Seit Ende März gilt in Österreich die Frühwarnstufe des dreistufigen Gas-Notfallplans, und angesichts zuletzt gesunkener Liefermengen aus Russland ruft Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) zu einem Krisengipfel auf . heute. Gewessler bezeichnete die Lage kürzlich als “ernst”. Ist das Einlagerungsziel gefährdet, rufen Österreich und Deutschland die Alarmstufe aus.
Gewessler beriet sich am Montag mit Unternehmensvertretern und Wirtschaftsminister Martin Kocher (VP); Berichten zufolge wird Bundeskanzler Karl Nehammer (VP) beim heutigen Gipfel nicht anwesend sein. Eine Lösung ist unwahrscheinlich. Die Gasspeicher in Österreich sind derzeit zu 46 Prozent gefüllt, die der OMV zu 71 Prozent. Laut Austrian Gas Grid Management ist die Versorgungslage für Endkunden derzeit gesichert. In den vergangenen Tagen flossen teilweise weniger als 100 Gigawattstunden (GWh) pro Tag in Speicher, nachdem die Tagesmengen im Juni meist über 300 GWh lagen. Am Samstag lag die Rate jedoch wieder bei rund 355 GWh, wobei das Niveau in der vergangenen Woche nur um rund 1,1 Prozent gestiegen ist.
Gasausbaugesetz in Kraft seit 1. Juli
Die Regierung strebt eine Befüllung von 80 Prozent der Speicherkapazität während der Heizperiode an. Dafür werden 368 GWh pro Tag benötigt. Neu ist das Gasausbaugesetz: Unternehmen, die Gas aus nichtrussischen Quellen nach Österreich bringen und dort nutzen, erhalten einen Teil der Mehrkosten erstattet.
Bei den Liefermengen aus Russland bewertete OMV die Lage zu Wochenbeginn als stabil. Die Auslieferungen gingen Mitte Juni zunächst um 30 Prozent zurück und stiegen dann um 50 Prozent. Laut einem Sprecher der OMV können Verluste derzeit durch Käufe am Spotmarkt ausgeglichen werden. Allerdings zeigt die Preisentwicklung seit Beginn der Krise in der Ukraine, dass dies eine teure Alternative ist: Der Preis für eine Megawattstunde (MWh) liegt derzeit bei etwa 152 Euro, macht im Jahr knapp 36 Euro.