So werden sich die Löhne in den 22 Sektoren im nächsten Jahr verändern.
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Die Inflation macht vielen Menschen Sorgen. Jetzt erhöhen die Industrien die Löhne. Die Uhrenindustrie boomt um 3 Prozent.
Martin Schmidt und Sarah Frattaroli
Die Löhne in der Schweiz steigen so schnell wie seit fast 15 Jahren nicht mehr. Schweizer Arbeitnehmer können im Jahr 2023 mit einer durchschnittlichen Lohnsteigerung von 2,2 Prozent rechnen, wie die führende Gehaltsumfrage von UBS zeigt. «Aber 2.2 dürfte Mitarbeitern kaum Freude bereiten», sagt UBS-Ökonom Florian Germanier (28).
Schuld ist die hohe Inflation. Die Schweizerische Nationalbank prognostiziert für dieses Jahr eine Inflation von 3%. „Für 2022 rechnen wir derzeit mit einem Rückgang der Reallöhne um 1,8 Prozent. Das ist der größte Verdienstausfall seit 1942.“
Auch die Reallöhne dürften im nächsten Jahr stagnieren, da die Inflationsrate voraussichtlich deutlich über 2 Prozent bleiben wird. UBS geht daher davon aus, dass der diesjährige Lohnausfall nicht kompensiert wird. „Vor diesem Hintergrund überrascht eine Lohnerhöhung von nur 2,2 Prozent“, sagt Germanier.
Gastronomie und Beherbergung mit deutlicher Lohnerhöhung
Für ihre Gehaltsumfrage hat UBS 290 Unternehmen aus 22 Branchen befragt. Da mehr als 90 Prozent der Arbeitnehmer dort arbeiten, gibt die Umfrage einen detaillierten Überblick über die Situation im Land.
Dies zeigt, dass die Löhne in einigen Branchen deutlich stärker steigen. Die größten Gewinner sind Arbeitnehmer in der Uhren- und Schmuckindustrie, im Großhandel und in der IT-Branche. Für sie sind es durchschnittlich 3 Prozent mehr. In der Uhrenindustrie steigen die niedrigsten Löhne derzeit zwischen 3,6 und 6,1 Prozent. «Wir haben sogar bei den niedrigsten Löhnen eine Reallohnerhöhung», sagt Christian Capacoel, Mediensprecher der Gewerkschaft Unia.
Aber auch in Niedriglohnjobs in der Tourismusbranche steigen die Löhne deutlich. Beschäftigte im Gastgewerbe und in der Gastronomie erhalten zusätzlich 3 Prozent. „Der Personalmangel hat dort einen überdurchschnittlichen Zuwachs ermöglicht“, sagt Germanier.
„Flecken“ im Gastgewerbe
Aus Sicht der Unia haben die neu ausgehandelten Löhne im Gastgewerbe allerdings einen «Schönheitsfehler»: «Die obersten Lohnklassen bekommen mehr als die Inflation, die untersten Lohnklassen, die mehr davon abhängen, bekommen weniger», sagt er. Capacoel, Sprecher von Unia.
Besonders stark steigen auch die Löhne für Reinigungskräfte in der Deutschschweiz. Von 2022 bis 2024 bekommt man jedes Jahr 3 Prozent mehr. „Gastgewerbe und Reinigung sind keine margenstarken Branchen, aber auch hier kann man mehr reinpacken als Lohninflation“, sagt Capacoel. In einigen Branchen wie dem Baugewerbe oder dem Einzelhandel laufen die Verhandlungen noch.
Der allgegenwärtige Fachkräftemangel hat sich positiv auf die Beschäftigten ausgewirkt. Im vergangenen Jahr gaben rund 66 Prozent der Unternehmen an, dass sie Probleme hätten, offene Stellen zu besetzen. In diesem Jahr waren es bereits 80 Prozent. Nur 7 % der Unternehmen können offene Stellen fristgerecht besetzen.
Der Fachkräftemangel trifft Unternehmen immer stärker
Dass die Unternehmen die Löhne nicht flächendeckend erhöhen, führt die UBS auf die düsteren Wirtschaftsaussichten zurück. Sogar ein Drittel der Unternehmen rechnet mit einer Rezession: Ein Jahr zuvor waren es nur 3 %. Der Einfluss der Wirtschaftslage auf die Lohnsteigerungen sei nicht zu unterschätzen, so Germanier.
Auch der Schweizerische Wirtschaftsverband sieht «dunkle Wolken» am Wirtschaftshimmel, wie Mediensprecher Andy Müller sagt: «Die Gewerkschaften hatten von Anfang an übertriebene Erwartungen. In der Industrie geht die Auftragslage zurück und sie kaufen jetzt weniger Material ein.» Energieknappheit, Lieferkettenprobleme und eine Konjunkturabschwächung in ganz Europa würden die Situation noch verschlimmern: „Es ist der falsche Zeitpunkt, um Lohnerhöhungen mit einer großen Palette durchzusetzen“, betont Müller.
Die Lohnrunde ist auch ein entscheidender Faktor für die Inflationsentwicklung in der Schweiz im nächsten Jahr. «Die Inflation wird derzeit hauptsächlich von den Energiepreisen getrieben. Je nach Lohnrunde könnten die Löhne zum Haupttreiber werden», sagt UBS-Ökonom Alessandro Bee (47). Laut UBS droht mit der Lohnerhöhung von 2,2 Prozent aber keine Lohn-Preis-Spirale.
Auswirkungen der hohen Inflation