Das Paranal-Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) in der Atacama-Wüste in Chile ist eines der leistungsstärksten Spiegelteleskope der Welt. (Fotoallianz / dpa / Gabriel Brammer)
Atacama-Wüste im Norden Chiles. Kein Baum, kein Busch, Staub und Schutt soweit das Auge reicht: Aus der schier endlosen Einöde ragt ein Berg mit sanften Flanken: Cerro Paranal.
„Der erste Eindruck, den man von hier aus auf den Berg bekommt, ist, dass man diese vier Kuppeln sieht. Es gibt keine Kuppeln mehr, da oben stehen vier Quasi-Skulpturen. Im Moment blicken sie alle in unterschiedliche Richtungen“, sagt Bruno Leibundgut, Astronom am Southern European Observatory.
Die leistungsstärksten Spiegelteleskope der Welt
Die silbernen Schutzstrukturen des VLT Very Large Telescope wirken so unwirklich, als wären außerirdische Raumschiffe auf dem Gipfelplateau des Paranal gelandet. Es enthält die leistungsstärksten Spiegelteleskope der Welt. Mit ihnen blicken Bruno Leibundgut und Experten aus aller Welt Nacht für Nacht in die Tiefen des Weltalls. „Es ist ein seltsames Abenteuer, auf das wir uns hier eingelassen haben“, sagt Bruno Leibundgut.
Zusammenarbeit von 16 europäischen Ländern
Dieses Abenteuer begann am 5. Oktober 1962, als Vertreter der Niederlande, Belgiens, Schwedens, Frankreichs und Deutschlands die Konvention zur Gründung der Europäischen Südsternwarte, abgekürzt ESO, unterzeichneten. Mittlerweile betreiben 16 europäische Länder gemeinsam Astronomie. Der Hauptsitz der Europäischen Südsternwarte befindet sich in Garching bei München, die Teleskope stehen in Chile.
Aus der einst kühnen Idee ist eine große Erfolgsgeschichte geworden, erklärt der ehemalige ESO-Generaldirektor Harry van der Laan: „Vor Jahren standen die Amerikaner der europäischen Astronomie noch sehr skeptisch gegenüber, ein bisschen sexistisch, das sind sie teilweise noch heute – und Ich habe geglaubt, dass alles Wichtige in Amerika passiert. Wir mussten zeigen, dass es auch anders geht.“
Er hat drei Nobelpreise erhalten
Weil schlechtes Wetter und viel künstliches Licht den Blick ins All in Europa trüben, fiel die Wahl auf Chile. Dort hat das ESO-Team ein weltweit einzigartiges Observatorium in der Wüste installiert. Mit den Atacama-Teleskopen haben Experten Planeten in der Nähe anderer Sterne beobachtet, das Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße vermessen und festgestellt, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt: Diese drei Projekte wurden in den letzten Jahren mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. .
Es ist lange her, dass wir über amerikanische Arroganz gesprochen haben. Richard Ellis vom California Institute of Technology zögert nicht, die Leistungen konkurrierender Kollegen anzuerkennen: „Die Europäische Südsternwarte hat die Astronomie weltweit phänomenal verändert. Die ESO ist heute eine der wichtigsten internationalen Institutionen. Wir arbeiten alle zusammen. Aber es gibt keinen Zweifel.“ dass die wissenschaftlichen Fortschritte der Europäer in Chile von größter Bedeutung sind.”
Suche nach Planeten, auf denen Leben existieren kann
Astronomen suchen bereits nach Planeten in der Milchstraße, die Leben beherbergen könnten. Sie wollen auch das Rätsel lösen, woraus genau unser Kosmos besteht: ob es wirklich ominöse dunkle Materie gibt, die nicht leuchtet, sondern sich durch ihre Anziehungskraft auf sichtbare Objekte offenbart.
60 Jahre nach ihrer eher bescheidenen Gründung steht Europas Himmelsforschung besser da denn je, freut sich Bruno Leibundgut: „Wenn man sich die Geschichte der ESO und ihre Entstehung anschaut: Otto Heckmann hatte sein Büro in Hamburg. und eine Sekretärin, das war ESO. Jetzt reden wir über den Bau von 40-Meter-Teleskopen. Das bekannte Universum ist in dieser Zeit auch gigantisch geworden, wenn Sie so wollen. Diese Möglichkeiten sind faszinierend. Da sehe ich viele Dinge, viele Beobachtungen, die wir kann und muss in den kommenden Jahren tun, um das Universum besser zu verstehen.”
Schauen Sie sich die letzte Ecke des Universums an
Das ESO-Team arbeitet bereits am nächsten Sprung nach vorne: Das ELT „Extremely Large Telescope“ mit einem Durchmesser von fast 40 Metern steht fast auf halber Strecke auf einem Nachbarberg des Paranal. Die Oberfläche des Spiegels ist mehr als zwanzigmal größer als bei aktuellen Instrumenten. Mit dem neuen Riesenteleskop können europäische Astronomen bald buchstäblich bis in die hintersten Winkel des Universums blicken.