sei bereits komplett gescheitert, kritisiert Martullo-Blocher: „Hier sehen wir die Folgen.“

Martullo-Blocher über den Krieg in der Ukraine

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