Verbesserungsmarsch bei der Pneumokokken-Impfung für Risikogruppen


Menschen mit chronischen Erkrankungen werden noch zu selten geimpft

Ein schlecht kontrollierter Blutzucker erhöht die Komplikationen einer Pneumokokkeninfektion weiter. Daher sollten auch Diabetiker zur Stärkung des Immunsystems auf eine gute Blutzuckereinstellung achten und sich unter anderem gegen Pneumokokken impfen lassen!

rechts Michael Meilinger von der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie des Klinikums Floridsdorf

Wien (OTS)Insgesamt ist die Pneumokokken-Impfung, die vor bakteriellen Lungenentzündungen und invasiven Pneumokokken-Erkrankungen – wie Meningitis oder Sepsis (bakterielle „Blutvergiftung“) – in der Bevölkerung gut bekannt, jedoch führt dieses Wissen nicht immer zu ihrer Umsetzung. Das gilt auch für chronisch Kranke, wie eine Umfrage im Auftrag des Österreichischen Verbandes der Impfstoffhersteller (ÖVIH) zeigt. Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes haben ein höheres Risiko, eine Lungenentzündung zu entwickeln und ihre Grunderkrankung zu verschlimmern. Viele von ihnen sind jedoch nicht gegen Pneumokokken geimpft.

Vier von zehn Österreichern haben nach eigenen Angaben ein chronisches Gesundheitsproblem.[1] Dazu gehören viele Menschen mit chronischen Lungen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Diese drei Gruppen gelten zusammen mit anderen, etwa unter immunsuppressiver Therapie, als Risikogruppen für Infektionskrankheiten wie Pneumokokken-Pneumonie. Das Wort ist nicht bei allen Betroffenen angekommen. In einer aktuellen Umfrage im Auftrag des ÖVIH gaben nur 22 Prozent der Personen, die sich als chronisch krank bezeichnen, an, in den letzten fünf Jahren gegen Pneumokokken geimpft worden zu sein. Immerhin 33 % seien „irgendwann“ gegen Pneumokokken geimpft worden.[2]

Chronische Lungenerkrankungen erhöhen das Lungenentzündungsrisiko

Etwa 800.000 Österreicher[3] leidet an COPD*, einer chronischen Erkrankung, bei der die Lunge geschädigt und die Atemwege verengt sind. Daher haben Menschen mit COPD ein achtmal höheres Risiko, eine Pneumokokken-Pneumonie zu entwickeln.[4] „Dass diese Menschen auch bei einer bakteriellen Lungenentzündung und einer Verschlechterung der COPD ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf haben, ist klar“, sagt Dr. Michael Meilinger von der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie des Klinikums Floridsdorf. Gleiches gilt für Menschen mit Asthma, von denen etwa sechs Prozent der Bevölkerung betroffen sind.[5] Daher wird diese Personengruppe im österreichischen Impfplan auch ausdrücklich als Risikogruppe aufgeführt. Impfungen werden ihnen ausdrücklich empfohlen.

Krankenhausaufenthalt verhindern

Ebenso für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Patienten mit chronischen Herzerkrankungen entwickeln bis zu 3,3-mal häufiger eine ambulant erworbene Pneumonie und bis zu 9,9-mal häufiger eine invasive Pneumokokken-Erkrankung als gesunde Personen.[6] Damit nicht genug: Die Wahrscheinlichkeit, mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus zu müssen, ist bei dieser Patientengruppe fast doppelt so hoch wie bei Patienten ohne Herzprobleme.[7] „Deshalb gibt es sehr gute Gründe, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen“, betont Meilinger und fordert die Betroffenen auf, mit ihrem Hausarzt über eine Impfung zu sprechen. Schließlich gelten diese immer noch als die wichtigste Informationsquelle.2

Verhindern Sie Diabetes-Komplikationen

Jeder zehnte Erwachsene in Österreich ist von Diabetes betroffen.[8] Erfreulicherweise konnten in den letzten Jahren in diesem Bereich bereits viele Erfolge gefeiert werden. Infektionskrankheiten wie die Pneumokokken-Erkrankung bleiben jedoch ein Problem. Der einzige Schutz ist die vorbeugende Impfung. Daher listet die US CDC eine Reihe von Gründen auf, warum Menschen mit Diabetes die Pneumokokken-Impfung erhalten sollten. Es besagt, dass selbst Menschen mit gut eingestelltem Diabetes weniger in der Lage sind, Infektionen abzuwehren, was das Risiko schwerer Komplikationen und sogar des Todes erhöht. Außerdem kann die Krankheit laut CDC den Blutzuckerspiegel auf gefährliche Werte ansteigen lassen.[9] Meilinger ergänzt: „Ein schlecht eingestellter Blutzucker verstärkt Komplikationen durch eine Pneumokokken-Infektion zusätzlich. Daher sollten auch Menschen mit Diabetes zur Stärkung ihres Immunsystems auf eine gute Blutzuckereinstellung achten und sich impfen lassen – unter anderem gegen Pneumokokken!“

Außerdem gibt es eine allgemeine Empfehlung zur Pneumokokken-Impfung, unabhängig von Vorerkrankungen, für alle Menschen über 60 und für Kinder. Für letztere ist die Impfung im Rahmen des Kinderimpfprogramms kostenlos erhältlich.

Neben all den genannten Faktoren gibt es noch einen weiteren guten Grund, sich dieses Jahr impfen zu lassen. In Österreich sind neuerdings potentere, dh stärkere und wirksamere Konjugatimpfstoffe erhältlich. Dies ermöglicht einen langanhaltenden Schutz gegen noch mehr Pneumokokken-Serotypen als bisher.

*Chronisch obstruktive Lungenerkrankung

[1] zuletzt abgerufen am 23. November 2022.

[2] INTEGRAL, ÖVIH – Impfverhalten in Österreich – Welle 3, Studie 7166, Juni-Juli 2022.

[3] zuletzt abgerufen am 23. November 2022.

[4] Sethi S, Murphy TF. Infektion in der Pathogenese und Verlauf der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. N Engl J Med 2008; 359:2355–65.

[5] zuletzt abgerufen am 23. November 2022.

[6]Torres Antoni, et.al., Welche Personen haben ein höheres Risiko für eine Pneumokokken-Erkrankung und warum? Auswirkungen von COPD, Asthma, Rauchen, Diabetes und/oder chronischer Herzerkrankung auf ambulant erworbene Lungenentzündung und invasive Pneumokokken-Erkrankung, Thorax, 2015; 70:984–989.

[7] Mor A, Thomsen RW, Ulrichsen SP, et al., Chronische Herzinsuffizienz und das Risiko eines Krankenhausaufenthalts bei Lungenentzündung: eine bevölkerungsbezogene Studie. Eur J Intern Med 2013;24:349–53.

[8] letzter Zugriff am 23.11.2022

[9] letzter Zugriff am 23.11.2022

Fragen und Kontakt:

Für den Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller FINE FACTS Health Communication GmbH Mag.a Uta Müller-Carstanjen E: mueller-carstanjen@finefacts.at M: +436645153040

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *