“Irgendwann spielt der Körper nicht mehr mit”: Bahnpersonal regt sich auf

Veröffentlicht am 11. November 2022, 20:56

Unzählige Überstunden: „Irgendwann spielt der Körper nicht mehr mit“ – Bahnpersonal rebelliert

Hunderte Überstunden, kaum Freizeit und keine Aussicht auf Besserung: Bahnpersonal ist nervös und fühlt sich im Stich gelassen. Die SBB sind anderer Meinung.

1/5

Das Zugpersonal schlägt Alarm: Die Überstundenkonten sind voll und sie stehen unter enormem Zeitdruck.

20 Minuten/Simon Glauser

„Wir sind in einem Sicherheitsberuf: Der Körper kooperiert bei der Arbeit in der Frühschicht nicht und muss sieben Tage lang um 12.30 Uhr aufstehen“, kritisiert der Zentralvorsitzende der Lokomotivgewerkschaft.

20min/Matthias Spicher

Viele krankheitsbedingte Ausfälle führten auch bei der Schweizerischen Ostbahn-Gesellschaft zu einer angespannten Personalsituation, die sich mittlerweile beruhigt hat.

20min/Michael Scherrer

Das ist es, worum es geht

  • Das Bahnpersonal ist sehr beschäftigt.

  • Die Lokomotivgewerkschaft klagte über zahlreiche Punkte, konnte aber nicht streiken.

  • Die Bahngesellschaften beruhigen sich und sagen, es gebe genügend Personal – die Lage werde sich bald bessern.

Das ist passiert

Das Bahnpersonal brodelt. Schlechte Personalplanung, unzählige Überstunden und extremer Druck, den Zeitplan einzuhalten, haben die Teams stark belastet. Das Bahnpersonal fordert die SBB und weitere Arbeitgeber zum Handeln auf. Ein anonymer Leser schickte diese Woche der Redaktion von 20 Minuten ein Video, in dem sich die Bahngesellschaft Thurbo in der Ostschweiz zur angespannten Personalsituation äussern sollte.

Das Personal ist so schlecht

Auch Hanny Weissmüller, Zentralvorsitzende der Gewerkschaft Lokomotiven, warnt: „Die Belegschaft ist am Limit, viele Mitarbeiter haben hunderte Überstunden angehäuft, ich selbst habe mehr als 300. Das können wir nicht abbauen, deswegen verlieren wir Taufen oder Hochzeiten.“ . , zum Beispiel.” Weissmüller erhält täglich Anfragen, ob er eingreifen kann.

Bei einer normalen Rotation arbeitet man sechs Tage und hat dann zwei Tage frei; Wenn Sie einen Tag füllen, arbeiten Sie sieben Tage hintereinander. Die SBB macht Druck: Kommt der Mitarbeiter nicht, fallen die Züge aus. „Wir sind in einem Sicherheitsberuf: Der Körper spielt nicht mit, wenn man in der Frühschicht arbeitet und sieben Tage lang um 12:30 Uhr aufstehen muss“, kritisiert Weissmüller. Auch das Familienleben leidet enorm.

Die Belegschaft hat gekämpft, aber der Tarifvertrag erlaubt keinen Streik. „Wir haben neulich an einer Delegiertenversammlung mit einem Banner und nun in einem Video bei der SBB auf das Thema aufmerksam gemacht. Wir versuchen alles.”

Hubert Giger, Obmann des VSLF-Motorfahrerverbandes, sagt: «Seit Jahren fordern wir, dass Bahnunternehmen bei kurzfristigem Personalmangel Lokteams austauschen können. Dies wird aber nicht umgesetzt.»

Das sagt Thurbo

Thurbo bestätigt das Video: Es wurde Mitte September ins Intranet gestellt. Vor allem in den Monaten April, Mai, Juli und August war die Belegschaft durch viele Ausfälle am Limit. Daher kam es vereinzelt zu Zugausfällen. Jetzt hat sich die Lage wieder beruhigt.

Das sagt die SBB

Der Mangel an Maschinisten in den letzten Jahren hat zu einer zusätzlichen Belastung geführt. Die SBB bedankt sich bei den Mitarbeitenden für ihren Einsatz. Inzwischen hat sich die Einstellungsoffensive ausgezahlt: Der Personalbestand dürfte sich stabilisiert haben. Weitere Lokführer würden in den kommenden Monaten ihre Ausbildung abschließen. Überstunden könnten dann abgebaut werden.

Es gibt saisonale und regionale Unterschiede, die sich negativ auf die Tourberichterstattung auswirken können. In den Monaten April bis Oktober haben die SBB einen erhöhten Bedarf an Autofahrern. Aufgrund der überdurchschnittlichen Fehlzeiten in Genf haben sie auch die Situation, dass die Lokführer aus Lausanne in Genf helfen. Der Vorschlag, das Personal auszutauschen, ist nur bedingt sinnvoll, da andere Eisenbahnunternehmen teilweise andere Fahrzeuge einsetzen und auf anderen Strecken fahren.

Gibt es mehr Zugausfälle?

Die SBB bestreitet dies, doch scheint die Personalfrage nicht vollständig gelöst zu sein. In derselben Woche fiel ein Zug wegen Personalmangels aus.

Ob der Betrieb aufrechterhalten werden kann, hängt davon ab, wie lange das Personal unter diesen Umständen weiterarbeiten kann, ob weitere größere Ausfälle bevorstehen und wie schnell mehr Personal ausgebildet und eingestellt werden kann.

300 Überstunden, ist das legal?

Rechtsanwalt Nicolas Facincani erklärt, dass Überstunden geleistet werden müssen, wenn es betrieblich notwendig ist, wenn die Mitarbeiter dazu in der Lage sind und wenn es nach Treu und Glauben zumutbar ist. Daher muss dies im Einzelfall beurteilt werden. Überstunden sind in der Regel innerhalb von 14 Wochen abzubauen, sofern vertraglich nichts anderes vereinbart ist. Das Bundesgericht hat laut Facincani nicht geklärt, ob die Frist zum Abbau von Überstunden auf unbestimmte Zeit vereinbart werden kann.

Verpassen Sie keine Neuigkeiten mehr

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News mehr zum aktuellen Weltgeschehen. Holen Sie sich jeden Tag das Wichtigste kurz und prägnant direkt in Ihr Postfach.

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *