Georg Stumpf, Hochhausbauer und millionenschwerer Investor [PORTRÄT]

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Der junge George Stumpf

Georg Stumpf wurde im September 1972 als dritter und jüngster Sohn des Wiener Baumeisters Georg Stumpf sen. geboren Sein Vater (1920 – 2004) hinterließ einige Baudenkmäler in Wien, wie das ORF-Zentrum am Wiener Küniglberg und die Wiener Stadthalle, beide nach Plänen des Architekten Roland Rainer erbaut.

© Zach News – Kiesling Roman

Der Erfolg des Sohnes stellt jedoch den des Vaters weit in den Schatten. Als der 19-jährige Sohn 1991 in das Bauunternehmen seines Vaters, Voitl & Co., einstieg, setzte das Unternehmen mit seinen 300 Mitarbeitern jährlich 500 Millionen Schilling – rund 36 Millionen Euro – um. Mit einem Vermögen von 5 Milliarden Euro liegt Georg Stumpf im aktuellen Trend auf Platz fünf. Ranking der 100 reichsten Österreicher.

In seiner Jugend war Georg Stumpf jun. ein erfolgreicher Golfer. Mit Handicap „0“ war er auf dem besten Weg zum Golfprofi. Er gewann mehrere Meistertitel in seiner Altersklasse, doch nach seinem Abschluss an der Hochbau-HTL war es mit seinen golferischen Ambitionen vorbei. „Damals habe ich noch Golf gespielt, das gibt es für mich nicht mehr, ich brauche keinen Arbeitsausgleich, meine Arbeit ist mein Hobby“, erklärte Stumpf einmal in einem Interview mit Trend.

Infolgedessen war Stumpf in seiner Arbeit so entschlossen wie in der Schule. Nach dem Abitur trat er in das väterliche Unternehmen ein und begann ein Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien. Dort schloss er sein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit einem Mag. rer. soc. oec. in nur zwei Jahren ab. Er begann sein Studium im Wintersemester 1991 und hatte bereits im Wintersemester 1993 seinen Abschluss gemacht. Zweimal beantragte Stumpf eine Verkürzung seines Studiums, die ihm beide Male gewährt wurde.

„Sport oder Hobbies spielten in seinem Leben keine Rolle mehr. Man braucht eine gewisse Kultur, aber die Arbeit ist wichtiger“, erklärte er im Trend.

Der Jahrtausendturm

1994, im Alter von 22 Jahren, begann er mit der Arbeit am Millennium Tower, einem Projekt, das ihn nicht nur berühmt, sondern bald zum jungen Millionär machen sollte. Ursprünglich wollte die OMV auf dem Grundstück am Handelskai 94-96, wo zuvor eine Teerfabrik und eine Färberei angesiedelt waren, eine Zentralverwaltung für 2.000 Mitarbeiter errichten. In einem verlustreichen Jahr war die OMV jedoch gezwungen, nicht wesentliche Projekte abzubrechen. Stumpf verhandelte mit den Bietern und erhielt den Zuschlag.

Der Millennium Tower in Wien

© Getty Images

Nach einer Bedarfsanalyse, Umwidmung und einem Beschluss des Stadtrates zur Wohnbauförderung im April 1997 erteilten die Rheinische Hypothekenbank und die Creditanstalt im Mai eine Baugenehmigung und eine Finanzierungszusage. Baubeginn war im Juli, 1999 wurde der Millennium Tower als damals höchstes Gebäude Österreichs fertiggestellt. In den nächsten zwei Jahren ließ Stumpf den Turm um das Einkaufszentrum Millennium City erweitern.

Im Juni 2003 verkaufte Stumpf den Turm und die Millennium City an die Hamburger Fondsgesellschaft MPC Capital und erhielt dafür 380 Millionen Euro. Nach Abzug der Baukosten von 145 Millionen Euro ergab sich ein Gewinn von 235 Millionen Euro. Stumpf selbst hatte nur eine Million Schilling – rund 72.000 Euro – investiert, die ihm sein Vater als Eigenmittel für das Projekt zur Verfügung gestellt hatte.

Kontroversen um den Millennium Tower

Der Millennium Tower ist nach dem später errichteten und 2014 eröffneten DC Tower 1 nach wie vor das zweithöchste Gebäude Österreichs. Der nach einem Entwurf der Architekten Gustav Peichl, Boris Podrecca und Rudolf Weber errichtete Turm prägt seit jeher die Wiener Skyline seit seiner Fertigstellung im Jahr 1999 in 202 Metern Höhe und ist weithin bekannt.

Der Millennium Tower prägt Tag und Nacht die Skyline Wiens. Tatsächlich sollte es mehr als 60 Meter tiefer sein.

© Markus Schieder

Allerdings zog Stumpf auch mit Tower heftige Kritik auf sich. Turm und Einkaufszentrum wurden deutlich höher und größer gebaut als ursprünglich vom Wiener Gemeinderat genehmigt: Der Turm war 202 Meter hoch statt maximal 140 Meter, und seine Bürofläche hätte nur 10.000 Quadratmeter statt 38.000 Quadratmeter betragen sollen Meter. Meter. Auch die Millennium City war deutlich größer als erwartet: Das Einkaufszentrum umfasst 15.000 Quadratmeter statt der ursprünglich genehmigten 10.000 Quadratmeter.

Stump hatte enorm “übertrieben”. Doch trotz der Proteste wurde das Gebäude später in seinen endgültigen Abmessungen genehmigt. Was – etwa bei der Bewilligung der Wohnbauprämie für den Bau des Turms in Höhe von 185 Millionen Schilling (rund 13,5 Millionen Euro) – für Gerüchte sorgte, dass die Familie Stumpf besonders seine Kontakte zu hohen SPÖ-Politikern schätzt. -Kanzler Franz Vranitzky. Später erklärte Stumpf jedoch auf die Frage nach der Größe des Grundstücks: „Ich wollte das Grundstück optimal nutzen.

Weitere Stumpfprojekte

Stumpf selbst stand jedenfalls über den Protesten. Und in den folgenden Jahren realisierte er eine Reihe weiterer Immobilienprojekte in ganz Europa. In einem Interview mit Trend aus dem Jahr 2006 erklärte er: „Der Millennium Tower war ein Projekt, das funktionierte und sehr profitabel war. Das ist das Wichtigste. Ich war damals 25 Jahre alt, jetzt habe ich viele Investitions- und Immobilienentwicklungsprojekte in ganz Europa durchgeführt und bin sehr froh, dass nicht darüber gesprochen wird.“

Stumpf beschränkte seine Aktivitäten jedoch nicht nur auf das Immobiliengeschäft, sondern machte sich später als Industrieinvestor einen Namen und wurde vor allem durch seine Investitionen in der Schweiz zum Multimillionär.

Zuvor musste Stumpf allerdings die erste geschäftliche Niederlage hinnehmen: Mit MCN (Millennium Communication Network) war der Auftragnehmer eine Zeit lang auch als Anbieter von Internet- und Telekommunikationsdiensten aktiv. Gegründet, um die 450 Wohnungen und diverse Büros im Turm zu versorgen, dachte man schnell an größere Dimensionen und wollte Gebäude in ganz Österreich mit Breitbandverkabelung ausstatten. Die Gesellschaft wurde jedoch nach heftigen Auseinandersetzungen mit anderen Marktteilnehmern und Vergleichsverfahren im Jahr 2002 wieder liquidiert.

Auch Stumpfs Plan, Autos über das Internet zu verkaufen, scheiterte.

Gemeinsam mit Investor Ronny Pecik beteiligte sich Stumpf auch an der 2009 in Konkurs gegangenen slowakischen Billigairline SkyEurope. Für das Investorenduo war das aber keine schlechte Sache, denn sie machen mit seinem erworbenen Aktienpaket eine gute Figur kostengünstig.

Stump, Kovats, Pecik und Oerlikon

Mit Mirko Kovats und Ronny Pecik als Geschäftspartnern war Georg Stumpf jedoch viel erfolgreicher. 2005 gewann sie den Übernahmekampf um den Schweizer Mischkonzern Unaxis, der später in Oerlikon umbenannt wurde.

Stumpf erklärte gegenüber Trend:

„Wir sind auf einen besonders interessanten Fall in der Schweizer Unaxis-Gruppe gestoßen. Unaxis war ein sehr gut finanziertes Unternehmen, das damals 700 Millionen Schweizer Franken auf seinem Bankkonto hatte und keine Schulden hatte. Der Marktwert betrug damals gerade mal 1,4 Milliarden Franken. Es konnte ausgerechnet werden, dass dieses Unternehmen nur für 700 Millionen Euro zu haben war. Zu den Tochtergesellschaften von Unaxis gehörten Perlen wie die Balzers AG, die weltweit führend in der Beschichtungstechnologie ist und mit siebzig Beschichtungszentren auch weltweit hervorragend aufgestellt ist. Ein Konkurrent würde viel, viel Zeit, Geld und Risiko brauchen, um diese Position zu erreichen. Ein weiteres Schmuckstück von Unaxis war die Contraves Space AG, die auf Jahre hinaus Aufträge im Bereich Raumfahrttechnologie hat.”

Bei Unaxis erwies sich Stumpf nicht nur als harter Kalkulator, sondern auch als kompromissloser neuer Eigentümer. Einen Tag, nachdem er und seine Partner die Macht im Schweizer Konzern übernommen hatten, wurden fast alle Bereichsleiter ersetzt, wichtige Führungskräfte entlassen und aufgefordert, ihre Jobs innerhalb von drei Stunden zu kündigen.

Georg Stumpf (links) mit seinem ehemaligen Geschäftspartner Ronny Pecik. Gemeinsam haben sie mit ihren Industriepartnern Milliarden verdient.

© Zach News – Kiesling Roman

Mit Kovtas, der Oerlikon verließ, folgte der Bruch. Gemeinsam mit Pecik gründete Stumpf die Industrieholding Victory und investierte weiter. 2006 übernahm Stumpf den Schweizer Konzern Saurer, einen Weltmarktführer für Textilmaschinen, der sechs Jahre später größtenteils an den chinesischen Jinsheng-Konzern verkauft wurde. 2007 erwarb sie 20,1 Prozent des Berner Telekommunikationskonzerns Ascom.

In nur drei Jahren steigerten Stumpf und Pecik den Umsatz von Oerlikon von 1,8 Milliarden Franken auf 5,63 Milliarden Franken und machten aus einem Verlust von 378 Millionen Franken einen Gewinn von 319 Millionen Franken. Trotz des Einbruchs im Zuge der weltweiten Finanzkrise stieg der Aktienkurs insgesamt um rund 250 Prozent.

Stumpf und Pecik verbrannten sich jedoch die Finger, als sie den russischen Oligarchen Viktor Feliksovich Vekselberg ins Boot holten und ihm rund 14 % ihrer 48 %-Beteiligung an Oerlikon zu äußerst günstigen Konditionen unter dem Marktwert überließen. Am Ende führte die russische Verbindung die Österreicher in einen erbitterten Kampf um die Kontrolle über die Oerlikon-Gruppe, die sie verloren. Im Juni 2008 wurde Viktor Vekselbergs Renova Industries Ltd. hält 39,5 Prozent an Oerlikon, während die Wiener Victory AG nur 13,5 Prozent hält. Georg Stumpf musste als Oerlikon-Chef zurücktreten.

Endeffekt…

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