Aktualisiert am 27. September 2022, 07:12
ÖV Ostschweiz: „Der Entscheid ist weder nachvollziehbar noch hinnehmbar“
Die Ostschweizer Kantone sind unzufrieden mit den Plänen des Bundes zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz. Sie fordern deshalb von SBB und Bund verschiedene Verbesserungen im Bahnverkehr.
1/4
Die Kantone Glarus, die beiden Appenzell, St. Gallen, Schaffhausen, Graubünden und Thurgau fordern Verbesserungen des regionalen Schienennetzes.
20 min/Seline Bietenhard
Am Montag fand zu diesem Thema eine Pressekonferenz statt. Die Kantone der Ostschweiz wehren sich gegen den Entscheid der SBB zum Bahnverkehr in der Region.
20 min/Seline Bietenhard
Regierungsvertreter fordern eine bessere Anbindung an das Schienennetz. Aus diesem Grund werden sie eine Anfragebeantwortung an die Bundesregierung richten.
20 min/Seline Bietenhard
-
Die Ostschweizer Kantone sind unzufrieden mit den ÖV-Ausbauplänen des Bundes.
-
Der Verzicht auf schnelle Kurven führt zu einer schlechten Zuganbindung in der Region.
-
In ihrer Petition an den Bund und die SBB fordern sie bessere Verbindungen in die Ostschweiz.
-
Das Bundesamt für Verkehr versteht die Unzufriedenheit, versichert aber gleichzeitig, dass das Bahnnetz in der Ostschweiz bereits stark ausgebaut wurde.
Nicht weniger als sieben Regierungsräte aus verschiedenen Kantonen der Ostschweiz haben heute Montagmorgen an einer Pressekonferenz über ihre Forderungen an den Bund und die SBB bezüglich des Schienenverkehrs in der Region informiert. Sie stehen den Plänen des Bundes zum weiteren Bahnausbau in der Schweiz kritisch gegenüber. «Der Entscheid des Bundes ist für die Ostschweizer Kantone weder nachvollziehbar noch akzeptabel», schreiben die Regierungsräte in der Medienmitteilung der Konferenz. Die Kantone Glarus, die beiden Appenzell, St. Gallen, Schaffhausen, Graubünden und Thurgau fordern Verbesserungen des Bahnnetzes in der Region, «von der mehr als eine Million Menschen betroffen sind».
Der Grund: Die SBB haben Anfang Juli entschieden, auf schnelle Kurven mit den Dosto-Fernverkehrs-Doppelstockzügen zu verzichten, da die Technik dafür nicht geeignet war. «Dieser Entscheid hat gravierende negative Auswirkungen auf die gesamte Ostschweiz», sagte der Thurgauer Regierungsrat Walter Schönholzer an der Medienkonferenz. Das bedeutet schlechtere Zugverbindungen für die Fahrgäste und mehr Zeitverschwendung. Deshalb braucht es das Engagement aller Kantone für eine bessere ÖV-Anbindung der Region.
«Nach Bern muss eine klare Botschaft gesendet werden»
Konkret fordern die Kantone beispielsweise die Einführung des Viertelstundentakts auf der Strecke Frauenfeld–Wil, kürzere Fahrzeiten auf der Strecke Winterthur–St. Gallen, der Ausbau des Vollknotens in St. Gallen und eine Erweiterung des Angebots auf dem Netz der Rhätischen Bahn. Nicht nur Reisende sollen von den Änderungen profitieren können, sondern auch Touristen.
So haben die Vertreter des öffentlichen Verkehrs aus den sieben Kantonen am Montag eine gemeinsame Stellungnahme zur Vernehmlassung unterzeichnet, die sie an das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) übermitteln werden. «Wir müssen zusammenstehen und dem Bund zeigen, dass die Ostschweiz ein funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz braucht», sagt Regierungsrat Walter Schönholzer. Es müsse eine “klare Botschaft” an Bern gesendet werden.
Das Bundesverkehrsamt äußert Verständnis, aber auch Widerspruch
Das zum UVEK gehörende Bundesamt für Verkehr (BAV) sieht die Situation in der Ostschweiz anders. «Die Bahn wurde in der Ostschweiz in den letzten Jahren bereits stark ausgebaut und der Ausbau geht weiter», schreibt Mediensprecher Andreas Windlinger auf Anfrage von 20 Minuten. Das BAV hat jedoch Verständnis dafür, dass die Ostschweiz mit dem Entscheid der SBB nicht zufrieden ist, da dieser den Knoten Sant Gallen in Frage stellt. Die Bundesregierung prüft alternative Maßnahmen.
„Einige Aussagen der Ostschweizer Kantone zu den Anpassungen im Rahmen der aktuellen Grundsatzvorlage sind nicht ganz richtig“, so Windlinger weiter. So wurde in Absprache mit dem Kanton Thurgau der 15-Minuten-Takt zwischen Frauenfeld und Wil beschlossen. „Grund dafür waren massive Mehrkosten. Zu Spitzenzeiten sollte aber die Frequenz erhöht werden“, so das BAV.
Neuer Fahrplan für Pannen-Dosto
Auf Anfrage erklärt die SBB, dass die Robustheit und Qualität des laufenden Bahnbetriebs höchste Priorität haben. Auch die im Ausbauschritt 2035 beschlossenen Projekte sollen laut Bundesbahn auf einer realistischen und fundierten Planung basieren. Dazu gehört für die SBB vor allem die Fertigstellung des Knotensystems, weshalb ein schweizweiter Stundentakt in der West- und Ostschweiz unterstützt wird.
Die SBB verteidigt auch die Fahrzeiten zwischen Bern und Lausanne sowie zwischen Zürich und St. Gallen in seiner Stellungnahme, die bei der Bahnabstimmung 2000 von den Stimmberechtigten angenommen wurde. Nach der Aufgabe des Hochgeschwindigkeitsverkehrs mit dem neuen Dosto-Zug wird nun unter Federführung des Bundesamtes für Verkehr ein neuer Fahrplan für 2035 erstellt. Ob dafür neue Infrastrukturbauten notwendig sein werden, bleibt abzuwarten.
Abonnieren Sie den Ostschweizer Kanalboost. Verpassen Sie also nichts aus dieser Region: ob seltsame Nachrichten, tragische Schicksale oder herzerwärmende gute Nachrichten.
So geht’s: Installieren Sie die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippen Sie oben rechts auf das Menüsymbol und dann auf das Zahnrad. Durch Wischen nach oben können Sie in den Regionen den Kanalboost Ostschweiz aktivieren.