Marktbericht
Stand: 22.09.2022 18:11
Die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen in den USA hat Anleger heute aus dem Markt getrieben. Vor allem die deutlichen Worte des Vorsitzenden der Federal Reserve der Vereinigten Staaten, Jerome Powell, am Vorabend sorgten für Ernüchterung.
Wer sich über irgendein „geldpolitisches Licht“ der großen Notenbanken Illusionen gemacht hat, dürfte spätestens gestern Abend ernüchtert sein. Denn der Chef der US-Notenbank (Fed), Jerome Powell, ließ gestern Abend keinen Zweifel daran, dass der Kampf gegen die historisch hohe Inflation von derzeit 8,3 Prozent der Verbraucherpreise für die Bank absolute Priorität hat, auch wenn es darum geht Die Wirtschaft leidet also.
Auch Powell sprach Klartext und stellte klar, dass weitere Zinserhöhungen bevorstehen. „Ich wünschte, es gäbe einen schmerzfreien Weg.
Wie erwartet hat die Fed gestern ihren Leitzins um weitere 75 Basispunkte auf eine Spanne zwischen 3,00 und 3,25 Prozent angehoben, den höchsten Stand seit 14 Jahren. Wenig überraschend ist die Zinspolitik der mächtigsten Zentralbank der Welt heute das beherrschende Thema am Aktienmarkt, zumal auch andere westliche Notenbanken keinen Zweifel daran lassen, dass sie das Zinspedal weiter durchtreten werden, um die Inflation zu bekämpfen
Vor dem Hintergrund der restriktiven Geldpolitik hat der DAX heute einen schweren Stand. Der deutsche Leitindex schloss bei 12.531 Punkten, ein Plus von 1,84 Prozent. Auch der Index schloss in der Nähe seines Tagestiefs von 12.526 Punkten. Ein zwischenzeitlicher Kursanstieg auf 12.781 Punkte hielt nicht an, insbesondere nach der schwächeren Eröffnung an der Wall Street setzten sich schließlich die Bären (Verkäufer) durch.
Die dritte Anhebung des US-Leitzinses in Folge bereitet den Anlegern keine Kopfschmerzen, sagte Analyst Christian Henke von Brokerage IG. „Vielmehr hat die Angst vor einer harten Landung der US-Wirtschaft die Marktteilnehmer verunsichert.“ Ungewöhnlich aggressive Zinserhöhungen der Fed machten eine Rezession unvermeidlich.
Auch die Fed prognostizierte für dieses Jahr ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum als noch vor drei Monaten angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der größten Volkswirtschaft der Welt soll nur noch um 0,2 Prozent wachsen.
Die Deutsche Bank führt den DAX an
In einem schwachen Marktumfeld schnitten zinssensitive Aktien besser ab. Denn die Zeichen stehen klar auf weitere Zinserhöhungen, was insbesondere die Margen der Banken verbessern wird. Aber auch Versicherer gehören zu den Nutznießern, da sie die Beiträge ihrer Kunden gewinnbringender anlegen können als im schwierigen Nullzinsumfeld.
Die Deutsche Bank führte den DAX an, und auch die Allianz stieg. Auch für dieses Jahr hält Deutschlands größte Bank an ihren Umsatzzielen fest, auch wenn der unmittelbare Ausblick für 2023 laut Finanzvorstand von Moltke etwas verhaltener ausfällt. Die Zinswende kompensiere das verlorene Wachstum der Bank, erklärte er und prognostizierte einen Einnahmesprung von 700 Millionen Euro durch den Zinsanstieg.
Wirtschaftsupdate vom 22.09.2022
Anne-Catherine Beck, Personalabteilung, 22.09.2022 09:47 Uhr
Nüchterne Wall-Street-Investoren: Tech-Aktien unter Druck
Die Enttäuschung über die harte Haltung der Fed war bereits am Vorabend in New York spürbar und führte zu deutlichen Kursverlusten an der Börse. Die wichtigsten Indizes waren seit Juli auf neue Tiefststände gefallen. Die Preise fallen heute weiter, wenn auch nicht so stark wie gestern Abend.
Der führende Dow Jones verlor rund 0,3 Prozent, die Technologiebörse Nasdaq mehr als ein Prozent. Nach der Entscheidung der Fed werden vor allem Tech-Unternehmen unter Druck geraten. Höhere Zinsen entwerten die zukünftigen Gewinne dieser wachstumsstarken Unternehmen, sagen Experten.
Darüber hinaus standen heute weitere Zinsentscheidungen im Fokus. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) folgte dem Beispiel der Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) und erhöhte den Leitzins ebenfalls um 0,75 Prozentpunkte. Sie beendete nach acht Jahren die Ära der Negativzinsen. «Die SNB folgt dem Motto: ‹Fold off the origins›», sagt Ökonom Brian Mandt von der Luzerner Kantonalbank. Immerhin ist die Inflation bei den Schweizern im internationalen Vergleich noch moderat.
Die britische Notenbank hingegen hob den Leitzins moderater an, was die Marktteilnehmer überraschte. Sie erhöhte sie lediglich um 0,50 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent. An den Finanzmärkten war ein Anstieg um 0,75 Prozentpunkte erwartet worden. Entgegen dem weltweiten Trend setzt die Zentralbank Japans ihre Niedrigzinspolitik fort. Nach einer zweitägigen Sitzung beschlossen die Währungshüter, ihre wichtigsten geldpolitischen Hebel unverändert zu lassen. Der japanische Yen stand heute Morgen massiv unter Druck, bis die Zentralbank einschritt und ihre eigene Währung kaufte.
Auch die EZB hat angekündigt, den Leitzins weiter anzuheben. Mit dieser Perspektive im Gepäck bleibt die…